Kunst und Museen in Berlin

„Camille Henrot – Snake Grass“ im Schinkel Pavillon

Camille Henrot hält uns vor Augen, dass Dekoratives nicht harmlos bleiben muss

Als die französische Künstlerin Camille Henrot vor drei Jahren in New York lebte, hatte sie viele ihrer liebsten Bücher aus Paris nicht zur Hand. Um ihren Freunden trotzdem sinnlich davon zu erzählen, hat die gelernte Animationsfilmerin die japanische Blumensteckkunst Ikebana für sich entdeckt. Anders als im Westen geht es den Japanern kaum darum, die Farben der Blüten zu betonen: Vase, Stängel, Blätter und Zweige sind ebenso wichtig.

Henrot arrangierte schon für mehrere Ausstellungen in Paris, auch im renommierten Palais de Tokyo, solche filigranen Floralwerke, indem sie Bücher aus ihrer Privatbibliothek in Skulpturen übersetzte. Schwergewichte wie anthropologische Belletristik von Novalis, aber auch wissenschaftliche Literatur von Alexander von Humboldt oder Hannah Arendt. Henrot geht dabei stets von Zitaten aus und verwendet passende Pflanzen für Gedanken bestimmter Bücher. Osterlilie, Gartennelke und Buschwindröschen illustrieren trikolorisch den Umschwung der Französischen Revolution. Für andere Arbeiten war eine Kooperation mit dem Botanischen Garten notwendig, um hochseltene Pflanzenarten in Berlin aufzutreiben.

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Es ist eine Premiere im Schinkel Pavillon, dass unten eine Videoarbeit und oben zugleich eine Installation gezeigt wird: Eine Schlange schlingt sich leitmotivisch durch den Kurzfilm, den Henrot in Indien und Paris gedreht hat. Um Erregung geht es, um Verführung, Gift und Gegengift. Es empfiehlt sich, entgegen der naheliegenden Reihenfolge lieber oben zu starten, bei der poetisch-fragilen Installation, und sich dann dem stärker Aggressiven im Erdgeschoss auszusetzen.

Text: SH

Foto: ADAGP Camille Henrot / Courtesy Camille Henrot and kamel mennour, Paris

tip-Bewertung: Sehenswert

Camille Henrot – Snake Grass„, ?Schinkel Pavillon, Oberwallstraße 1, Mitte, ?Do–So 12–18 Uhr, bis 11.5.

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