Berlins Beste

Berlins beste Obst- und Gemüseläden

Im Stadtgarten – oder die Domäne Dahlem. Die Geschichte des ehemaligen Ritterguts in Dahlem-Dorf reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. So genannt alt sind auch viele der hier angebauten Salat- und Gemüsesorten und auch die Anbau- und Erntetechniken rekurrieren oft auf fast vergessenes landwirtschaftliches Wissen. Einmal als stadtnahes Landgut kultiviert, um die Metropole satt zu machen, geht es in diesem Schau- und Lehrbetrieb längst auch darum, wie die Stadt künftig satt werden könnte. Das die Ernte der Domäne darüber hinaus in Berliner Restaurants wie dem Lode & Stijn oder dem Nobelhart & Schmutzig auf die Teller kommt, unterstreicht noch einmal, dass diese Domäne längst viel mehr ist als nur ein Erlebnisbauernhof.

Foto: Karin Wendlandt

Elias Obst- & Gemüsehandlung
Mit dem Obst und dem Gemüse ist es wie mit dem Bier oder dem Eis: Eigentlich fährt man dafür nicht durch die ganze Stadt. Fragt man aber nach einer herausragend bestückten, klassischen Obst- und Gemüsehandlung, wird dieser besonders oft genannt: Elias am Roseneck, handtuchschmal eingeklemmt zwischen West-Berliner Klassikern – Butter Lindner, die Wiener Conditorei, Udo Walz. Uns gefällt die große Auswahl an Trockenobst, aber auch an regionalen wie exotischen Früchten. Zudem begeisternd: die umtriebige, aber immer freundliche Atmosphäre.
Hohenzollerndamm 92, Wilmersdorf, Mo–Fr 7–19.30, Sa 7-15 Uhr, Tel. 825 98 14

Domäne Dahlem
Genau genommen ist es die Aufgabe der Domäne, vor allem alte Sorten und landwirtschaftliche Kulturtechniken zu erhalten. Familien kennen das Berliner Stadtgut im beschaulichen Dahlem-Dorf zudem als Streichelzoo und Mitmachmuseum. Dass dort aber auch Landbau auf tatsächlich kulinarischem Niveau betrieben wird, hervorzuheben sind die Kräuter und Salate, haben die guten Berliner Restaurants schon länger gemerkt. Inzwischen werden Produkte aus der Domäne auch über den Lieferservice der Markthalle Neun vertrieben.
Königin-Luise-Straße 49, Zehlendorf, Dahlem Dorf, Mo–So 8-21 Uhr, Tel. 666 30 00,
www.domaene-dahlem.de

Speisegut
In Gatow, dort wo diese Metropole tatsächlich einen Dorfkern hat, hat das Speisegut seinen Dorfladen eröffnet. In der alten Feuerwache wird die Ernte verkauft, die nebenan auf den Äckern und in der Gärtnerei der Solidarischen Landwirtschaft eingefahren wird. Man könnte also auch gleich Mitglied werden und die eigenen Hände in den märkischen Mutterboden stecken. Von beeindruckender Qualität sind die kaltgepressten Raps- und Sonnenblumenöle der zum Speisegut gehörenden Ölmühle. Wer den Einkauf mit einem Ausflug verbinden möchte: Zum Laden gehört ein kleines Café.
Alt-Gatow 30, Spandau, Tel. 365 51 96, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 9–16 Uhr, www.regionalladen-gatow.de

Capperi!
Auf den ersten Blick ist das Capperi vor allem ein Restaurant. Bis zum Frühjahr war es das May am Ufer. Als Capperi! stehen nun artisinale Produkte aus Italien und vor allem Sizilien im Vordergrund. Aus gutem Grund. Und der heißt Pietro Nicotra und hat schon als junger Austauschstudent Oliven, eingelegte Gemüse oder traumhaft intensive Zitronenmarmeladen aus seiner sizilianischen Heimat nach Berlin importiert. Viele Restaurants und italienische Delis gehören zu seinen Kunden. Fürs Abendbrot, die Terrasse oder das Picknick empfehlen wir das große Regal im Eingangsbereich des Restaurants Ecke Maybachufer.
Pannierstr. 32, Neukölln, Schönleinstraße, Tel. 62 98 99 11, Mo+Di, Do+Fr 17–23 Uhr,
Sa+So 11–23 Uhr, www.capperiberlin.com

Von Beet und Baum
Der Lieferservice der Markthalle Neun vernetzt die aromenintensivsten Produzenten und Landwirte der Region mit den (brutal-lokalen) Berliner Gastronomen. Von Beet und Baum heißt nun der von Johanna Oberem geführte Marktstand, der diese Qualität auch für den Endverbraucher zugänglich macht: Wildkräutersalate, saisonales Wurzelgemüse oder Spargel, der keine Folie gesehen hat. Dazu hat die studierte Lebensmittelfachfrau im Sortiment, was der Markthalle bisher gefehlt hat: Südfrüchte in Bio-Qualität etwa. Radikal saisonales Einkaufserlebnis und – auch aufgrund der kurzen Wege – geschmacklich herausragend.
Eisenbahnstr. 42/43, in der Markthalle Neun, Kreuzberg, Görlitzer Bahnhof,
Di+Mi, Fr 12–18 Uhr, Sa 10–18 Uhr. www.facebook.com/pg/VonBeetUndBaum

