Kultur & Freizeit in Berlin

„Berliner Baumhäuser“ ein Teil der Ausstellung „Rasende Heimat“ im Haus der Kulturen der Welt

Verboten romantisch: Tadashi Kawamatas „Berliner Baumhäuser“ im und um das Haus der Kulturen der Welt herum


Noch haben die Eichen des Tiergartens genügend grüne Blätter, um die ausladenden Holzveranden und einladenden Baumhäuser, die Tadashi Kawamata zwi­schen Kanzleramt und dem Haus der Kulturen der Welt gebaut hat, vor den Blicken zu verste­cken. Bald aber werden sie zwischen den kahl gewordenen Ästen ins Auge stechen, halb an ein Abenteuerprojekt für Kinder, halb an die Behausungen von Obdach­losen erinnernd, die sich aus billigen Wegwerfmaterialien bedienen müssen. Die Nester aus Latten und Brettern schmiegen sich auch im Haus der Kulturen um die Säulen, aber eine Leiter oder ein Seil führt nirgendwo hoch, schließlich ist das Ganze ein symbolisches Kunstprojekt. Videos im Haus zeigen, wie der japanische Künstler Kawamata weltweit im Einsatz ist, Kistenholz auf Märkten sammelt und in Workshops Kollektive aufbaut. Seine „Berliner Baumhäuser“, Teil des thematischen Programms „Rasende Heimat“ im HdKdW, sind eine sehr romantische Metapher für das Grundbedürfnis nach Schutz und die Ablehnung von normierter Architektur und Stadtplanung. Den Erwerb der besonderen Fähigkeiten, die man braucht, um im öffentlichen Raum zu überleben, verklären sie allerdings ein wenig. Wer wirklich in Berlin in solch einem Baumhaus im Tiergarten leben wollte, würde es sicher schnell mit Behörden und Verboten zu tun bekommen.    

Text: Katrin Bettina Müller

tip-Bewertung: Sehenswert

Tadashi Kawamata
Berliner Baumhäuser, Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, bis 10.1.2010

 

weitere Ausstellungsrezensionen:


„Das Chaos ist immer und überall“ – Ausstellung in der Galerie G.A.S.-station
„Von Pfauen, Libellen und Fleder­mäusen“ im Jugendstil – Ausstellung im Bröhan-Museum

 

 

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