Essen & Trinken in Berlin

Berliner Bargeflüster

In unserer Serie treffen wir uns mit Berliner Persönlichkeiten in ihren Lieblingsbars. Diesmal sprachen wir mit Moritz van Dülmen in der Bebel Bar

DuelmenMit einer Hotelbar verhält es sich ähnlich wie mit einer Lounge im Flughafen. Es herrscht einerseits immer ein wenig Hektik, anderseits sind beides Rückzugsorte. Man trifft Menschen aus aller Herren Länder. Noch viel wesentlicher aber ist, man trifft selten auf Menschen, die man kennt. Man begegnet Personen, die in der Stadt selbst nur kurz verweilen. Ich fühle mich dadurch immer wie ein Gast in meiner eigenen Stadt. Es fühlt sich wie ein Abtauchen an, so als würde ich mal rauskommen aus dem typischen Berlin. Die Bebel Bar ist eine klassische Hotelbar. Der Gast ist anonym und der Service zurückhaltend-professionell. Ich brauche eine gewisse Gemütlichkeit und mag Diskretion und Ruhe. Das Interieur ist mir persönlich nicht so wichtig. Die Bar könnte also wirklich in jeder anderen Stadt sein. Deswegen ist sie nicht austauschbar, keineswegs. Aber wenn ich mal wirklich Ruhe brauche, einen guten Drink und einen guten Service haben möchte, dann ist sie der richtige Ort. Ich bin im Kern mit meinen Ansprüchen auch ziemlich pflegeleicht.

Wer in der Stadt viel unterwegs ist, der kennt die ein oder andere Bar. Viele der gerade angesagten Lokalitäten begegnen dem Gast mit einer gewissen aggressiven Coolness. Ich muss nun nicht gerade als König hofiert werden, will aber, dass man mich als Kunde wahrnimmt. Da mag durchaus eine gewisse Ungeduld in mir liegen – aber wer wartet schon gern 20 Minuten auf seinen Drink? Ich finde es völlig okay, wenn man gefragt wird, was man trinken möchte und der Drink dann zügig kommt. Wirklich bestechend an Berlin ist der schlechte Service. Ich kenne keine Stadt, in der das so schlimm ist, und ich bin ziemlich viel unterwegs. Auf der anderen Seite herrscht hier eine schier unglaublich Vielfalt. Wobei viele Bars ganz schnell einen gleichen Look bekommen, austauschbar werden, was gerade für das Innendesign zutrifft. Viele ziehen ein bestimmtes Klientel an, das, natürlich nicht überall, häufig sehr homogen wirkt. Gerade deshalb liebe ich die Atmosphäre in der Bebel Bar und darum der Vergleich mit einem Flughafen. Die Bar ist eine Zwischenwelt, durch die Menschen hindurchgehen und sich stetig auswechseln.    

Text:  Martin Daßinnies

Foto:Daniela Friebel/HIPI

Moritz van Dülmen ist Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin GmbH. Neben der Berlin Music Week und der Langen Nacht der Museen hat er gerade den Europäischen Monat der Fotografie (15. Oktober bis 28. November) organisiert. Nähere Informationen zum Event unter www.mdf-berlin.de

Bebel Bar & Lounge im Hotel de Rome, Behrenstraße 37, 10117 Berlin (Mitte), Tel: 460 60 90, U-Bhf. Französische Straße, tgl. ab 9 Uhr, Küche So-Do bis 23 Uhr, Fr+Sa bis 1 Uhr, Nichtraucher

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