Schwarze Community in Berlin

Berlins Black Beat

Sie heißen „RISE“, „Freak de l’Afrique“ oder „Bantu’s Diary“: Binnen weniger Jahre sind Partyreihen mit afrikanisch beeinflusster Musik in den Mainstream von Berlins ­Clubszene vorgestoßen. Zu Afrobeats zelebriert die Schwarze Community ein neues Selbstbewusstsein – und begeistert damit auch ein überaus diverses Publikum

JAMIIE von „RISE“ auf dem Watergate Open air am Sage Beach. Foto: Kike

Alle Blicke liegen auf ihr. Anmutig wiegt sie sich zum warmen, perkussiven Sound. Sie reißt ihre Hände in die Luft und wirft lässig ihren Kopf in den Nacken. Hinter ihr spiegelt sich das nächtliche Berlin in der Spree. Sie lächelt versonnen, als der tiefe Trommelklang und die sphärisch wabernde elektronische Melodie zu einem umfassenden Sound verschmelzen und den sogenannten Drop einleiten. An der Decke leuchten hektisch rot-gelbe Quadrate auf. Die Masse tanzt ihr zugewandt, sie bewegt sich selig im Takt. Es ist DJ Minco, die an den Turntables gerade die Fäden des Abends in der Hand hält.

Die 38-jährige Berlinerin ist eine gefragte DJ in der Afrohouse-Szene, einem immer popu­lärer werdenden Genre, das Housemusik, aber auch technoide Sounds mit Elementen afrikanischer Musikrichtungen mischt. Die Crowd auf der Tanzfläche jubelt und pfeift, als sie dem treibenden Beat Congas und Djembe-Trommeln beifügt. Vor dem DJ-Pult tanzt eine sehr diverse Menschenmenge. Der Großteil der Besucherinnen ist in ihren Zwanzigern. Es fällt auf, dass das Publikum hier viel gemischter ist als sonst in Berliner Elektro-Clubs. Viele People of Colour (PoC), so die Selbstbezeichnung nichtweißer Menschen, haben sich an diesem Abend Anfang August zur „RISE“-Party im geschichtsträchtigen Water­gate eingefunden, um zu elektronischer Musik mit afrikanischen Einflüssen zu feiern.

Die Partyreihe des gleichnamigen Kollektivs ist in Berlin nur eine von vielen Veranstaltungsreihen, bei der afrikanisch beeinflusste Musik im Mittelpunkt steht. Es ist eine Club-Szene, die in der Hauptstadt zunehmend floriert. Das Angebot ist so vielseitig, dass sich inzwischen mehrere eigenständige Szenen entwickelt haben, die aber durch einige umtriebige Akteure wie den 38-jährigen Aziz Sarr, besser bekannt als DJ Wallizz, verbunden sind. Der Sohn deutsch-senegalesischer Eltern gilt auch außerhalb Berlins als einer der wichtigsten DJs der Afrohouse- und Afrobeats-Szene. Weltweit tritt er zu Gigs an: in Luanda/Angola etwa, in Dakar/Senegal oder in Madrid/Spanien. Außerdem veranstaltet er in Berlin mehrere Partyreihen.

Bereits als kleiner Junge war Wallizz von afrikanischen Sounds und Clubmusik umgeben: Sein Vater war im Berlin der 1980er- und 90er-Jahre ein bekannter Musiker. Als DJ Jimmy Bamba mischte er im legendären Schöneberger Club „Dschungel“ damals angesagte Pop-Musik etwa mit den Gesängen der BaAka aus Zentralafrika. Ein absolutes Novum zu der Zeit, von dem auch der US-Sänger Prince bei einer Stippvisite im „Dschungel“ so beeindruckt war, dass er, so wurde es in einem Beitrag der „Welt“ bekundet, von Jimmy Bamba Mixtapes erbat.

Trotzdem dauerte es bis 2012, als Wallizz, damals Anfang 30, ebenfalls mit dem Auflegen begann. Es waren westafrikanische sowie in der Diaspora, also im Exil, lebende Künstler wie P-Square, Fuse ODG, WizKid, Davido oder Sarkodie, die per Internet eine neue Welle von afrikanisch inspirierten Sounds in die Stadt brachten, indem sie unter dem Label Afrobeats traditionelle Highlife-Elemente mit westlichen HipHop- und R&B-Einflüssen mischten. Wobei der Begriff „Afrobeat“ ursprünglich auf den nigerianischen Künstler Fela Kuti zurückgeht, der ab den 1960ern traditionelle nigerianische Musik mit damals modernem Jazz und Funk mixte. Inzwischen jedoch steht die Bezeichnung Afrobeat, vor allem in ihrer Pluralform, für einen jungen, frischen Sound mit sehr viel breiteren afrikanischen – und weiteren – Einflüssen.

