Psyche

Berliner Anlaufstellen bei Krisen: Sucht euch Hilfe!

Auch ohne eine Pandemie geht es der menschlichen Psyche manchmal einfach nicht gut. In solchen Momenten ist es wichtig zu wissen, wo man hinkann. Vielen Menschen hat die weltweite Coronakrise zugesetzt. In einer vibrierenden Großstadt wie Berlin musste der Alltag neu strukturiert werden. Im schlimmsten Fall hängt an dieser Umgewöhnung an die neue Situation ein Rattenschwanz, der sich in Form von psychischen Problemen, Sucht, Einsamkeit oder häuslicher Gewalt äußert. Doch es gibt in Berlin viele Anlaufstellen bei Krisen.

Krisen sind normal. Sich Hilfe zu holen, auch.
Foto: Unsplash/Dan Meyers

Für Berliner*innen stehen zahlreiche Stellen bereit – sowohl für Betroffene als auch für Angehörige. Hier haben wir einige gesammelt, die in Ausnahmesituationen aufgesucht oder angerufen werden können. Denn unabhängig von der Art der Krise ist es wichtig, sowohl Unterstützung zu finden als auch über seine Probleme zu sprechen und nicht zu lange mit der Krise allein zu sein. Hier haben wir für euch Hilfsangebote unterschiedlicher Träger gesammelt.

Allgemeine Unterstützung bei Krisen – vor Ort und am Telefon

Ob am Telefon oder vor Ort: Der Berliner Krisendienst zeigt Wege aus der Krise.
Foto: Imago Images/Steinach

Was ist eigentlich eine Krise? Der Berliner Krisendienst bietet Hilfe bei jeglichen Ausnahmesitationen, in die Menschen geraten können. Mit neun Standorten in Berlin und einer 24 Stunden erreichbaren Telefonnummer eröffnet er die Möglichkeit, sich schnell und auf Wunsch anonym eine Beratung einzuholen. Außerdem kennen sich die Mitarbeiter*innen des mittlerweile über 20 Jahre bestehenden Krisendiensts aus und können kompetent auf weitere, auf die eigene Situation passende, Hilfsangebote verweisen.

Jemand hört zu. Allein das kann einen ersten Anker bieten, wenn gerade etwas im Leben schiefläuft. Bei Erkrankungen, Einsamkeit, Suizidgedanken, Trauer oder Zukunftsängsten kann ein Griff zum Hörer und ein Anruf bei der Telefonseelsorge Berlin e.V. ein erster Schritt aus der belastenden Situtation sein. Übrigens: 1956 gegründet, ist der Berliner Verein die älteste Telefonseelorge Deutschlands. Auch hier erfolgt das Telefonat anonym, was dem freien Sprechen über die eigenen Probleme zugute kommen kann.


Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche in Krisen

Ein großer Aushang an einer Hauswand in der Gitschiner Straße in Kreuzberg weist auf den Kindernotdienst hin.
Foto: Imago Images/Klaus Martin Höfer

Auch in jungen Jahren kommt es vor, dass man sich plötzlich in einer Situation wiederfindet, die einen übersteigt. Oft reicht auch hier ein Gespräch oder eine Beratung, manchmal ist aber auch weitere Unterstützung oder die Vermittlung an eine Wohngruppe erforderlich. Für Kinder unter 14 Jahren und deren Eltern hilft der Kindernotdienst, interveniert in Krisensituationen und ist telefonisch rund um die Uhr erreichbar.

Beim Jugendnotdienst können Jugendliche in schwierigen Situationen rund um die Uhr anrufen, sich beraten lassen und bei Bedarf eine kurzfristige Unterbringung organisieren. Im Fokus steht hier, ob das Zuhause ein sicherer Ort ist, oder eine Inobhutnahme bei einem Träger erfolgen sollte.

Für psychische Krisen sowie bei Suizidgedanken junger Menschen bis 25 Jahre hilft Neuhland e.V. Beratungen finden hier sowohl vor Ort, als auch telefonisch, per Mail oder per Chat statt. Auf Wunsch berät Neuhland e.V. anonym und kann ein erster Schritt in eine Therapie sein.

