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Bob Dylan: „The Bootleg Series Vol. 13 – Trouble No More 1979 –1981“

Erleuchtung im Hotelzimmer: Um die spirituelle Phase 1979 – 1981 von Bob Dylan geht es auf Episode Nr. 13 der Bootleg Series, die Dylans historische Aufnahmen würdigt

Die 1970er Jahre waren eine ausschweifende, aber auch zerstörerische Zeit für Bob Dylan: Nach der Trennung von seiner Frau Sara und der wilden „Rolling Thunder“-Tour stürzte der Star in eine Sinnkrise, bis ihm ein anonymer Fan ein Kruzifix auf die Bühne warf. Dylan nahm es mit und erlebte kurz darauf eine Erleuchtung im Hotelzimmer. Jesus Christus selbst will er gespürt haben, und so wandte sich der in eine jüdische Familie geborene Robert Zimmerman schließlich dem Christentum zu.

Mit „Slow Train Coming“, „Saved“ und „Shot of Love“ brachte er zwischen 1979 und 1981 drei Alben heraus, auf denen er seine neue spirituelle Suche und die Herrlichkeit des Herren besang und gleichermaßen Fans wie Kritiker verstörte.

Die dreizehnte Ausgabe der dokumentarischen Reihe „Bootleg Series“ rehabilitiert ­diese verfemte Phase in Dylans Œuvre. Auf „Trouble No More“ sind vor allem Live-Aufnahmen versammelt, die in jener Zeit entstanden sind. Erst hier spürt man die beseelte Kraft von Liedern wie „Gotta Serve Somebody“, „When You Gonna Wake Up?“ und „Every Grain of Sand“, die auf den Alben eher spröde daherkamen. Dylan erschafft mit seiner Band um Session-Drummer Jim Keltner eindring­lichen, universellen Soul mit Chorgesang und ausufernden Instrumentalpassagen. In diesem groovigen Gospel-Sound verwandelt sich selbst das naiv anmutende „Man Gave Names to All the Animals“ in ein Hohelied.

Es zeigt sich, dass Dylan selbst an seinem vermeintlichen Tiefpunkt fähig war, große Kunst zu erschaffen. So schnell wie sie kam, war die christliche Phase dann aber auch vorbei. Dem Normalfan sollte die 2-CD-Box genügen, für Experten gibt es noch die 8-CD-Deluxe-Ausgabe und eine Vinyl-Edition. Hallelujah!

Bob Dylan The Bootleg Series Vol. 13: Trouble No More 1979 –1981 (Sony)

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