Berlinale 2020

Die Goldenen Bären 2010 bis 2019


2019: Synonymes

2019 ist „Synonymes“ des israelischen Regisseurs Nadav Lapid als Berlinale-Sieger hervorgegangen. Das Drama handelt vom jungen Israeli Yoav, der große Hoffnungen an Paris knüpft. Dort will er die Vergangenheit hinter sich lassen. Seine israelische Identität will er hinter sich lassen – ein zentraler Aspekt des Films. Er wird bestohlen und erniedrigt, er findet Arbeit als Wachmann der israelischen Botschaft. Hebräisch sprechen will Yoav nicht mehr. mit einem Wörterbuch geht er durch die Stadt und bringt sich Ausdrücke bei: „beschwören“, „abschwören“. „Synonymes“ geht mitten durch eine zentrale Unterscheidung heutiger Identitätspolitik, und zwar bewusst in Frankreich, das so viel Wert auf Laizismus und die Universalität seiner Prinzipien legt

Synonymes Frankreich/Deutschland/Israel 2019, Regie: Nadav Lapid, Darsteller: Tom Mercier, Louise Chevillotte, Quentin Dolmaire, Uri Hayik, 123 Minuten


2018: Touch Me Not

Was sind die Grenzen von Sexualität, und welche Spielarten von Sex gibt es? Adina Pintilies halbdokumentarischer Film „Touch Me Not“ war der Überraschungssieger der Berlinale 2018. Der umstrittene Film zeigt in kühler, distanzierter Ästhetik drei Menschen bei ihrem Versuch, neue Zugänge zu Intimität zu finden: Laura, eine Frau an der Schwelle zum Alter, Tomas, ein Mann, der aus genetischen Gründen vollständig unbehaart ist, und Christian, der von sich einmal sagt, er würde aufgrund seiner schweren körperlichen Behinderung gelegentlich als „Gehirn ohne Körper“ bezeichnet.

Touch Me Not Rumänien/Deutschland/Tschechien/Frankreich/Bulgarien 2018, Regie: Adina Pintilie, Darsteller: Laura Benson, Tómas Lemarquis, Christian Bayerlein, Grit Uhlemann, 125 Minuten


2017: Körper und Seele

Endre ist Finanzdirektor in einem Schlachthof. Der introvertierte Mann verkriecht sich am liebsten in seinem Büro, findet allerdings bald in einem Personal-Neuzugang eine Verbündete: Mária ist zuständig für die Kontrolle der Fleischqualität. Sie ist im autistischen Spektrum und daher als Eigenbrötlerin verschrien. Sie finden zueinander, als sich herausstellt, dass ihre Träume fast identisch sind. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte wurde 2017 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Körper und Seele (Teströl és Lélekröl) Ungarn 2017, Regie: Ildikó Enyedi, Darsteller: Alexandra Borbély, Géza Morcsányi, Réka Tenki, 116 Minuten


2016: Seefeuer

Die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa ist gerade 20 Quadratkilometer groß. Für Europa ist das Eiland jedoch zum Synonym für die sogenannte Flüchtlingskrise geworden. Hier kamen Hunderttausende Menschen aus Afrika an, und vor der Küste verloren zahlreiche Menschen ihr Leben. Gianfranco Rosi setzt in seinem Dokumentarfilm „Seefeuer“ hier an. Wie das Schicksal dieser Menschen die Inselbewohner bewegt, zeigt Gianfranco in seinem Film „Seefeuer“.

Seefeuer (Fuocoammare) Italien/Frankreich 2016, Regie: Gianfranco Rosi, 108 Minuten


2015: Taxi Teheran

„Taxi Teheran“ ist genau das, was der Titel verspricht: eine Taxifahrt durch die iranische Hauptstadt. Chauffeur und Regisseur ist Jafar Panahi, dem 2010 in seiner Heimat ein Berufsverbot auferlegt wurde. Er setzte sich darüber immer wieder hinweg – und lässt in diesem Film seine Passagiere zu Wort kommen. In Panahis Taxi treffen die charismatische Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh, die erst nach dem Amtsantritt des aktuellen iranischen Präsidenten Hassan Rohani begnadigt wurde, Befürworter der Todesstrafe und ihre Gegnerinnen, schreiende Verkehrsopfer und begeisterte DVD-Dealer aufeinander.