  • Kindernotdienst, Gitschiner Straße 49, 10969 Berlin, rund um die Uhr unter Tel. 030 61 00 61 erreichbar
  • Jugendnotdienst und Mädchennotdienst Mindener Str. 14, 10589 Berlin, erreichbar unter 030 61 00 62 (Jugendnotdienst) und Tel. 030 61 00 63 (Mädchennotdienst)
  • Neuhland e.V., drei Standorte in Wilmersdorf, Friedrichshain und Buch, telefonische Beratung und Terminfindung montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr unter Tel. 030 8730 111

Hilfsangebote für Frauen

Demonstrant*innen am Internationalen Frauentag im März 2020 in Berlin.
Foto: Imago Images/IPON

Gewalterfahrungen können Schockstarren auslösen. Oft wissen von Gewalt betroffene Frauen nicht, wie und wo sie welche Hilfe bekommen, die die Abwärtsspirale durchbricht. Bei häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder bietet die BIG Hotline Beratung an und vermittelt bei Bedarf den Kontakt zu rechtlichen und psychosozialen Stellen sowie Frauenhäusern. Bei der BIG Hotline finden übrigens nicht nur Betroffene Rat und Auswege, sondern auch Angehörige und Mitarbeiter*innen von Einrichtungen, die mit Frauen mit Gewalterfahrung arbeiten.

Die LARA Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen* bietet ein breites Beratungsangebot für Frauen*, die Opfer einer Vergewaltigung, eines sexuellen Übergriffs oder sexueller Belästigung geworden sind. Auch bei der individuellen Frage, ob man die Tat anzeigen möchte, steht LARA mit kostenfreier Rechtsberatung zur Seite. Außerdem werden Frauen* hier in den Sprachen beraten, die sie sprechen, und der individuelle soziokulturelle Hintergrund wird berücksichtigt.

Besonders bei diesem Thema „Missbrauch in der Kindeheit“ fällt es Betroffenen schwer, über die oftmals jahrelang verdrängten Erlebnisse zu sprechen. Der Verein Wildwasser hat sicheren Raum geschaffen, in dem betroffene Frauen* und Trans* sich Hilfe holen können – vor Ort und am Telefon.


Oft vergessen: Unterstützung Angehöriger

Bei Krisen leidet das familiäre und freundschaftliche Umfeld mit. Was vielen nicht bewusst ist: Auch für Angehörige gibt es Hilfsangebote. Der Angehörige psychisch Kranker e.V. Landesverband Berlin bietet telefonische Angehörigenberatungen zu unterschiedlichen Themen und hilft bei der Vermittlung von Selbsthilfegruppen.

Allgemein gilt: Die meisten zuvor aufgezählten Stellen können auch Angehörigen helfen – oder an die richtige Stelle weiterverweisen. Auch wenn man die Sorge hat, dass das eigene Problem zu klein oder an einer bestimmten Stelle nicht passend sei, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Denn am anderen Hörer oder hinter der Türe sind Menschen, die helfen wollen und nicht verurteilen werden.


Hilfe bei Drogenmissbrauch und Alkoholproblemen

Bei Drogen- und Alkoholmissbrauch sollte zeitnah eine Anlaufstelle aufgesucht werden, die bei der persönlichen Krise weiterhelfen kann.
Foto: Unsplash/Mike Powell

Sucht ist eine Krankheit – und sollte auch als eine solche wahrgenommen werden. Niemand sucht sich aus, von Drogen oder Alkohol abhängig zu werden. Wer einmal süchtig ist, kommt meist nicht wieder selbst aus der Sucht heraus. Doch es gibt deutschlandweit und vor allem in Berlin viele Anlaufstellen, die Beratungen anbieten und Wege aus der Sucht aufzeigen.

