Kultur & Freizeit in Berlin

„Cantatatanz“ in der Zionskirche

Gespräch mit Nicola Hümpel, der Choreografin von Nico and the Navigators, über ihr Bach-Stück "Cantatatanz" in der Zionskirche

Nico and the ?Navigators Die Compagnie Nico and the Navigators wurde 1998 von Nicola Hümpel gegründet, gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem Bühnenbildner Oliver Proske. Der Durchbruch war „Eggs on Earth“ (2000 eingeladen zum Berliner Theatertreffen). Ihr Projekt „Cantatatanz“ wurde 2012 beim Musikfestival Wittenberg uraufgeführt. 

Nicola Hümpel

tip Bei Ihrem neuem Projekt „Cantatatanz“ vertanzen Sie Musik von Johann Sebastian Bach. Kriegt man da nicht einen Knoten in die Beine?
Nicola Hümpel Bach ist generell schwer. Was mich nach unsrer Beschäftigung mit Händel an Bach begeistert hat, war die asketische Schlichtheit, sein Tiefgang und die mathematische Klarheit. Da dachte ich: Unbedingt ausprobieren! Es war eine Art Hirnreinigung.

tip Gibt es Komponisten, die noch schwerer in Tanz umsetzbar sind als Bach? Man könnte vermuten: Beethoven macht dicke Füße. Und Donizetti Krampfadern!?
Nicola Hümpel Glaube ich auch. Das kann ganz furchtbar danebengehen. Aber man muss immer versuchen, irgendwie zwischen die Musik zu kommen. Wir haben bei „Cantatatanz“ Musik von Marin Marais eingefügt, die ist tanzbarer. Der Countertenor Terry Wey singt Bachs Arie „Bist du bei mir“ aus dem „Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach“. Außerdem gibt es die berühmte Violin-Chaconne und einiges aus den Französischen Suiten.

tip 2013 wurde Ihnen die Konzeptförderung des Berliner Senats entzogen. Wie arbeiten Sie und Ihre Compagnie jetzt?
Nicola Hümpel Das war ein ziemlicher Schock und Skandal. Die Jury hat mit ihrer Entscheidung wohl Berlins Politik ein Zeichen setzen wollen, wir waren für die Freie Szene zu groß geworden. Im Endeffekt haben wir nun einen eigenen Haushaltstitel mit 150?000 Euro statt 100?000 Euro im Jahr.

tip Dennoch können Sie nicht darauf verzichten, außerhalb von Berlin zu arbeiten, oder?
Nicola Hümpel Das stimmt. Wir haben nicht einmal genug Geld, um neben unserem Büro- und Tourbetrieb eine Erfolgsproduktion wie Rossinis „Petite Messe solenelle“ wieder in Berlin zu zeigen. Würden wir es tun, müssten wir ganz auf Neuproduktionen verzichten. Und das geht auch nicht.

tip Waren Ihre Probleme Ausdruck der Tatsache, dass Berlin immer noch ein Problem mit dem Tanz hat?
Nicola Hümpel Nein, denn wir sind ja nicht Tanz. Wir waren immer: weder noch. Musiktheater sind wir in einem gewissen, noch nicht festgelegten Sinne. Bildertheater sind wir inzwischen auch nicht mehr, denn das finden wir bäh!

tip Setzen Sie Ihre Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper fort, wo Sie „Mahlermania“ herausgebracht haben?
Nicola Hümpel Ich hätte es mir gewünscht. Man hüllt sich in Schweigen. Nach „Cantatatanz“ zeigen wir im Radialsystem die Shakespeare-Sonette und eine neue Produktion mit dem Titel „Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten“. In Anlehnung, aber nicht „nach“ dem Stück von Peter Handke.

Interview: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Antonella Travascio

Cantatatanz Zionskirche, Griebenowstraße 16, Prenzlauer Berg. ?Do 10.+Fr 11.07., jeweils 21.30 Uhr, ?Karten-Tel. 288 78 85 88

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