Drone Metal

Boris spielen im Lido

Nach der Krise: Tokios Metal-Instanz Boris ist zurück und klingt so radikal wie eh

Man kann es Atsuo, Takeshi und Wata nicht verdenken, dass sie vor kurzem ans Aufhören dachten. Die drei sind seit einem Vierteljahrhundert das Drone-Metal-Trio Boris. Eine Zeit, in der sie es in Sachen Produktivität locker mit ihren Vorbildern Melvins aufnehmen konnten: Mit einem neuen Werk pro Jahr konnte man rechnen. Doch nach dem letzten Triple-Album von 2015 fühlte sich Japans Underground-Instanz am Ende – alles schien gesagt und getestet: ob Punk-gefärbter Sludge-Metal oder ätherischer Shoegaze-Pop.
Das Happyend vorweg: Soweit ist es nicht gekommen. „Dear“ heißt das Album, das nun nicht das Finale, sondern den 25. Geburtstag der in Tokio lebenden Band einläutet, die sich Anfang der 90er-Jahre an der Uni kennen lernte. Nicht wenige Einflüsse entdeckte das Trio damals durch die Tätigkeit ihres Drummers Atsuo: Der arbeitete in einem Indie-Plattenladen und grub in den Kisten nach amerikanischen Langsam-Dröhnern wie Earth, Sleep oder eben Melvins.
„Dear“ erinnert nun an eine Reise in die eigene Vergangenheit: Die Single „Absolutego“ ist schlüssig nach dem Debütalbum von 1996 benannt, das damals nur einen langen Track enthielt und das Drone-Genre in Japan einführte. Der Pfad führt entlang heilig-ernster Prog-Epen und verwunschener Stimmungsstücke, in denen Gitarristin Watas Elfengesang einen Hauch J-Pop-Exotik verströmt. Nein, wie ein Schlusskapitel wirkt „Dear“ kein bisschen.

Lido mit Co-Headliner Acid Kings, Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Di 8.8., 21 Uhr, VVK 20,80 €