Berlinale 2020

50 Jahre „Forum“ – Das Jubiläumsprogramm 2020

Heulen und Zähneklappern waren groß, als 1970 den Berlinale-Machern das Festival um die Ohren flog. Der Skandal, den der deutsche Wettbewerbsbeitrags „o.k.“ von Michael Verhoeven auslöste, sorgte nicht nur für den ersten und bisher einzigen Abbruch des Festivals, sondern läutete auch die Gründung des Internationalen Forum des Jungen Films 1971 ein. Ulrich und Erika Gregor und ihre Mitstreiter*innen schufen mit ihrem dezidiert politischen und poetischen Blick eine Sektion, die wie keine andere dieses Festival bis heute prägt

Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“, Foto: Bavaria Film / Pro-Fun Media

Anlässlich des 50. Geburtstages laufen die Filme des Gründungsjahres 1971. Ohne Angst vor Experimenten und Subversion werden lustvoll narrative und formale Grenzen gesprengt. o.k., der Skandalfilm, der den Vietnamkrieg in den Bayerischen Wald verlegte, ist ebenso im Programm wie Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“. Dieser Klassiker war damals äußerst umstritten und gilt als Initialzündung für Filme der Schwulenbewegung. Eine Prämie für Irene, Helke Sanders erster Langfilm, handelt von der Rebellion der Arbeiterinnen in einer Waschmaschinenfabrik.

Eine Sache, die sich versteht (15x) von Harun Farocki: Der Bildpraktiker, Theoretiker sowie Weggefährte Christian Petzolds macht es dem Publikum nicht leicht. Der Anspruch: Ein „Verständnisprozess von Arbeitswerttheorie und Wertgesetz, Entfremdung und Fetisch“ soll in Gang gesetzt werden.

Ebenfalls im Programm: W.R. – Misterije Organizma von Dušan Makavejev. Der assoziativ montierte Dokumentarfilm über Wilhelm Reich verstört nicht nur formal. Gezeigt werden außerdem Ossessione, Luchino Viscontis neorealistisches Meisterwerk von1942, sowie Filme von Alexander Kluge, Chris Marker, Nagisa Oshima, Theo Angelopoulos, Sarah Maldoror, Jean-Marie Straub und Danièle Huillet.

Der Jahrgang 1971 spiegelt eine Aufbruchszeit von jungen Filmemacher*innen aus dem eher linken Spektrum, die heute zu den Meister*innen ihres Fachs zählen. Wer die Bedeutung des Forums für die letzten 50 Jahre des Festivals erahnen will, dem soll die These mit auf den Weg in die Kinosäle gegeben werden, dass der kritische Geist des Forums mittlerweile längst im Wettbewerb angekommen ist.


Mehr zur Berlinale 2020

Die wichtigsten Infos zu den 70. Internationalen Filmfestspielen Berlin

Christian Petzold ist dabei! Ein Kommentar zum Berlinale Wettbewerb

Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian sind die neuen Chefs der Berlinale

Gut essen & trinken während der Berlinale

Die wichtigsten Veranstaltungen und Locations der Berlinale 2020

Die Goldenen Bären 2010 bis 2019

Diese Filme laufen im Wettbewerb der Berlinale 2020

Jonas Dassler ist Shooting Star der Berlinale 2020

Alfred Bauer, der Nationalsozialismus und die Berlinale. Ein Kommentar von Bert Rebhandl

Ticker zur Berlinale – Alle News, Stars und Stories zu den Filmfestspielen

Berlinale-Tickets: Alle Informationen zum Vorverkauf

Braucht die Welt eine Revolution? Fünf Berlinale-Filme zu einer Streitfrage der Gegenwart

Gespräch mit den neuen Berlinale-Chefs Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian

Afrika bei der Berlinale: Zehn Filme, die sich mit dem Kontinent auseinandersetzen

Hat der Planet noch eine Chance? Fünf Berlinale-Filme zum Thema, Klima, Umweltschutz und Natur

Ist die Zukunft des Kinos weiblich? Zehn spannende Regisseurinnen bei der Berlinale

High Heels auf Fischernetzen – Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei der Berlinale

Wie steht es um den deutschen Film? Die zehn wichtigsten Produktionen aus Deutschland

Wann beginnt die Gegenwart? Fünf große filmhistorische Momente auf der 70. Berlinale

Der Goldene Ehrenbär geht 2020 an Dame Helen Mirren

„Generation 14plus“ nimmt junge Zuschauer ernst

Die „Retrospektive“ würdigt den Hollywood-Regisseur King Vidor

Der hiesige Regie-Nachwuchs in der „Perspektive Deutsches Kino“ schaut auf Horror und Heimat

Mehr über Cookies erfahren