„Streng genommen beschreibt dieser Begriff ausschließlich poppige Clubmusik aus dem nigerianischen Raum und lässt Musik aus anderen Genres und anderen Ländern außer acht“, gibt DJ Ashyna, 30, zu bedenken, die in Amsterdam, London und Berlin auflegt. „Allerdings kann man auch nicht 300 verschiedene Musikarten auf einen Flyer schreiben. Deswegen denken viele, dass es besser für den afrikanischen Sound ist, alles unter einem Namen zusammenzufassen, da es so auch stärker anderen Genres wie HipHop oder House gegenübertreten kann.“

Es ist ein Sound, der nicht nur die Club-Szenen in Metropolen wie Lagos oder Accra aufmischt, sondern sich mit Hilfe des Internets auch in europäischen Städten wie London, Paris und eben auch in Berlin zu etablieren begann. „Das Internet ist das Beste, das Afrika und afrikanischen Künstlern passieren konnte“, ist Wallizz überzeugt. „Fette Labels werden nicht mehr gebraucht und es wurde auch allgemein leichter, Songs zu machen und zu veröffentlichen. Durch das Netz erfahren Menschen auch schneller davon. Auch die Songs wurden besser in der Produktion. Dazu kommt auch, dass viele aus den Schwarzen Communitys in Europa einen afrikanischen Background besitzen und so auch schon ein gewisses Interesse daran haben.“

Die neue Strömung ist extrem tanzbar, klingt nach bester Laune und positiven ­Vibes. Der Beat sei das Geheimnis, verriet der nigerianische Afrobeats-Starproduzent Sarz, der für viele Hits in diesem Genre verantwortlich ist, dem britischen Radiosender Capital Xtra: „Der Beat muss dich einfach bewegen. Der ist das A und O.“

Ein neues Selbstbewusstsein

Dabei geht es bei Afrobeats um weitaus mehr als nur um einen weiteren neuen Musiktrend: Es geht um nichts weniger als Identität. Vor allem bei jungen Westafrikanern und der jungen Generation Schwarzer Menschen in der Diaspora sorgt dieser Sound seit etwa 2012 für ein neues Selbstbewusstsein. „Früher – gerade in meiner Generation – war es oft so, dass es manchen Leuten peinlich war zu sagen, dass sie afrikanischer Herkunft sind“, sagt DJ Wallizz. „Man hatte das mitleidige Klischee von dem armen Kontinent, von dem keine wirklich tolle Musik, sondern ,nur’ Trommelmusik kam. Alles, was cool und Schwarz war, kam damals aus Amerika. Es gab genug Schwarze, die gesagt haben, sie seien Amis oder Jamaikaner, was aber nicht der Fall war. Jetzt, wo coole Sachen aus Afrika kommen, sind sie natürlich stolz darauf. Das freut mich zu sehen.“

Nomi, eine der wichtigsten DJs der europäischen Afrobeats-Szene, sieht es ähnlich. „Für mich ist diese Musik Teil meiner Identität“, sagt die gebürtige Stuttgarterin und Tochter ghanaischer Eltern. „Ich liebe diese Musik und fühle mich wohl, wenn ich sie höre. Es sind immer schöne Texte mit positiven Aussagen. Beleidigungen kommen nicht vor. Die Texte stecken voller Respekt und das mag ich sehr.“ Nomi, die 2011 wegen ihrer ­Modelkarriere nach Berlin zog, vermisste damals im Berliner Nachtleben die Möglichkeit, zu ihrem Lieblingssound tanzen zu können. „Es gab in Berlin zwar Clubs, in denen man Afro­beats hören konnte. Allerdings blieben die Communitys unter sich. Die Ghanaer hatten ihre eigenen Partys, die Nigerianer auch und die Kongolesen hatten ebenfalls ihre eigenen Partys.“

