Kultur & Freizeit in Berlin

Beruf: Stadtführer

Der Touristenmarkt ist hart umkämpft. Jeder, der will, kann Sightseeingtouren anbieten. Gute Chancen haben Stadtführer mit einer ­Weiterbildung.

Beruf: Stadtführer
Foto: Imago/ Steinach

Fachwissen? Check. Kenntnisse über aktuelle Entwicklungen im Stadtgeschehen? Check. Fremdsprachen? Check. Na dann: Herzlich willkommen im Kreise der Berliner Stadtführer. Während es früher ausreichte, hinter alle drei Qualifikationen ein Häkchen zu setzen – der Rest ergibt sich dann schon über das bewährte Prinzip des Learning by Doing –, stellt die Branche heute andere Anforderungen. „Der Markt bietet nicht mehr die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Wenn man einen Auftrag bekommt, muss der auf Anhieb professionell durchgeführt werden. Sonst fliegt man sofort wieder raus“, meint Peter Weiss, Geschäftsführer bei Sightseeing Point, einem der ältesten und größten Anbieter für Städtetouren im Berliner Raum. Der Markt lebe von Stammkunden – Hotels, Reisebüros, Busreiseveranstalter, Agenturen – und die gewährten Branchenneulingen keine Eingewöhnungsphase.

Aus diesem Grund rät Weiss allen, die über ein zweites Standbein im Gästeführer-Metier nachdenken, eine Ausbildung zu absolvieren. „Wer ein Zertifikat erwirbt, schafft damit Vertrauen bei seinen künftigen Auftraggebern. Ohne Ausbildung ist man gegenüber seinen Konkurrenten klar im Nachteil.“ Seit zehn Jahren bildet Weiss an seiner Agentur Nachwuchs-Stadtführer aus. Der Lehrgang orientiert sich dabei an der 2008 beschlossenen europäischen DIN-Norm. Diese sieht einen Umfang von etwa 600 Unterrichts­einheiten vor, die sich über einen Zeitraum von einem halben Jahr erstrecken. Damit ähnelt die Ausbildung zum Stadtführer einem Abschluss als Fachwirt. Zu den Lehr­inhalten gehören neben gebiets­spezifischem Wissen über Kunst, Geschichte, Architektur und dergleichen auch Führungsfertigkeiten und Kommunikationstechniken. „Die Herausforderung eines Guides besteht ja nicht nur darin, Wissen zu haben, das man dann einfach runterbetet, sondern Leute auf lebendige Weise durch die Stadt zu führen„, erklärt Weiss. „Dazu muss man entsprechend präsentieren und formulieren können.“ Um die Gruppen anzuleiten, brauche es außerdem ein gutes Maß an sozialer Kompetenz. Dazu gehörten Aspekte wie Konfliktbewältigung, Begeisterungsfähigkeit und das Einfühlungsvermögen, die Bedürfnisse der Gruppe richtig einzuschätzen. „Bis zu einem gewissen Grad ist das natürlich auch eine Talentfrage“, gibt Weiss zu.

Neben den praktischen Übungen, die den größten Teil des Lehrgangs ausmachen, gibt es noch einen weiteren wichtigen Kompetenzbereich, der von den Teilnehmern zu Beginn oftmals unterschätzt wird: Marketing. „Stadtführer müssen Kunden akquirieren können. Erfolgreiche Guides sind immer auch gute Unternehmer“, sagt Weiss. Ein großer Irrtum vieler Marktneueinsteiger sei, dass sie dächten, einfach nur ein paar Touren zusammenstricken zu müssen, um diese dann irgendwo anzubieten. „So läuft das nicht. Erstens sagt der Kunde, was er will, und nicht umgekehrt. Und zweitens läuft der Kontakt zum Kunden fast immer über einen Vermittler. Touristen direkt zu erreichen, ist schwer.“ Folglich empfiehlt Weiss seinen Absolventen nach Ende der Ausbildung, sich zunächst größeren Veranstaltern anzuschließen.

Einfacher gerät der Berufseinstieg über eine Ausbildung beim Konkurrenzunternehmen StattReisen. Wer das Bewerbungsverfahren übersteht, wird gezielt nach den Anforderungen des Veranstalters ausgebildet und anschließend als freier Guide übernommen. Der Crashkurs kostet 140 Euro und konzentriert sich auf die Vermittlung praktischer Fähigkeiten. Fachwissen setzt StattReisen voraus. „Uns geht es darum, den Teilnehmern beizubringen, wie sie unsere Philosophie in ihre Stadtführungen integrieren“, erklärt Geschäftsführer Jörg Zintgraf. Denn Stattreisen verstehe sich nicht als Tourismus-Dienstleister, sondern als Bildungsträger, der Berlin in all seinen Zusammenhängen verständlich machen wolle.

Ebenfalls kompakt und praxisnah ist der Gästeführer-Zertifikatslehrgang der IHK, der bereits seit 1995 existiert. Die dreieinhalbmonatige Weiterbildung endet mit einem schriftlichen und einem mündlichen Test. Was danach kommt, liegt in den Händen des Teilnehmers. „Wir weisen immer darauf hin, dass man nicht der Illusion erliegen darf, das hauptberuflich machen zu können. Ein zweites Standbein ist unerlässlich„, sagt Dorothea Hofmann von der IHK. Wer zuverlässig und zeitlich flexibel ist und von den Kunden gut bewertet wird, habe aber durchaus gute Beschäftigungschancen, meint Peter Weiss von Sightseeing Point: „Der Bedarf an guten Guides ist hoch. Wir suchen laufend nach qualifizierten Nachwuchs-Stadtführern.“

Adressen

Sightseeing Point Wissmannstraße 21, Neukölln, Tel. 220 11 88 89,www.berlin-seminar.de. Aktuell laufende Kurse (späterer Einstieg möglich): Tageskurs: seit 27. Oktober Kosten: Dieser Kurs richtet sich primär an Arbeitssuchende ­(Bezieher von ALG I und ALG II) mit gültigem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit. Abendkurs: seit 3. November Kosten: Der Kurs besteht aus zwei Modulen: dem Basiskurs (950 Euro) und dem anschließenden Zertifikatskurs (590 Euro).

StattReisen Liebenwalder Straße 35 a, ­Wedding, Tel. 4 55 30 28, www.stattreisenberlin.de, Bewerbung per E-Mail an  info@stattreisenberlin.de

IHK Fasanenstraße 85, Charlottenburg, Tel. 31 51 08 08, www.ihk-berlin.de/aus_und_weiterbildung Umfang: 185 Unterrichtsstunden, Kosten: 1.296 € (IHK-Mitglieder), 1.346 € (Nichtmitglieder)

Verband der Berliner Stadtführer Kaiserin-Augusta-Allee 14, Moabit, Tel. 86 42 20 74, www.berlin-guide.org In Zusammenarbeit mit der Berlin Akademie nach ­europäischer Norm (DIN EN). Ausbildungsbeginn: 3. März 2015

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