Tragikomödie

„Candelaria“ im Kino

Näher beieinander: In Candelaria entdeckt ein kubanisches Paar eine Videokamera

Es ist ein höchst bescheidenes Leben, das die beiden kinderlosen Mittsiebziger Candelaria und Victor Hugo führen, geprägt von mangelhafter Ernährung und regelmäßigen Stromausfällen. Denn im Havanna des Jahres 1994 müssen sich die Einwohner des Inselstaates Kuba mit weiteren Einschränkungen ihrer ­sowieso schon reduzierten Lebensqualität arrangieren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem daraus resultierenden Ausbleiben „brüderlicher sozialistischer Hilfe“. So müssen die beiden auch im hohen Alter noch arbeiten, sie in der Wäscherei eines ­Hotels, während er Zigarren verkauft (man will nicht wissen, woher sie stammen). „Du bist genau wie dieses Haus. Und dieses Haus ist wie das ganze Land: komplett im Eimer – aber zu Fall bringt es keiner!“ muss sich Victor Hugo einmal von seinem Freund El Negro anhören.

Trotzdem ist dieser Film, inszeniert vom kolum­bianischen Regisseur Jhonny Hendrix Hinestroza, keine Übung in Tristesse, denn eine Videokamera, die Candelaria zwischen der Hotelwäsche findet, verändert so einiges. Die beiden Ehepartner filmen sich selber und gegenseitig, der Distanz bewirkende Blick durch das Objektiv stellt plötzlich eine längst verlorengegangene Nähe her.
Mit „Candelaria“ ist eine Sommerkomödie der etwas anderen Art gelungen, die ihren Figuren mit großem Respekt begegnet. Warum allerdings die Rolle des nicht sehr sympathischen kubanischen Geschäftsmannes mit dem Österreicher Philipp Hochmair besetzt werden musste (unabhängig davon, dass er den Part gut meistert), wissen wohl nur die deutschen Koproduzenten.

Foto: DCM

Candelaria, KOL/D/N/ARG/KUB 2017, 89 Min., R: Jhonny Hendrix Hinestroza, D: Veronica Lynn, Alden Knight, Philipp Hochmair, Manuel Viveros, Start: 5.7.

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