Schifffahrt

BVG-Fähren: Praktisch, schön und manchmal nur ein Ruderboot – die Linien, die Infos

Berlin hat mehr Gewässer, als manch einer denken mag: Neben der Spree gibt es zahlreiche weitere Seen, Flüsse und Kanäle. Und weil sich diese am besten vom Boot aus erkunden lassen, haben sich viele Angebote etabliert – vom Tretboot über den Ausflugsdampfer bis zu den BVG-Fähren.

Die BVG-Fähren fahren manchmal nur kurze Strecken – wie hier die F11 – und manchmal richtige Touren. Foto: Imago Images/Schöning
Die BVG-Fähren fahren manchmal nur kurze Strecken – wie hier die F11 – und manchmal richtige Touren. Foto: Imago Images/Schöning

Gerade letztere sind ein tolles Angebot. Denn mit ihnen muss eine kleine Schifffahrt gar nicht zwingend etwas (extra) kosten: Wer eine Tages- oder Monatskarte von der BVG hat, kann die Fähren nutzen, die zum öffentlichen Nahverkehr gehören. Drei Linien verkehren ganzjährig, drei weitere saisonal. Selbstverständlich gibt es für die Fähren auch ganz normale Tickets – wobei: Eine Fähre würden viele eine der sechs Linien wohl nicht nennen…

Gefahren wird, solange Eis und Wind es nicht unmöglich machen. Kleiner Haken: Rundfahrten sind nicht erlaubt, man muss zumindest aus- und wieder einsteigen.


F10: Von Wannsee nach Alt-Kladow

Die F10 ist bei bei vielen beliebt, die einen Ausflug zum Wannsee machen. Denn sie verbindet den Ortsteil Wannsee in Steglitz-Zehlendorf mit Alt-Kladow (Spandau). Die Fahrt lohnt sich – denn sie ist 4,4 Kilometer lang und dauert deshalb rund 20 Minuten. Sowohl in Alt-Kladow als auch in Wannsee gibt es einiges zu entdecken, wer sein Fahrrad dabei ist, kommt besonders gut rum.

Gerade im Sommer die beliebteste der BVG-Fähren: Die F10, die Wannsee und Alt-Kladow verbindet. Viel zu sehen gibt es auf beiden Seiten. Foto: Imago Images/Schöning.
Gerade im Sommer die beliebteste der BVG-Fähren: Die F10, die Wannsee und Alt-Kladow verbindet. Viel zu sehen gibt es auf beiden Seiten. Foto: Imago Images/Schöning.
  • Werktags fährt die Fähre stündlich von 6 bis 21 Uhr (Winter 20 Uhr).
  • Samstags von 7 bis 21 Uhr (Winter 18 Uhr).
  • Sonntags von 10 bis 21 Uhr (Winter 20 Uhr).

Die Fahrzeit beträgt etwa 20 Minuten. Rundfahrten sind mit der beliebten Fähre nicht gestattet. Heißt: Irgendwo von Bord. Macht aber nichts, an den Haltestellen gibt es einiges zu sehen, etwa die Promenade in Alt-Kladow.

300 Personen können mitfahren, 60 Fahrräder finden Platz. Fünf Rollstuhlplätze sind vorhanden, es gibt eine Rampe.


F11: Von Baumschulenweg nach Oberschönweide

Die F11 verbindet die Berliner Ortsteile Baumschulenweg (Station Baumschulenstraße) und Oberschöneweide (Wilhelmstrand). Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten, erspart jenen, die auf die andere Spreeseite müssen, jedoch viel Fahrzeit.

Sie ist eine der ältesten Fahrverbindungen in der Hauptstadt – denn sie verkehrt seit 1896. Damals hatte der Wirt des „Spreeschlosses“ den Betrieb geführt, allerdings ist das Restaurant seit dem Zweiten Weltkrieg Geschichte.

Die F11 ist Teil des Europaradweges R1, der über 4.500 bzw. 5.100 km von London (Großbritannien) bis nach Helsinki (Finnland) bzw. Moskau (Russland) führt.

Die Fahrzeit beträgt nur wenige Minuten und ist vor allem für Freizeit- und Radreisende attraktiv. Am Spreepark vorbei kommen Radler ruckzuck zum Treptower Park – mit Spreeufer und Mahnmal . Eine geplante Einstellung der Linie im Jahr 2017 scheiterte an den massiven Protesten der Anwohner und Fans der Fährverbindung. Inzwischen ist sie für weitere Jahre gesichert, der Nutzen als hoch genug eingeschätzt worden.

  • Die Fähre verkehrt werktags von 6 bis 19.30 Uhr.
  • An Sonntagen fährt sie bis 19 Uhr, von Wilhelmstrand nach Baumschulenweg bis 18.30 Uhr.
  • Abgelegt wird zu den Stoßzeiten von 6.30 bis 8 Uhr sowie 14.30 bis 17.30 Uhr im Zehn-Minuten-Takt, sonst alle 20 Minuten.

F12: Von Grünau nach Wendenschloss

Berliner*innen, die von Grünau (Wassersportalle) nach Wendenschloss (Müggelbergallee) oder umgekehrt reisen wollen, müssten ohne die Fährverbindung 12 einen riesigen Umweg in Kauf nehmen. Damit ist das Schiff für viele Menschen eine wichtige, alltägliche Abkürzung zu Job, Freunden, Ausflügen.

Die Verbindung wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen, um den Anwohnern die Überquerung der Dahme zu ermöglichen – eine Brücke gibt es in dem Bereich bis heute nicht.

