Essen und Trinken in Berlin

Café Botanico in Neukölln öffnet Garten: Kurzflucht aus der Großstadt

Aus der Not eine Tugend gemacht: Auch um die Abstandsregeln zu garantieren, bewirtet das Rixdorfer Café Botanico seine Gäste nun mitten im eigenen Permagarten.

Buttrig ausgelassener Guanciale im Café Botanico
Buttrig ausgelassener Guanciale im Café Botanico. Foto: Clemens Niedenthal

Etwas hat immer gefehlt, im Café Botanico im Böhmischen Dorf, als das Neukölln hier im Hinterland der Karl-Marx-Straße noch immer funktioniert. Die Häuser sind geduckter, ländlich fast. Die Straßen werden zu Gassen. Und eine, die Kirchgasse, hört einfach auf. Stadtplanung by doing, damals im 19. Jahrhundert.

Café Botanico: Jeder Besuch eine Flucht aus Berlin

Seitdem gab es hier diese Brache. Bis der Mieter einer angrenzenden Remise, Martin Höfft, darauf einen Permagarten kultiviert hat. Und weil im Vorderhaus auch das Souterrain leerstand, hat er noch ein kleines Lokal eröffnet, das Café Botanico. Seit 2016 kommt dort auf die Teller, was es hinten im Permagarten gerade zu ernten gibt.

Aber wie gesagt, etwas hat immer gefehlt im Café Botanico. Hatten wir aber gar nicht gemerkt, weil dieser Ort so herzlich und seine Küche so ehrlich und unmittelbar war. Weil jeder Besuch auch zur kleinen Flucht wurde aus dem Moloch, der Berlin ja auch ist. Jetzt aber fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Oder wie diese Blüte gerade von der Pastinake direkt neben unserem Tisch: Seit der Wiederöffnung nämlich ist dieser Garten selbst zum Gastraum geworden. Ein Farm-to-Table-Restaurant im unmittelbarsten Sinne.

Grün inhalieren im Garten

Man sitzt so da, inhaliert das Grün, sieht die Bienenstöcke und die mannshohen Kohlgewächse und ist schon sehr selig, ohne überhaupt etwas bestellt zu haben. Die Küche ist weiterhin italienisch grundiert, das Gartenrisotto und die hausgemachte Pasta werden mit wildem Kraut und wilden Kräutern serviert. Und kommt eine Zutat mal nicht aus dem Garten, der fast buttrig ausgelassene Guanciale beispielsweise, dann ist das ein Speck, wie wir ihn in Berlin bisher selten gegessen haben.

Die neue Restaurantleitung kommt aus dem bereits vor Corona geschlossenen (und kürzlich neu eröffneten) Ora. Und hat einige Drinks mitgebracht, den sehr grünen Garten-Spritz etwa, die das Café Botanico auch zu einer flüssigen Erfahrung machen. Hin und wieder landet ein ganzes Lamm in der Küche, das dann, mal geschmort, mal kurzgebraten, so lange auf der Karte steht, bis nichts mehr übrig ist.


Dieser Text erschien zuerst in unserer Print-Ausgabe 13/2020. Die könnt ihr hier bestellen. Ihr wollt kein Heft mehr verpassen? Hier könnt ihr unser Magazin abonnieren.

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