Musik & Party in Berlin

Blaudzun

Blaudzun
Foto: IAMKAT

Wenn Johannes Sigmond alias Blaudzun liest, was in der US-Presse so alles über ihn geschrieben wird, dürfte er sich manchmal leise wundern. „Aus der Nähe Amsterdams“ komme er, heißt es da schon mal, wenn eigentlich Utrecht gemeint ist; oft wird anerkennend notiert, dass der Sänger mit der enormen Brille und der eigenwilligen Gesichtsbehaarung einen „Dutch Edison Award“ sein Eigen nennt („der niederländische Grammy“ – für alle Nichtholländer – d. R.). Wie viel einfacher wäre es doch, Sigmond käme aus Brooklyn oder Austin; es würde scheinbar viel besser passen zu dem Mann mit dem eindringlichen Folkfalsett, der so aussieht wie ein hipper New Yorker Jungprofessor. Noch dazu schreibt der 39-Jährige so wehmütige und üppige Americana-Epen, als habe er sie in Bon Ivers berühmter Waldhütte irgendwo in Wisconsin ersonnen. Jedes der bisher vier Blaudzun-Alben nahm bisher an Größendimensionen zu; sein bislang erfolgreichstes, „Heavy Flower“ von 2012, badete genüsslich in warmen Folkorchesterklängen.

Kombiniert mit seinen vor Gefühl bebenden Stimmbändern erinnert Blaudzun von fern an Bands wie 16 Horsepower oder Arcade Fire, in ruhigeren Episoden denkt man eher an einen an der Welt und der Liebe verzweifelnden Geistesbruder von Ryan Adams. Das jüngste Werk „Promises Of No Man’s Land“ erscheint nun als erste offizielle Veröffentlichung in Deutschland; für die in Barcelona, Utrecht und Berlin entstandenen Songs legte Sigmond noch mal eine Schippe Drama drauf und zelebriert eine akustisch gefärbte Klang-Orgie um galoppierende Drums, jubilante Chöre, Streicher, Bläser und eine kleine Armada an Gitarren.

Text: Ulrike Rechel

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