Musik & Party in Berlin

Berliner Bands mit Potenzial: Bonaparte

In Berlin spielt die Musik – und dies nicht nur anlässlich der Popkomm. Zu den vielversprechendsten Formationen der Hauptstadt zählen Bonaparte, die Zirkus und Musik verbinden

Berliner_Band_Bonaparte_Foto_von_malubarben.comDurchatmen. Hinsetzen. Noch mal drüber nachdenken. Nein, wirklich, Bonaparte sind das nächste große Ding. Das, worauf die Welt gewartet hat. Kritische Musik zum Glücklichsein. Anspruch und Party. Nicht brav, nicht doof, nicht hässlich. Dabei macht die Hedonist Army – wie sie sich auch bezeichnen – nicht unbedingt neue Musik, nur bringen sie sie verdammt glaubwürdig rüber. In Berlin, Europa oder Neuseeland hat Bonaparte seine Zirkus­truppe voller Überzeugung präsentiert, und da, wo sie waren, stand hinterher eine verschwitzte und weich gerockte Menge mit Zeilen im Ohr wie „You know Tolstoi, I know Playboy. You know too much too much too much!“, immer noch freudig auf und ab springend.

Um den Zeremonienmeister im Zirkusdirektorenkostüm – den Kaiser – wirbeln boxende Ziegen mit Identifikationsstörung, blutbeschmierte Tänzerinnen und Hasen, die Feuer spucken. Der Zirkus sorgt für Tanzanimation und denkwürdige Theatereinlagen. Der Kaiser, der die Songs schrieb, sorgt mit seinen Mitmusikern für rockende Riffs, treibende Trommeln und eingängige Hooklines а la „Anti Anti“. Die gewitzten und leicht verständlichen Texte fielen dem aus Bern stammenden Kaiser während seines Aufenthalts in Barcelona und auf seiner Europareise ein, bevor er in Berlin strandete und das Debütalbum Too Much aufnahm.Bonaparte_Foto_von_Barben_Duplex

Hier formierte sich dann auch eher zufällig die Band. Was nach unkalkulierbarem Anarcho-Wahnsinn aussieht und von Bonaparte als „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom-Musik“ beschrieben wird, ist klar durchdacht. Bonaparte, der auch als Dozent an der Uni Kurse in Songwriting gibt, weiß, wie man Musik macht. Er weiß aber eben auch, wie man, sich selbst treu, das tut, was man liebt, und er weiß Freiheiten zu schätzen. Die Zirkus­show-Crew, die ihn auf den Auftritten begleitet, bezeichnet er als demokratisches Kollektiv mit Fluktuation, wo alle machen können, was sie wollen. Das Internet ist voll von wahnsinnigen Videos und verwackelten Livemitschnitten dieses freien Kollektivs, denn wie man sich Bekanntheit verschafft, weiß Bonaparte eben auch. Unbedingt anschauen.

Popkomm Messegelände, Mi 8.10., 20 Uhr

Admiralspalast Di 28.10., 20 Uhr, www.myspace.com/findingbonaparte

Geschichte hinter dem Foto: Bonaparte

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