Musik & Party in Berlin

Berlins HipHop lebt

Die Szene hat sich jenseits von Aggro und Kommerz etabliert und erfindet sich in wöchentlichen Jams, Battles und Cyphers ständig neu.

HipHop in der Feuerwache

Sie heißen George Midas, Moskau oder Isiko. Man trifft sie im selbst eingerichteten Tonstudio am Hermannplatz, auf der Bühne beim „Rap am Mittwoch“ oder im Kreis stehend in einem Friedrichshainer Keller. Sie sind drei von vielen Berliner Freestyle-Rappern.
„Freestyle-Rap lebt davon, dass man spontane Texte rappt und das bedarf einiger Übung. Dafür und um Nachwuchs-Freestyler zu akquirieren, bieten wir eine allwöchentliche Plattform“, beschreibt iGadget sein Konzept. Er und Special Agent ZuluBoRKe sind die Hosts der EODub Cypher im Lauschangriff. Die Events sind Teil des End of The Weak Germany, der deutschen Sektion des gleichnamigen weltweiten Zusammenschlusses HipHop-Begeisterter. „Die ‚Challenge‘ kann am besten mit dem Wort Herausforderung übersetzt werden und unterscheidet sich dadurch, dass die Teilnehmer nicht frontal gegeneinander rappen“, erklärt Borke. Stattdessen stehen drei bis 15 Rapper im Kreis und das Mikrofon geht reihum. „No Dizz, no Schizz. Dummschwätzer und Poser haben beim Publikum keine Chance mehr.“, erklärt iGadget.
HipHop LauschangriffWenn dennoch Leute übers Ziel hinaus schießen, ist es Usus, dass der DJ die Beats sofort ausmacht. Das klare Signal, dass man nicht erwünscht ist. iGadget unterstreicht, dass sich in den letzten Jahren einiges verändert hat: „Vor allem in der Kooperation und dem Austausch der verschiedenen Lager. Endlich ziehen alle an einem Strang, um den Karren HipHop aus dem Dreck zu holen.“ George Midas nickt: „Schön, dass wir es geschafft haben, uns eigene Plattformen zu schaffen, die jenseits etablierter Medien und Kommerz funktionieren.“
Kooperation ist auch das Credo bei der Planet-der-Affen-Art-Session. Dort wird mit der eigenen Hausband performt. So kommen zum puren Rap auf Beats vom Vinyl mit den Instrumentalisten Einflüsse aus Funk, Jazz und Blues dazu. Neben den musikalischen Beiträgen sind auch Visual Artists  und Tänzer vor Ort.
Kai alias Moskau trifft sich am Hermannplatz mit Dawid alias Isiko von MOE. Das Kürzel steht für Menschen ohne Erfolg, was beim Ehrgeiz der Jungs allerdings wohl eher ironisch gemeint ist. Die Jungs der Berliner Crew haben sich in einer Mietwohnung ein professionelles Studio gebastelt. Seit drei Monaten können endlich Tracks geschrieben und direkt umgesetzt werden. Allerdings unterschätzen auch Isiko und Moskau nicht den Wert von Live-Sessions, schließlich haben sie sich selbst vor einem Monat auf einer näher kennengelernt und gleich zwei Tracks zusammen gemacht.
HipHop Lauschangriff„Each one teach one“ würde Olad Aden das nennen. Er nutzt im Rahmen seiner Tätigkeit für den Straßensozialarbeitverein Gangway e.V. sämtliche Formen der HipHop-Kultur als alternative Bildungs- und Zugangsmethode für Jugendliche, als künstlerischen Ausweg aus der allgegenwärtigen Kriminalität und Gewalt. Die Berlin Bronx Connection ist nur eines seiner Projekte. Dabei organisiert Aden einen Austausch zwischen jungen Rappern aus Berlin und New York. „Wir versuchen über Vertrauen und Freiwilligkeit, die Jugendlichen wieder zum Denken zu animieren.“ Viele haben zunächst nur diese Klischees im Kopf, die ihnen vom Kommerz vorgegaukelt werden. Wir wollen, dass die Jugendlichen Erfolgserlebnisse haben. Etwas in dem sie gut sind.“
Ähnlich geht auch Flo alias Shiranu vor. Er betreut als Pädagoge den Musikbereich, also das Tonstudio der Alten Feuerwache e.V.. Die wöchentliche Cypher ist kostenlos und Talente wie S-Rok, Amewu und Macdalone helfen Flo gern in seinem Bestreben, dem Nachwuchs ein gutes Vorbild zu sein. „Die Szene ist weitaus entspannter als noch vor 15 Jahren – wo jeder gegen jeden war und es eigentlich immer nur um Battle-Rap ging. Die Toleranz und Verständigung wächst täglich.“

Text und Fotos: Susan Schiedlofsky

EODub Cypher, Lauschangriff, Rigaer Straße 103, Friedrichshain, Di ab 21 Uhr

Planet-der-Affen-Art-Session, Chesters Music Inn, Glogauer Straße 2, Kreuzberg, 2. und 4. Do ab 21 Uhr

PCAMP: CYPHA Freestyle Session, Alte Feuerwache, Axel-Springer-Str. 40/41, Kreuzberg, Fr 19–24 Uhr

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