Kommentar

„Berlinern“ von Jacek Slaski

Sven Regener hat sich kürzlich im tip-Interview leicht abfällig über das Berlinern geäußert. Das würde doch niemand durchgängig tun, behauptete der Autor von „Wiener Straße“ und „Herr Lehmann“

Tatsächlich wird natürlich schon berlinert, nur ist Mundart in Teilen des öffentlichen Raums verpönt, man hört sie in Kneipen oder im Stadion, aber nicht an der Uni, im Büro und in der Schule. Auch findet das Berlinerische selten Eingang in literarische Texte. Bei Regener mag es noch als Gimmick funktionieren, aber die Tradition verschwindet. Dabei übt sie einen ungebrochenen Reiz auf die jüngere Generation aus. Mein Sohn geht in die zweite Klasse, hat Migrationshintergrund. Bei uns zuhause wurde daher nie berlinert. Dennoch kommt er immer öfter mit „ditte“, „icke“ und „kieke mal“ an und will wie ein „alter Berliner“ sprechen. Neulich lasen wir das klassische Altberliner Gedicht: „Ick sitze hier und esse Klops“ – eine sehr lustige Sache! Kurz darauf dichtete der inspirierte Siebenjährige frei nach der Vorlage: „Ick ess’ Klops. Da kommt der Mops. Der Mops isst den Klops. Und ick ess’ den Mops“. Auch so lässt sich das Berlinern bewahren. Mehr Inspiration findet sich in dem Band „Berlinerische Gedichte von 1830 bis heute“ (erschienen in der Anderen Bibliothek).