Taxi Teheran (Taxi), Iran 2015; Regie: Jafar Panahi; Darsteller: Jafar Panahi, Hana Saeidi; 86 Minuten


2014: Feuerwerk am helllichten Tage

Diao Yinans Kriminal- und Charakterdrama „Feuerwerk am helllichten Tag“ ist eine chinesische Auseinandersetzung mit Film-Noir-Tradition. In einer abgelegenen Bergbaustadt wurde eine zerstückelte Leiche entdeckt. Die Ermittlungen enden in einem Blutbad – und Jahre später hat sich der damalige Ermittler nicht von den Folgen erholt. Traumatisiert und abgewrackt fristet er sein Dasein, bis die Spur wieder aufgenommen wird. Doppelbödig und subversiv erzählt der Film von den Schattenseiten des modernen Chinas. Dafür gab es 2014 den Goldenen Bären der Berlinale.

Feuerwerk am helllichten Tag (Bai ri yan huo), China 2014, Regie: Diao Yinan; Darsteller: Liao Fan, Lunmei Kwai, Wang Xuebing; 106 Minuten


2013: Mutter & Sohn

Der Goldene Bär 2013 ging an „Mutter & Sohn“: Calin Peter Netzers Drama behandelt komplexe Beziehungsgeflechte und Korruption in Rumänien. Die männliche Hauptfigur ist Barbu, dem eine jahrelange Haftstrafe droht. Er hat ein Kind überfahren. Seine Mutter Cornelia will das vereiteln und beginnt, Zeugen zu bestechen. Mit dem Blick auf sie wird der so nüchterne wie komplexe Film dann auch erzählt. Über Cornelia nähert man sich den Schuldgefühlen und inneren Konflikten ihres Sohnes an.

Mutter & Sohn (Pozitia Copilului), Rumänien 2013; Regie: Calin Peter Netzer; Darsteller: Luminita Gheorghiu, Bogdan Dumitrache, Ilinca Goia; 112 Minuten


2012: Cäsar muss sterben

Der Vorhang fällt, Applaus brandet auf. Die Inszenierung von Shakespeares „Julius Caesar“ war ein Erfolg. Die Schauspieler sind allesamt Schwerverbrecher, sie sitzen ein im römischen Gefängnis Rebibbia. Seit 2002 werden dort unter der Leitung des Regisseurs Fabio Cavalli Stücke erarbeitet. Der Film „Cäsar muss sterben“, den die Brüder Paolo und Vittorio Taviani über die Proben zu „Julius Caesar“ gedreht haben, ist keine Dokumentation, sondern eine mit großem Geschick vorgenommene Neuinterpretation des Stückes selbst. Zellen und Gefängnisgänge werden zu Orten eines Dramas, das von Tyrannei, Freiheit, Loyalität und der Macht des Wortes handelt – Themen also, mit denen sich Gefängnisinsassen in ihrer eingeschränkten Welt zwangsläufig auseinandersetzen müssen.

Cäsar muss sterben (Cesare deve morire), Italien 2012; Regie: Paolo und Vittorio Taviani; Darsteller: Cosimo Rega, Salvatore Striano, Giovanni Arcuri; 77 Minuten


2011: Nader und Simin – Eine Trennung

Nader und Simin lernt man bei einem Scheidungstermin beim Familienrichter kennen. Simin will aus dem Iran ausreisen. Doch weil ihr Mann nicht einwilligt, braucht sie eine beurkundete Trennung. Nader hingegen will seinen demenzkranken Vater nicht verlassen, auch wenn er die größten Schwierigkeiten hat, dessen Pflege auch nur für eine Woche alleine zu organisieren. Bürgerliche und fundamentalistische Codes, Sharia-Gesetz, Familienloyalität, Ehrgefühl und eheliche Solidarität sind nur einige der Ebenen, die sich verschränken. Farhadi verknüpft diese Fäden im Berlinale-Sieger 2011 meisterlich zum Familien- und Sozialpanorama, ohne die Widersprüche zu versöhnen.

Nader und Simin – eine Trennung (Jodaeiye Nader az Simin), Iran 2011; Regie: Asghar Farhadi; Darsteller: Leila Hatami, Peyman Moadi, Sarina Farhadi; 123 Minuten


2010: Bal – Honig

Der Goldene Bär 2010 ging an „Bal – Honig“ des türkischen Regisseurs Semih Kaplanoglu. Hauptfigur Yusuf ist ein schüchternes Kind. Wenn er spricht, dann leise. Wenn er träumt, erscheinen die Bilder realer als die Welt. Ein Film mit dem Blick eines Kindes, in dem vertraute Beziehungen sich fast unmerklich verschieben und neu gedeutet werden. Fast beiläufig erzählt Kaplanoglu vom Verschwinden des Vaters, der als Imker einen neuen Ort für seine Bienenstöcke sucht – und nicht zurückkehrt.

Bal – Honig, Türkei/ Deutschland 2010; Regie: Semih Kaplanoglu; Darsteller: Bora Altas, Erdal Besikçioglu, Tülin Özen; 103 Minuten

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