Comic

Berliner Zeichner solidarisieren sich mit Deniz Yücel

Berliner Comiczeichner und Cartoonisten lesen im Festsaal Kreuzberg für den in der Türkei inhaftierten Deniz Yücel

Humor ist eine Waffe und Cartoons können Diktatoren gefährlich werden. Denn wer über einen Herrscher lacht, hat vor ihm keinen Respekt oder stellt sich zumindest seiner Angst. Ob der Streit um die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Tageszeitung „Jyllands-Posten“ oder der Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“, es zeigt sich, wie wichtig Witz und Mut im Widerspruch zu autoritären Regimes sein können. Eine Haltung, die viele Zeichner und Autoren nicht nur in Paris mit ihrer Freiheit oder gar ihrem Leben bezahlen mussten. Auch Deniz Yücel hat Mut und nicht selten Witz bewiesen. Als Redakteur bei der „taz“ und zuletzt als Türkei-Korrespondent der „Welt“, bis er von Erdogans Schergen verhaftet wurde. Nach Soli-Konzerten, Demos und Auto-Korsos solidarisiert sich jetzt die Berliner Zeichnerszene mit dem unbequemen Geist und allen anderen in türkischen Gefängnissen einsitzenden Journalistinnen und Journalisten. Wir haben mit Dominik Bauer und Michael Schilling, den Organisatoren der Aktion gesprochen.

tip Warum habt Ihr Euch entschieden, diese Aktion für Deniz Yücel zu organisieren?
Dominik Bauer Es gab bei einigen Cartoonistinnen und Cartoonisten das Bedürfnis, irgendetwas für Deniz zu machen. Einige von uns kennen Deniz auch persönlich. Wir haben daraufhin mit Doris Akrap vom Freundeskreis FreeDeniz gesprochen, die sofort die Idee eines Cartoon-Lese-Abends im Kopf hatte. Und so geschieht es nun.

tip Können Cartoons dabei helfen?
Michael Schilling Die Lesung erfüllt erst mal den Zweck jeder öffentlichen Solidaritätsaktion zum Thema Deniz: Aufmerksamkeit zu schaffen und das Thema im Bewusstsein zu halten. Das machen wir eben mit unseren Mitteln. Wenn wir Tänzer wären, würden wir am 21.10. tanzen.
Dominik Bauer Dass wir einen Abend lang Witze machen, finde ich aber ganz passend, wenn man sich in Erinnerung ruft, daß Deniz vom Istanbuler Haftrichter tatsächlich ein nacherzählter Witz zur Last gelegt wurde, als „Beweismittel für einen dringenden Tatverdacht“. Wo der Spaß aufhört, hört also auch die Freiheit auf und umgekehrt. Wir dürfen daher auf keinen Fall aufhören, Witze zu machen.

tip Wie wichtig sind heute noch Cartoons in der politischen Diskussion?
Michael Schilling So wichtig oder unwichtig wie jeder Zeitungskommentar. Vielleicht haben Cartoons in den sozialen Medien den Vorteil, daß sie sehr schnell gelesen und geteilt werden können. Aber sie werden vielleicht genau so schnell auch wieder vergessen.

tip Was sollte Eurer Ansicht nach konkret passieren, damit Yücel rauskommt?
Dominik Bauer: Keine deutschen Gelder mehr an die Türkei, solange deutsche Bürger dort ohne Grund gefangen gehalten werden. Und neben der Politik darf sich gerne auch die deutsche Wirtschaft für Menschenrechte einsetzen, z.B. ein so wichtiger Partner Erdogans wie die Firma Siemens.

Flix, Til Mette, Katharina Greve, Rattelschneck, Hannes Richert und viele andere haben den Stift in die Hand genommen und Cartoons und Comics über Meinungsfreiheit, die spezielle Rolle Yücels, den „Irren vom Bosporus“ (O-Ton: Martin Sonneborn) und das ganz besondere deutsch-türkische Verhältnis gezeichnet. Im Festsaal Kreuzberg kommen sie zusammen und erheben bei einer von Leo Fischer (ehemaliger „Titanic“-Chef) moderierten Gala ihre Stimme. Deniz raus!

Festsaal Kreuzberg Am Flutgraben 2, Treptow, Sa 21.10., 18 Uhr, AK: 5 €

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