Kultur & Freizeit in Berlin

Bonaventure Ndikung

Seit Bonaventure Ndikung in das Kuratoren-Team der Documenta 14 ­berufen wurde, gilt sein Urteil als Indikator für die Kunst von morgen.

Bonaventure Ndikung
Bonaventure Ndikung Foto: Gina Folly

Es ist einer dieser ersten, klirrend kalten Januartage, als der tip Bonaventure Soh Bejeng Ndikung zum Gespräch in der Kantine des alten Krematoriums Wedding trifft, das seit einiger Zeit unter dem Namen Silent Green als Kulturort firmiert. Bevor sich Ndikung, promovierter Biotechnologe, vor allem aber Kunstkurator, an den Tisch setzt, pellt er sich aus seinen Sachen: ein dicker Mantel, eine Jacke mit stirntiefer Kapuze, darunter Strickmütze und offensichtlich mehrere Pullover. Der gebürtige Kameruner weiß, wie man sich gegen tiefe Temperaturen wappnet: In seinem Art Space Savvy Contemporary, das bis Ende 2015 im ehemaligen Neuköllner Umspannwerk logierte, lagen die Temperaturen im Winter nur im einstelligen Plusbereich – das Gebäude war praktisch nicht beheizbar.

Umso bezeichnender, dass Ndikung und sein Team nicht nur innovative, internationale Künstler zu Ausstellungen und Interaktionen anlockten. Auch ein aufgewecktes, kosmopolitisches Publikum, darunter wichtige Multiplikatoren und Entscheider in der Kunst-Szene, gaben sich bei Savvy die Klinke in die Hand. Ndikung betrachtet Kunst aus einer globalen Sicht, ist besonders an der spannenden, aber lange marginalisierten, nicht westlichen Perspektive interessiert. Gerade in den aktuellen Zeiten des Umbruchs kommen von dort elektrisierende Impulse, die alte Gewissheiten außer Kraft setzen können.

Genau wegen dieses Ansatzes wurde Bonaventure Ndikung Ende vergangenen Jahres in das Kuratoren-Team der Documenta 14 berufen. Denn Adam Szymczyk, der Leiter der international maßgeblichen Kunstschau, die 2017 in Kassel und Athen stattfinden wird, hat sich zur Aufgabe gemacht, von jenen zu lernen, „die von den Medien und der Politik üblicherweise übersehen werden“, wie er einer Kassler Zeitung sagte.

Ndikung steht kurz vor dem Abflug nach Indonesien. Er wird nun verstärkt reisen. Die Künstler, die sein Augenmerk gewinnen werden, stehen unter besonderer Beobachtung: Mögliche Teilnehmer der kommenden Documenta? In welche Richtung es gehen kann, signalisieren kommende Ausstellungen bei Savvy, das in diesen Tagen ins Silent Green umzieht. Die interdisziplinäre Gruppenschau „Shooting at Clocks: On Laziness, Economy of Time and Productivity“ ab 5. März etwa will nach dem Sinn einer frei drehenden westlichen Produktivität contra einer vermeintlichen Faulheit südlicher Völker fragen. Ndikung: „Es ist kein Naturgesetz, dass man immer mehr Dinge für wachsende Müllberge produzieren oder mit subventionierten Erzeugnissen fremde Märkte zerstören muss.“

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