Lesungen und Bücher in Berlin

Briefwechsel von Allen Ginsberg und Jack Kerouac

Helden der Beat-Generation: Der Briefwechsel von Allen Ginsberg und Jack Kerouac "Ruhm tötet alles" ist ein Ereignis

Lange lagerten die Briefe und Postkarten getrennt voneinander in den Archiven der University von Texas und der Columbia University, wo sich Jack Kerouac (1922–1969) und Allen Ginsberg (1926–1997) vor fast 70 Jahren getroffen hatten. 2010, als wieder mal eine Beat-Renaissance mit vier Verfilmungen einsetzte, hoben Bill Morgan und David Stanford den Schatz. Die deutsche Ausgabe mit nur 140 der 300 erhaltenen Briefe dokumentiert das ein Vierteljahrhundert währende Dauergespräch der beiden wichtigsten Helden der Beat-Generation – ein atemloser Gedankenaustausch über Literatur und Leben, Reisen und Rauschmittel, Agenten und Adrenalin. Und natürlich über fehlendes Geld. Die ersten Zeilen gehen ins Bronx County Gefängnis, wo der 22-jährige Kerouac 1944 im Mordfall Lucien Carr als unkooperativer Zeuge einsaß, die letzten schreibt 1963 ein „kaputter langhaariger Dussel“ Ginsberg an seinen Weggefährten. Besonders intensiv war die Korrespondenz zwischen 1956 und 1957, als die Freunde ihre Meisterwerke veröffentlichten: Ginsberg „Howl“ und Kerouac „On the Road“.

Truman Capotes böse Worte „Das ist nicht Schreiben, das ist Tippen“ bekommen dabei eine besondere Bedeutung. Diese Briefe besitzen den Zauber des Analogen, was schon die häufige Erwähnung ihres Arbeitsgeräts zeigt: „Wie gefällt dir die Schrift meiner neuen Schreibmaschine?“, fragt Kerouac einmal. Später klagt er: „Das ist eine fürchterliche Maschine, nichts funktioniert.“ Vorenthalten wird uns aber der 2011 für 33?000 Dollar versteigerte Brief, in dem Kerouac erfolglos Marlon Brando anfleht, die Filmrechte an seiner Beat-Bibel zu kaufen. Kerouac lässt 1957 den damals in Paris weilenden Ginsberg wissen: „Brando ist ein Scheißkerl, antwortet nicht auf den Brief vom größten Schriftsteller in Amerika und dabei ist er bloß ein lumpiger Hofnarr auf der Bühne“.
Ironie der Geschichte: Während Walter Salles’ „On-The-Road“-Verfilmung beim Filmfestival in Cannes lief, entsteht in New York „Kill Your Darlings“ mit Daniel Radcliffe als Ginsberg.    

Text: Reinhard Helling
tip-Bewertung: Herausragend

Jack Kerouac & Allen Ginsberg: „Ruhm tötet alles. Die Briefe“
aus dem Amerikanischen von Michael Kellner, Rogner & Bernhard, 500 Seiten, 22,95?Ђ

 

DEBÜTROMAN VON OLGA GRJASNOWA: „DER RUSSE IST EINER; DER BIRKEN LIEBT“

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