Stadtleben und Kids in Berlin

Berlins neuer Häuserkampf

Ein Konzern will Eigentumswohnungen schaffen. Ein Hausbesitzervertreter versucht, Wohnungen zu entmieten. Eine Eigentümergesellschaft findet sich mitten in der Gentrifizierungsdebatte wieder. tip-Autor Erik Heier über den neuen Häuserkampf.

mietsteigerung stoppJetzt, im Spätsommer, wachsen dem Kirschlorbeer Früchte. Seine Blätter sind ledrig, glänzend, oval. Wenn man sie zerreibt, riechen sie nach Bittermandelöl. Kleingärtner mögen den Lorbeer auch als Hecke. Wenn es aber gegen Gentrifizierung geht,  muss auch Kirschlorbeer dran glauben.

Ein warmer Mittwochabend an einer Straßenecke im Kreuzberger Graefekiez. Pittoreskes Kopfsteinpflaster, Poller in Zweierreihen quer über der Kreuzung. Das Gründerzeithaus, das diese Ecke umspannt, ist hell, freundlich. Vor der Eckkneipe unten im Haus spielen ein Bassist mit Rastalocken und ein Gitarrist leisen, pulsierenden Jazz in die heitere, arglose Abendluft hinein. Es ist das blanke Gegenteil der Gefühlslage ein paar Meter über diesen beiden Musikern. In einer Wohnung, in der rund ein Dutzend Mieter versucht, gemeinsam mit ihrer Angst fertig zu werden. Und mit ihrer Wut.
Denn an der Fassade ihres Hauses, Grae­festraße 11/Böckhstraße 13, hängt ein riesiges rotes Schild: „Verkauf!“.

Das Haus gehört der Berliner Filiale eines dänischen Konzerns. Tжkker betreibt 3.500 Mietwohnungen in Berlin, den Großteil in Eigenbesitz. Viele davon liegen in Kreuzberg. Dieses Haus ist das erste, das der Konzern in Eigentumswohnungen aufteilen will, um diese dann einzeln zu verkaufen. Für Tжkker ist es nur ein Pilotprojekt. Für seine Mieter ist es eine Existenzfrage.
Neulich habe ein Gärtner im Auftrag der Verwaltung im Innenhof vier Tonkrüge aufgestellt. Aufhübschung für Kaufinteressenten, glauben einige. Der Gärtner pflanzte Kirschlorbeer ein. „Den habe ich gleich mal rausgerissen“, sagt eine Frau, sie macht eine Wegwerfgeste. „Jahrelang lassen die alles verwahrlosen. Und dann das.“

Es ist eine Angst, die derzeit in vielen Kiezen umgeht. In Kreuzberg, Friedrichshain,  Neukölln, Moabit, Schöneberg. Angst vor steigenden Mieten. Angst, die Wohnung nicht mehr halten zu können. Angst, verdrängt zu werden. Aus dem Haus, aus dem Kiez. Kürzlich stellte der Gutachterausschuss für Grundstückswerte fest, dass Berlins Immobilienmarkt 2010 so stark gewachsen ist wie seit dem Boomjahr 2006 nicht. Besonders bei Mietshäusern und Wohnungen. Am Sonnabend, 3. September, rufen deshalb unterschiedlichste Gruppen zu einer großen Mietenstopp-Demo auf, ab 14 Uhr, sie startet am Hermannplatz.

In diesem Text geht es um drei Häuser in Kreuzberg und Neukölln. Dort, wo die Aufwertung und die Verdrängung derzeit am stärksten zu spüren sind. Es geht um Mieter, die sich wehren. Gegen den Verkauf ihrer Wohnungen. Gegen groß angelegte Modernisierungen, die unweigerlich Mieterhöhungen mit sich bringen. Oder gegen Versuche, ihre Wohnungen zu entmieten, mit allen Mitteln. Es ist aber auch eine Geschichte darüber, was diese Angst mit den Menschen macht. Und dass die Dinge nicht immer so eindeutig liegen, wie es auf den ersten Blick scheint. Berlins Häuserkampf hat viele Facetten.

Den vollständigen Text lesen Sie in der tip-Ausgabe 19/2011 ab Seite 30.

 

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