Essen & Trinken in Berlin

Briefmarken Weine in Friedrichshain

Im denkmalgeschützten Interieur eines Ladenlokals in der ­Karl-Marx-Allee ist Briefmarken Weine die bis dato wunderbarste Neueröffnung der Saison.

Briefmarken Weine in Friedrichshain

Der Unterschied zwischen dem Stil und der Mode sei, so sagt man, dass man Stil eben habe, während man mit der Mode allenfalls gehen kann. In diesem Sinne sind die Weinbars vielleicht tatsächlich in Mode. Aber dann betritt man den ehemaligen Briefmarkenladen in einem der stalinistischen Zucker­bäckerbauten in der in kulinarischen Dingen eigentlich eher unverdächtigen Karl-Marx-Allee und ist mittendrin in einem dieser Orte, die man ohne esoterischen Beigeschmack als ­“beseelt“ bezeichnen möchte. Die bunt gewürfelten Holzstühle, die Zweige in den ­Vasen, die Bärte der Briefmarken-Weinbar­männer, die Opern­verfilmung, die da an die grob geputzte Wand geworfen wurde – alles hier hat Stil in einem sehr lässigen, unangestrengten Sinne. Die Weine, zumindest die roten, liegen in den denkmalgeschützten Briefmarkenregalen. Und kommt einer von ihnen auf den Tisch – in unserem Falle ein Pinot Bianco von der Südtiroler Kellerei Andrian –, ist sein Preis unfassbar aufrichtig kalkuliert. Nicht einmal das Zweieinhalbfache des Gutspreises. Dazu gibt es die fleischigsten Oliven diesseits der Emilia Romagna. Außerdem im Angebot: bröckelige Grana ­Padano aus kleinen Käsereien, milchweißer Lardo oder nussig-saftiger Parmaschinken. Dazu gibt es jeden Abend genau ein warmes (Pasta-)Gericht (14 Euro). Dieses war so simpel (Tomate, Basilikum, Büffelmozzarella) wie perfekt. Draußen thronen vor dem Fenster derweil die Zuckerbäckerbauten dieser einst so benannten ­Stalinallee: Briefmarken Weine ist ein geradezu unwirklich wunderbarer Ort. Einer der wunderbarsten.    ?   

Text: Clemens Niedenthal

Foto: Nicola Sessa

Briefmarken Weine Karl-Marx-Allee 99, Friedrichshain, ?Tel. 42 02 52 93, ­?Mo–Sa 19–24 Uhr, ?www.briefmarkenweine.de

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