Beste Laune: M.I.K.-Akteure beim CDC-Festival. Foto: Schirin Moaiyeri

Viele sehen ‚Afrika‘ als Trend, aber es ist kein Trend – es ist unser Leben

DJ Nomi

Sie seien quasi aus der Not heraus zum Auflegen gekommen, erklärt Wallizz, mit dem sich Nomi plus einem weiteren Veranstalter zusammentat. Unter dem Namen „Afro Heat“ schmiss man ab 2012 als Kollektiv erste Afrobeats-Partys. Es ging um die Musik. Und eben auch darum, Menschen zusammenzubringen – unabhängig von der Herkunft. „Schon die erste Party war brechend voll“, erinnert sich Nomi an das Auftakt-Event im Cookies Club im Dezember 2012. Allerdings gab es anfangs nicht genug DJs, da der Sound in Berlin komplett neu war. „Deswegen blieb uns praktisch nichts anderes übrig, als selbst DJs zu werden, sagt Wallizz. „Ich kannte die Songs, wusste was gespielt werden muss und dann habe ich es einfach gemacht“. Heute legt er weltweit auf und veranstaltet mehrere Partyreihen. Dort spielt Wallizz „alles, was in den afrikanischen Großstädten so angesagt ist“. So auch bei seiner Veranstaltungsreihe „Freak de l’Afrique“, die es seit drei Jahren gibt und die in Berlin durch bekannte Clubs wie das Prince Charles, den Haubentaucher oder auch den Festsaal Kreuzberg tourt.

In dem Veranstaltungsportfolio des DJs befindet sich zusätzlich eine weitere kleine Party-Reihe. „Bantu’s Diary“ im Kreuzberger Maze Club ist laut Wallizz undergroundiger und zieht mit seinem Mix aus Afrobeats, HipHop und Dancehall ein eher jüngeres Publikum an. Größer hingegen sind seine Party­reihen „Black Paper“ und „Cirque de l’Afrique“. Bei Letzterer liegt neben der Musik der Fokus auch auf Kunst. So gibt es bei diesem Event regelmäßig poetische Lesungen von afrikanischen Autoren.

Denn das neue Selbstbewusstsein der Schwarzen Community speist sich aus vielen weiteren kulturellen Ausdrucksformen: aus der Bildenden Kunst, der Mode, dem Tanz oder dem Film. „Jetzt erlebt die afrikanische Kultur weltweit eine Neubewertung“, erläuterte so der britische Schauspieler Idriss Elba („Luther“, „Fast and Furious“), ein Sohn ghanaisch-sierra-leonischer Eltern, kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“. „Nach Jahrhunderten der Ausbeutung wird der Kontinent sich seines eigenen Wertes bewusst.“ Und wird auch im westlichen Mainstream zunehmend für seine kreative Strahlkraft bewundert. Die Ausstellung „Connecting Afro Futures. Fashion x Hair x Design“, die am 24. August im Kunstgewerbemuseum eröffnet wird, soll beispielsweise eine Idee davon geben, wie derzeit westlich-koloniale Schönheitsnormen durchbrochen und durch neue, frische Codes aus den Schwarzen Communitys ersetzt werden.

Stille Pose: M.I.K. Tanz-Crew. Foto: Foto: Denis „Kooné“ Kuhnert

Die Musik schlägt Brücken

Es ist eine explodierende Kreativität, die der Berliner Prince M.I.K Ofori gerne bereit ist zu teilen. Der Sohn ghanaischer Eltern ist Mitbegründer des Berliner Tanzkollektivs M.I.K.-Family (= „Masters in Krump“), veranstaltet darüber hinaus aber auch Partys und Konzerte. Zwar würde von Außenstehenden fälschlicherweise öfter geglaubt, Afrobeats-Partys richteten sich nur an Afrikaner. Tatsächlich ist die Crowd von Oforis Partys, bei denen Clubmusik mit populären afrikanischen Einflüssen im Fokus steht, meist bunt gemischt: Angehörige der afrodeutschen Community feiern hier mit PoCs sowie mit weißen Menschen aller Altersgruppen. Eine Mischung, die, so hat auch DJ Wallizz beobachtet, die Berliner Afrobeats-Szene von der in anderen Metropolen wie London unterscheidet: „Auf vielen Afrobeats-Partys in London feiern überwiegend Nigerianer und da hörst du dann auch fast nur deren Musik. Dadurch, dass wir in Deutschland keine einzelne dominierende afrikanische Community haben, sondern viele kleinere, ist es musikalisch nicht so festgefahren. Deshalb hörst du hier in Berlin verschiedene Stile aus allen Ländern.“

Für die Diversität von Menschen und Musik bei seinen Partys bekommt Wallizz regelmäßig positives Feedback – auch von den internationalen DJs, die erfreut feststellen, dass auf den Partys auch zahlreiche Nicht-Schwarze-Gäste viele der Hits auswendig mitsingen könnten. Und sogar oft die dazugehörigen Tänze wie Azonto, Shaku Shaku oder N’dombolo beherrschen. Die Musik schlägt offensichtlich Brücken und verbindet Menschen und Kontinente miteinander.