Die Fahrzeit der ganzjährig verkehrenden Fähre beträgt wie auf der Linie F11 nur wenige Minuten.

  • Unter der Woche beginnt der Fährverkehr um 6.30 Uhr, zu Stoßzeiten am Morgen und Nachmittag legt sie alle zehn Minuten ab, frühmorgens, vormittags, mittags und ab 17.30 Uhr bis zum Betriebsschluss um 19.30 Uhr fährt sie im 20-Minuten-Takt.
  • An Wochenenden fährt die F12 ausschließlich im 20-Minuten-Takt, startet samstags auch erst um 7.30 Uhr, sonntags erst um 8.30 Uhr.

F21 von Schmöckwitz nach Krampenburg

Die Linie werden die meisten Berliner*innen nur selten bis gar nicht brauchen – es sei denn, sie gehen gern Campen. Hauptsächlich sind es nämlich jene, die auf den Campingplatz Kuhle Krampe wollen, die die Verbindung nutzen. Das hat einen einfachen Grund: Der Waldweg zum Platz ist im Sommer für Autos schlicht gesperrt und einen anderen Weg gibt es nicht.

Der gesamte Bereich um die Dahme in dieser Ecke eignet sich hervorragend zum Wandern – weitere Empfehlungen zum Wandern in Berlin. Die Überfahrt zwischen den beiden Anlegestellen dauert etwas weniger als zehn Minuten – und findet nur dienstags bis sonntags statt, Montag Ruhetag.

  • Start ist immer am 1. Samstag im April – oder Karfreitag, wenn dieser früher liegt. Schluss am letzten Sonntag im Oktober bzw. am, Ende der Herbstferien in Berlin (je nachdem, was später eintrifft).
  • Wochentags ist die Linie von 10 bis 18 Uhr im Einsatz, am Wochenende eine Stunde länger am Abend – Abfahrt ist alle 30 Minuten.

F23: Vom Müggelwerderweg über Neu-Helgoland zu den Spreewiesen

Die F23 bringt in der Sommersaison Reisende vom Müggelwerderweg vorbei am Müggelhort nach Neu-Helgoland und schlussendlich zu den Spreewiesen, wo wiederum in die außergewöhnlichste der Fähren umgestiegen werden kann, die F24.

Idyllisch: Das Fischerdorf Rahnsdorf an der Müggelspree lässt sich mit der BVG-Fähre F23 erreichen.  Foto: Imago Images/Ritter
Idyllisch: Das Fischerdorf Rahnsdorf an der Müggelspree lässt sich mit der BVG-Fähre F23 erreichen. Foto: Imago Images/Ritter

Das ganze Areal ist ausgesprochen sehenswert, eine Anreise mit dem Fahrrad lohnt sich immer, denn im Bereich Müggelsee gibt es viel zu entdecken – und vor allem viel schön Natur. Und natürlich ist er einer der beliebten Badeseen in Berlin – umsonst und schön planschen geht in Berlin aber auch an vielen weiteren Orten.

Die Fahrzeit beträgt etwa 25 Minuten.

  • Verkehrt wird Start vom 1. Samstag im April an – oder Karfreitag, wenn dieser früher liegt. Schluss am letzten Sonntag im Oktober bzw. am, Ende der Herbstferien in Berlin (je nachdem, was später eintrifft).
  • Betrieb ist dienstags bis sonntags ab 10 Uhr, wochentags ist um 19 Uhr Schluss, am Wochenende ist bis 20 Uhr Betrieb.

F24: Von den Spreewiesen nach Müggelheim

Die F24 Fähre zu nennen, erscheint manchen dann vielleicht doch etwas vermessen. Kein Benzin-, kein Strommotor. Stattdessen: Armantrieb. Die F24 ist eine Ruderfähre! Richtig, hier wird nur mit Körperkraft übergesetzt, von den Spreewiesen nach Müggelheim, und das in wenigen Minuten.

Das ist die F24 – nicht das Boot links, sondern wirklich das Ruderboot. Die Ruderfähre fährt alle 60 Minuten – und mit Glück auch öfter. Foto: Imago/Ritter
Das ist die F24 – nicht das Boot links, sondern wirklich das Ruderboot. Die Ruderfähre fährt alle 60 Minuten – und mit Glück auch öfter. Foto: Imago/Ritter

Genutzt wird das Ruderboot Paule III, gebaut 1993 auf einer Duisburger Werft. Acht Personen können Platz nehmen auf dem fünf Meter langen Boot, sogar Fahrräder werden mitgenommen. 1911 hatte der Rahnsdorfer Fischer Richard Hilliges den Fährbetrieb aufgenommen. 2013 wurde der eingestellt, eine Unterschriftenaktion führte letztlich zum Comeback. Klasse: Der Wechsel von F23 zu F24 ist kinderleicht. Toller Ausflugstipp – ein idealer Weg, um Berlin am Wasser zu erleben.

  • Betrieb ist vom 1. Mai bis zum 4. Oktober, und das auch nur am Wochenende und an Feiertagen.
  • Dass die Abfahrt im Stundentakt zwischen 11 und 19 Uhr geschieht, ist dabei nur der Plan, mit etwas Glück aber nicht die Realität. Wer laut „Fährmann hol‘ über!“ ruft, bekommt manchmal auch eine außerplanmäßigen Fahrt.

Lust, selbst aktiv zu werden? Es gibt viele tolle Wassersport-Angebote in Berlin. Und wer lieber festen Boden unter den Füßen hat, kann die zwölf schönsten und wichtigsten Brücken der Stadt besuchen.

Alle Infos zu den Fahrzeiten und Haltestellen finden sich auch beim BVG.

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