  • speziell für Frauen: FrauSuchtZukunft – Verein zur Hilfe suchtmittelabhängiger Frauen e.V., Dircksenstraße 47, 10178 Berlin, Tel. 030 282 41 38
  • Notdienst für Suchtmittelgefährdete und Abhängige e.V., Genthiner Straße 48, 10785 Berlin, Tel. 030 233 240 100
  • Beratung und Therapie von Menschen mit Suchtproblemen.: vista – Verbund für integrative soziale und therapeutische Arbeit gGmbH
    Geschäftsstelle und zentrale Verwaltung, Donaustraße 83, 12043 Berlin, Tel. 030 400 370 1000

Weitere Anlaufstellen bei Krisen

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Heute stellen wir euch eine Form der Selbsthilfe vor – die Selbsthilfegruppe. Alternativtext: Let‘s talk about Selbsthilfe Formen der Selbsthilfe Wusstest du, dass es verschiedene Formen der Selbsthilfe gibt? Selbsthilfegruppen: sind Gesprächskreise einer überschaubaren Anzahl von Personen (ca. 7-15 Mitglieder) •arbeiten selbstbestimmt, d.h. die Inhalte und Arbeitsweisen der Gruppe werden von den Mitgliedern bestimmt •verlangen von ihren Mitgliedern eine aktive und kontinuierliche Mitarbeit •werden in der Regel nicht von professionellen Helfern geleitet •treffen sich regelmäßig zu festgelegten Terminen (z.B. wöchentlich, 14-tägig oder einmal im Monat) In gemeinsamen Gesprächen bei den regelmäßigen Gruppentreffen •erfahren die Einzelnen Entlastung und Unterstützung durch die anderen Mitglieder und sehen sie, dass sie mit ihrem Problem nicht allein sind •lernen sie, ihre Schwierigkeiten zu erkennen, mit ihnen umzugehen bzw. sie zu bewältigen •im Mittelpunkt der Gruppenarbeit steht der gemeinsame Erfahrungs- und Informationsaustausch •In gesundheits- bzw. krankheitsbezogenen Selbsthilfegruppen informieren sich die Mitglieder gegenseitig, z.B. über Behandlungsmöglichkeiten ihrer Erkrankung, Medikamente und Nebenwirkungen oder auch zu Fragen des Schwerbehindertenrechts oder der Pflege- und Krankenversicherung. Selbsthilfegruppen sind freiwillige Zusammenschlüsse von Menschen, deren Aktivitäten sich in erster Linie an den Wünschen und Bedürfnissen der Gruppenmitglieder orientieren. Im Mittelpunkt steht die Bewältigung des gemeinsamen Problems in der Gruppe. Obwohl diese Unterstützung eine eher nach innen orientierte Hilfe ist, helfen sich die Mitglieder damit nicht nur selbst, sondern im Austausch auch gegenseitig den anderen. #gesundheit #berlin #selbsthilfe #selbsthilfegruppe

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Das hier sind nur einige wichtige Hilfsangebote, die Betroffenen und Angehörigen von Krisen erste Anlaufstellen bieten können. Besonders im Bereich der Alkohol- und Drogenberatung gibt es viele weitere Vereine und Institutionen, die helfen. Wer nach einer passenden Selbsthilfegruppe sucht, kann sich auf der Seite der Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (SEKIS) umschauen. Außerdem hat die Schwulenberatung Berlin hier Selbsthilfeangebote für von Krisen betroffene LSTBI* Menschen zusammengestellt.


Sowohl Krisen als auch deren Lösungen sind vielseitig. Auch Künstler*innen versuchen auf unterschiedlichen Wegen, aktuelle Probleme wie Sexismus anzugehen. Auch wenn Corona irgendwann verschwindet, wird das Thema häusliche Gewalt die Welt wahrscheinlich und leider noch lange beschäftigen. Zu diesem Thema sprachen wir im Interview mit der Koordinatorin der BIG Hotline. In einer Reportage beschäftigten wir uns außerdem damit, wie das Jugendamt manchmal eingreifen muss, wenn das Kindeswohl gefährdet ist.

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