Afrobeats in Großraumdiskos

Ihr Dasein in der Special-Interest-Nische haben Afrobeats inzwischen längst hinter sich gelassen, sie sind im Mainstream angekommen. 2016 etwa avancierte die Kollaboration zwischen dem kanadischen Rapper Drake und dem nigerianischen Sänger WizKid zu „One Dance“, einem der weltweit erfolgreichsten Songs des Jahres. Auch andere internationale Künstler wie Beyonce, Major Lazer, Ciara sowie Sean Paul lassen zunehmend afrikanische Impulse in ihre Musik einfließen oder arbeiten mit afrikanischen Künstlern zusammen. Auch im Deutschrap ist diese Entwicklung nicht zu überhören, nicht zuletzt seit Bonez MC und RAF Camora 2016 mit „Ohne mein Team“ einen Top-10-Hit landeten, der sich 88 Wochen in den deutschen Verkaufs­charts halten konnte. Mittlerweile kann man afrikanischen Klängen in Großraumdiscos irgendwo in der deutschen Provinz lauschen.

DJ Nomi betrachtet diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen: „Es ist geil, dass der Sound so gehypt wird“, sagt sie. „Wir haben lange dafür gekämpft, dass die afrikanischen Einflüsse auch hier in Europa anerkannt werden. Allerdings sehen viele ,Afrika‘ jetzt als Trend, aber es ist kein Trend – es ist unser Kontinent.“ Trotzdem resümiert sie: „Ich freue mich über die Wertschätzung und dass wir es geschafft haben, dass Afrobeats in jedem Club gespielt werden.“

Es ist einer von vielen Belegen, die zeigen, dass jetzt eine neue Generation Afrodeutscher ihren Platz in der Gesellschaft einnimmt. Ausgestattet mit einem neuen Selbstbewusstsein, möchte man gegen ein verzerrtes Afrika-Bild ankämpfen. „Ich kann zwar nur von den Ghanaern sprechen“, sagt der Tänzer und Veranstalter Prince M.I.K Ofori, „aber die erste Generation ist in Deutschland angekommen und hat Kinder bekommen. Nun erobert die zweite Generation hier ihren Platz. Ich habe das Gefühl, dass wir uns untereinander erst jetzt so richtig connecten: Viele von uns fliegen jetzt einfach so nach Ghana, um auf ein Festival zu gehen. Vor vier, fünf Jahren wäre das noch gar nicht möglich gewesen. Die Leute haben sich früher gar nicht darauf eingelassen. Heute stehen sie zu sich.“

Es scheint einen Ruck in der Selbstwahrnehmung vieler in der Diaspora lebender Menschen zu geben. Ein neuer Stolz auf die Herkunft, die eigene Vergangenheit und auf die Kultur der Vorfahren. Im Zeitalter von „Black Lives Matter“, der weltumspannenden Schwarzen Selbstbehauptungsbewegung, hat ein Umdenken stattgefunden.

So findet der Hashtag #melanin, der dunkle Haut feiert, in sozialen Netzwerken größten Widerhall. „Wir sind an dem Punkt, an dem wir uns nicht mehr verstecken, sondern sind stolz auf uns. Das ist die Generation nach mir und das finde ich toll“, bestätigt auch DJ Minco. „Früher gab es keine Vorbilder, aber jetzt kommt das. Ich denke, „Black Panther“ war sehr wichtig. Das hat nochmal einen richtigen Ruck gegeben.“ Tatsächlich hatte sich der 2018 erschienene Science-Fiction-Action-Blockbuster des afroamerikanischen Regisseur Ryan Coogler mit seinen fast ausschließlich Schwarzen Darstellerinnen und Held*innen vor allem für die internationalern Schwarzen Communites als wirkmächtiger Muliplikator erwiesen.

