Shopping und Stil in Berlin

Berliner Designer lassen traditionelle Handwerkstechniken, Design und Nachhaltigkeit verschmelzen

Eigentlich waren Gunda Wiegmann, eine Berlinerin, und ihr französischer Freund Jean Amat Amoros 2006 als Entwicklungshelfer in Afghanistan unterwegs.

Anwar-Jan-DSC_4255Bei einem Spaziergang durch Kabul entdeckten die beiden dann die Ledermanufaktur von Ustod Mohammad Yaqub, der Ledertaschen nach Kundenwünschen fertigt – wobei es kaum Abnehmer gab. Amoros und Wiegmann waren sofort von der handwerklichen Qualität der Taschen überzeugt und gründeten kurz darauf ihr Taschenlabel Gundara, für das Yaqubs Manufaktur seitdem Taschen aus Ziegen- und Schafsleder fertigt. Inzwischen leben nicht nur rund zehn afghanische Familien von dem Erlös, den das Label einbringt, sondern Wiegmann und Amoros haben die Produktpalette auch erweitert und lassen zusätzlich in Burkina Faso inAfrika produzieren.

laptop-awesomeDie Vorgehensweise der beiden liegt im Trend. Immer mehr Designer möchten sozial, nachhaltig und global gerecht produzieren, schwärmen außerdem für alte Handwerkstechniken, die es bei uns nicht mehr gibt – oder die hier nicht bezahlbar sind. Das Berliner T- und Sweat-Shirt-Label Feuervogel etwa lässt seine Öko-Textilien nach einer tausend Jahre alten Tradition von Hand in Bali batiken. Auch die Handy- und Tablet-Hüllen des Accessoire-Labels Kancha sind Resultat einer Zusammenarbeit mit kirgisischen Produzenten. Das Label Edelziege lässt in der mongolischen Heimat der Inhaberin Saruul Fischer produzieren und verbindet ökologische Fertigung, Frauenförderung und kuschelige Cashmere-Mode. Wichtig bei allen diesen Projekten ist die Tradition nicht zu verwestlichen – und nicht zu verramschen. Zwei Aspekte, die auch dem Berliner Möbeldesigner Mark Kwami wichtig sind, der von seinen ghanaischen Wurzeln ausgehend modernes Design jenseits von Massenware anbietet. Manchmal kommt neben der Belebung fast ausgestorbener Techniken auch ein Integrationsprojekt dabei heraus – wie in Neukölln mit dem Label Rita in Palma, bei dem ein Dutzend türkischer Frauen Häkelkragen mit außergewöhnlicher Knüpftechnik herstellt.

Text: Mareike Hasse

Fotos: Jean Amat Amoros (oben), united KANCHA small (unten)

ADRESSEN:

Gundara Neukölln, www.gundara.com

Edelziege Plauen, www.edel-ziege.de

Feuervogel Friedrichshain, www.feuervogelberlin.de

Kancha c/o Humboldt-Viadrina School of Governance, Mitte, www.kancha.de

Mia Collection (Möbel aus Afrika), Hamburg, www.mia-collection.de

Rita In Palma Shop Neukölln, www.rita-in-palma.com

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