Indie-Rock

Bonjour, Tristesse! Isolation Berlin

Isolation Berlin sind wohl die Band des Jahres – als Popprinzen des subtilen Galgenhumors

iso_ringer_c_promo

Er schreibe „die ganze Zeit Texte“, hat Tobias Bamborschke mal in einem Interview gesagt. Der Sänger von Isolation Berlin deutet damit an, warum seine Band vergleichsweise verschwenderisch umgeht mit ihren Songs. Parallel zum Debütalbum vom Februar veröffentlichten sie etwa eine EP mit früheren Werken; ein Fan-Favorit wie „Annabelle“ erscheint auch mal überhaupt nicht auf einer Platte – es gibt ja genug andere. Und jetzt sind schon wieder neue Stücke der Senkrechtstarter aus Prenzlauer Berg erschienen: auf einer „Split-EP“ mit Der Ringer (Kollegen auf dem Label „Staatsakt“, siehe Foto), die jetzt auch als Support spielen.

Keine Frage, 2016 war ein produktives Jahr für die Indieband, die ein wenig so klingt, als hätten sich Element Of Crime und The Libertines zur Zeitreise im Westberlin der 1980er verabredet. „Und aus den Wolken tropft die Zeit“, der viel beachtete Erstling, hat entsprechende Soundtrack-Qualität: Die Songs sind Episoden einer Geschichte, die ihren Lauf nimmt und Richtung Abgrund weist. In den Orten und Szenen, die Bamborschkes Erzähler-Ich passiert, spiegelt sich die Tristesse der Stadt. Ein Satz aus der von torkelnden Gitarrenklängen getragenen Ballade „Schlachtensee“ wird als einer der lakonischsten Heartbreak-Sätze des Popjahres hängenbleiben: „Der Schlachtensee ist auch ohne dich ganz schön“, heißt es da, tieftraurig und leise humorig. Ein finales Heimspiel gibt die Band, bevor sie wieder im Studio verschwindet.