Fruitshop Berlin
Der Exot selbst unter den verlässlichen Anlaufstellen für ausgefallenere (Süd-)Früchte. Seit 30 Jahren gibt es am Fasanenplatz Produkte von allen Kontinenten. Man setzt vor allem auf Flugware, um verlässlich aromenintensive Qualitäten zu garantieren und verspricht sogar, ausgefallene Kundenwünsche auf Bestellung zu erfüllen. Sicher keine leichte Aufgabe in einer immer internationaleren Stadt.
Ludwigkirchstr. 2, Wilmersdorf, Spichernstraße, Tel. 881 99 80, Mo–Do 8–19 Uhr, Fr 7–19 Uhr, Sa 7–15 Uhr, www.fruitshop-berlin.com

Apfelgalerie
Einen ganzen Landen rund um ein einziges Stück Obst? Na gut, es ist immerhin der Apfel. Und von Berlin ist es nicht weit bis ins Havelland, wo die Birne dem Apfel nur ein einziges Mal den Rang abgelaufen hat. Die Birne wurde literarisch, dem Apfel widmet Caty Schernus in der Schöneberger Golzstraße eine eigene Galerie. Dort geht es um alte Sorten, um seine Kulturgeschichte – und natürlich um den vollen Geschmack. Eng zusammengearbeitet wird mir dem Obsthof Schernus & Bröcker bei Frankfurt/Oder. Delikate verarbeitete Apfelprodukte kommen von der „Apfelgräfin“ Daisy von Arnim aus dem Boitzenburger Land.
Goltzstr. 3, Schöneberg, Eisenacher Straße, Tel. 44 70 56 30, Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–15 Uhr, www.apfelgalerie.de

Mimi Ferments
Markus Shimizu könnte man aus guten Berliner Küchen kennen. Im Schwein in Charlottenburg legt Christopher Kümper den Lachs auf ein Rote-Bete-Dashi von Mimi Ferments. Sogar Tim Raue schätzt das Miso aus Moabit. Dabei har der Bildende Künstler eigentlich in seiner Freizeit angefangen, mit den japanischen Fermentationstechniken zu experimentieren. Seit diesem Frühjahr hat er nun auch einen Werkstattladen und verkauft seine Misos, Dashis und fermentierten Gemüsepasten auch an die Hobbyköche Berlins. Zudem bietet Markus Shimizu Fermentationsworkshops an.
Stephanstr. 24, Moabit, Westhafen Birkenstraße, Tel. 0172-140 92 12,
Di–Do 10–18 Uhr, www.mimiferments.com

Dörrwerk
Die Idee hinter dem Dörrwerk: Das Berliner Startup produziert Trockenobst aus Früchten, die für den Verkauf als Frischware zu groß, zu klein oder einfach nur zu nonkonform gewachsen sind. Diese „Früchte mit kleinen Fehlern“ werden direkt vom Bauern oder Großhändler gekauft. Das hat dem Dörrwerk bereits den Bundespreis „Zu gut für die Tonne“ eingebracht. Längst gibt es die Dörrwerk-Tüten auch im Berliner Einzelhandel. Am Produktionsstandort auf dem Arreal des Lankwitzer Gasometers gibt es aber auch einen Werksverkauf.
Im Marienpark 22, Steglitz, Tel. 364 28 53 60, 9.30–17 Uhr, www.doerrwerk.de

Infarm
Vertikales Gärtnern geht ja gerade steil. Und unter den diversen Startups, die den Salat und Gemüseanbau auf diese Weise mitten in die Stadt bringen wollen, hat das in einem Kreuzberger Industriehof gegründete Infarm vermutlich den größten Drive. Gerade hat das Startup noch einmal 20 Millionen Euro eingesammelt, die unter anderem verwendet werden sollen, um das vertikale Gartenmanagement zunehmend zu digitalisieren. Schon jetzt gibt es die Infarm-Ernte aber in einigen Lebensmittelläden Berlins. Oder direkt in der Glogauer Straße, wo man auch ein Café betreibt.
Glogauer Str. 6, Kreuzberg, Görlitzer Bahnhof, Tel. 55 63 00 48, Mo–Fr 10–18 Uhr, www.infarm.de

Biohof Zielke
Unter den wirklich guten, kleinteilig-bäuerlichen Betrieben aus dem Berliner Umland sei hier exemplarisch der Biohof Zielke genannt. Zwar gibt es die Ernte des Bioland-Betriebs aus Vierlinden in Märkisch-Oderland auch in einigen Berliner Biomärkten. Darüber hinaus hat man aber zunehmend das Direktmarketing ausgebaut und ist – freitags und samstags – dementsprechend auf vielen Berliner Wochenmärkten präsent: etwa auf dem Winterfeldtmarkt, dem Schillermarkt in Neukölln, dem Markt am Südstern und seit diesem Frühjahr auch in der Kreuzberger Markthalle Neun.
Am Fließ 8, 15306 Vierlinden, OT Görlsdorf, Tel. 03 34 77-44 05, alle Berliner Markttermine unter: www.biolandhof-zielke.de

Prinzessinnengarten
Als vor rund neun Jahren die ersten Hochbeete und Pflanzkisten auf einer Brache am Kreuzberger Moritzplatz aufgetaucht waren, ging es vor allem um ein Recht auf Stadt. Und um das Beet, das buchstäblich unter dem Pflaster liegt. Aus dem noch immer politischen Projekt des urbanen Gärtnerns ist längst ein geschmackvolles Stück Stadtnatur geworden. Im Prinzessinnengarten ernten sogar Berlin Cafés und Restaurants. Wie das geht? Einfach eine Papiertüte nehmen und mit der eigenen Ernte füllen. Der Preis wird grob überschlagen. Günstig, zumal für diese Qualität, ist es garantiert.
Prinzessinnenstr. 15, Kreuzberg, Moritzplatz, Tel. 0176-24 33 22 97, Mo–Sa 10–22 Uhr So 10–20 Uhr, prinzessinnengarten.net

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