Essen gegen Klischees beim African Food Festival. Foto: Gili Shani

Spendenboxen unerwünscht

Nun geht es also darum Brücken auf- und Vorurteile abzubauen, da ist man sich in Berlins Schwarzer Party-Szene einig. Musik ist dafür ein sehr gutes Element, findet Wallizz. „Es kam schon vor, dass mich Leute auf den Azonto-Style angesprochen haben, die Musik­richtung und den Tanz, auf die sie bei meinen Partys gestoßen sind, und die sich deshalb mit Ghana auseinandergesetzt haben“, sagt er. „Sie haben gesehen, dass Ghana ein sicheres Reise­land ist und haben dann dort Urlaub gemacht und Freundschaften geschlossen.“

Auch Liane Kobe und Kwame „Juice“ Owusu setzen sich gegen Klischees und ein verzerrtes Afrikabild ein – vor allem kulinarisch. Bereits zum fünften Mal veranstalten sie in diesem Jahr das „African Food Festival“. „Wir wollten dem Vorurteil, dass man nur Reis, Bohnen und Chicken isst, entgegenwirken“, sagt Liane Kobe und fügt hinzu: „Berlin ist ein Food-Mekka, allerdings ist uns aufgefallen, dass die afrikanische Küche in Berlin und Deutschland nicht so präsent ist. Wir waren oft in Ghana und haben eine sehr vielfältige und vor allem auch vegane Küche kennengelernt. Uns ist aufgefallen, dass Leute in Berlin nicht viel über die afrikanische Küche wissen, weshalb wir sie unbedingt nach Berlin bringen wollten.“

Bis zu 20 afrikanische Länder können Neugierige am Wochenende vom 31. August bis zum 1. September kulinarisch kennenlernen. „Dieses Jahr haben wir Zimbabwe, ­Mosambik und Malawi neu dabei“, sagt Owusu. Neben unterschiedlichsten Speisen gibt es aber auch Kunst, Workshops und Diskussions-Angebote. Und natürlich African Sounds: Beim Festival werden viele namhafte DJs und Musiker aus der Szene erwartet. „Es geht um Kommunikation mit Afrikanern auf Augenhöhe“, betont der Veranstalter. „Essen ist ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem man zusammenkommt, zusammensitzt und sich unbeschwert über Dinge unterhält und austauscht.“

Aufklärungsarbeit, so Kobe und Owusu, sei ein wichtiger Bestandteil des „African Food Festivals“. „Es geht auch darum, mit Klischees aufzuräumen. Viele denken bei ,Afrika‘ automatisch an Thematiken, die mit Spenden oder Krieg zu tun haben. Das hat man vor allem bei unserer ersten Veranstaltung gesehen, als Leute gefragt haben, ob sie ihre Spenden­boxen aufbauen können.“ Dabei sollten die Leute endlich begreifen, dass Afrika ein sehr vielseitiger Kontinent ist, der weitaus mehr zu bieten habe als das einseitige Bild, das die Medien zeigen. Gerade in Zeiten des Rechtsrucks, der momentan in Deutschland und anderen Ländern herrsche, sollte man sich besser kennenlernen. „Auf der einen Seite haben wir die neuen Strömungen, das aufsteigende Afrika und diese sehr positiven Vibes durch die Musik“, sagt Liane Kobe. „Auf der anderen Seite sind wir durch diese AfD-Welle mit einem noch größeren Rassismus konfrontiert als früher.“ Mit ihrem Food-Festival wollen Kobe und Owusu ein Zeichen dagegen setzen.

Doch wie geht es mit Afrobeats weiter, was bedeuten diese Stile für die Zukunft der Berliner Clubszene? Wallizz kennt diese Fragen schon. „Viele wollen von mir wissen, ob das ein Trend ist, wie damals Dancehall, das eine Zeitlang sehr dominant war“, sagt der DJ. „Doch der Unterschied ist, dass es hier kaum Jamaikaner gibt, weshalb das nur ein musikalischer Trend war.“ Afrobeats dagegen sei „eine kulturelle Sache“. „Der Großteil von Berlins Schwarzen Community hat einen afrikanischen Background.“

Laut Wallizz ist der aktuelle Boom erst der Anfang: „Afrobeats ist einer der wenigen ,Musiktrends‘, der zuerst in Afrika und ­Europa groß wurde und jetzt erst nach Amerika kommt. Sobald dieser Sound in den USA groß geworden ist, wird er hier noch größer.“ Wallizz macht eine kurze Pause. Und sagt dann ruhig: „Die ganz große Welle kommt erst noch.“