Kultur & Freizeit in Berlin

Catara – sanfte Regeneration

Die neue Bewegungs- und Entspannungsmethode Catara verspricht sanfte Regeneration für Körper und Geist. Erfinderin Raquel Artiles erklärt, wie’s funktioniert.

yoga_c_christine_fenzlFrau Artiles, Sie haben Catara erfunden. Bitte erklären Sie uns Ihre Erfindung in drei Sätzen.
Catara ist eine Verbindung von Körper- und Energiearbeit. Die Übungen wirken regenerierend auf verschiedenen Ebenen – physisch, mental, emotional. Das Ziel besteht darin, ein neues Bewusstsein für den eigenen Körper zu schaffen.

Also ein ähnlicher Ansatz wie bei Yoga oder Pilates?
Nicht ganz. Catara ist anders – weiblicher und moderner. Yoga und Pilates wurden von Männern erfunden und das schon vor langer Zeit. Bei vielen Asanas im Yoga merkt man den männlichen Hintergrund deutlich, manche wirken fast ein bisschen militärisch. Die Bewegungen von Catara sind harmonischer und runder. Es geht auch um ein anderes Schönheitsideal. Viele Menschen machen Yoga und Pilates, um den Körper zu strecken und weil sie besonders schlank sein wollen. Das ist nicht das Ziel von Catara. Es geht nicht darum, dass man Kilos verliert und schlanker wird, sondern darum, sich in seinem Körper wohl zu fühlen.

Wie wird Catara praktiziert? Stehend, sitzend, liegend?
Am Anfang laufen wir im Kreis. Das ist kein Konditionstraining, sondern das Laufen soll helfen, die Haltung des Körpers zu verbessern. Wichtig ist dabei, die Bewegungen im Detail zu spüren – angefangen bei den Muskeln in den Füßen, die wir beim Laufen benutzen, bis zur Balance unserer rechten und linken Körperhälfte. Ich sehe den Menschen an, ob sie Verspannungen haben, ob die Haltung ihrer Wirbelsäule gut ist und wie sie ihre Muskeln bei der Bewegung einsetzen. Ich helfe ihnen, ihre Blockaden und Verspannungen zu lösen. Als Reiki-Lehrerin ist es für mich normal, andere Menschen zu berühren und die Energieflüsse ihrer Körper zu spüren.

Welche Energieflüsse sind das?
Unsere Lebensenergie. Die Chinesen nennen sie Qi. In der westlichen Welt gibt es dafür kein Wort, wir haben das Bewusstsein für die Energieflüsse in unserem Körper verloren. Durch Catara können wir dieses Bewusstsein zurückgewinnen.

Wie funktioniert das?
Durch besondere Übungen. Zum Beispiel für die Bauchatmung oder auch Entspannungsübungen in der Embryo-Haltung. In dieser Haltung kann der Körper sich wunderbar ausruhen und wieder zu Kräften kommen. Viele Menschen haben vergessen, wie einfach das ist,  aber wenn man die Übungen einmal gemacht hat, kommt dieses Wissen schnell zurück. Unser Körper sagt uns, was gut für uns ist. Wir müssen auf ihn hören und die Signale des Körpers verstehen lernen. Entspannung ist ein wichtiger Teil von Catara. Ein anderes wichtiges Element sind die Übungen, die ich für Catara entwickelt habe.

Was ist das Besondere an den Übungen?
Ich habe bisher fünf Übungen entwickelt, weitere werden folgen. Wichtig ist, dass alle Muskeln des Körpers gleichmäßig beansprucht werden und dass die Bewegungsabläufe harmonisch und sanft sind. Jeder Muskel, jede Sehne ist wichtig. Eine Übung heißt „Das innere Tier“ –sie hilft uns, Wut und Sorgen zu verarbeiten und erinnert fast ein bisschen an Kampfkunst. Eine andere Übung heißt „die Welt malen“ – eine tänzerische Bewegung, mit der wir Gleichgewicht und Harmonie im Körper verbessern können. Und dann gibt es auch noch „die Kraft des Herzens“ – eine Übung für den Energiefluss in unserem Körper.

Sie sind auf Gran Canaria aufgewachsen und haben in Madrid Kommunikationswissenschaften studiert. Heute lehren Sie Catara in Berlin – wie kam es dazu?
Ich fahre oft nach Spanien und bin jedes Jahr zu Weihnachten bei meiner Familie auf Gran Canaria. Aber ich glaube, dass Berlin ein guter Ort für mich ist. Und für Catara. Berlin braucht ein bisschen Heilung. Nach Berlin bin ich 1999 gekommen, um mein Studium fortzusetzen. An der HU habe ich Ethnologie und Gender Studies studiert und wollte ursprünglich nur so lang bleiben, wie mein Geld reicht. Aber dann habe ich hier schnell Jobs gefunden, als Sprach- und als Tanzlehrerin, und ich blieb immer länger. Dann bin ich krank geworden. Ich war müde, fühlte mich wie eine alte Frau, hatte Schmerzen. 2004 bekam ich die Diagnose: Fibromyalgie, eine psychosomatische Krankheit. Als ich sehr krank war, habe ich einen Tipp bekommen, ich solle Reiki probieren – das hat mein Leben komplett verändert. Reiki hat mir gesundheitlich sehr geholfen, und durch meine Beschäftigung mit Reiki ist später Catara entstanden. Die Bewegungen kamen plötzlich aus mir heraus, mein Körper hat mir gezeigt, was mir gut tut und gegen meine Krankheit hilft. Daraus habe ich dann ein Unterrichtskonzept entwickelt.

Was bedeutet Catara?
Es ist eine Mischung aus dem spanischen Wort „Casa“, also Haus, und „Tara“ – so heißt die tibetanische Göttin des Mitgefühls.

Wie läuft das Training ab?
Die Kurse dauern 90 Minuten. Man sollte sich vorher auf jeden Fall telefonisch anmelden, weil die Gruppen maximal acht Teilnehmer haben dürfen. Ich begleite die Menschen im Kurs individuell und sehe sofort, wenn sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Wichtig ist die innere Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Das kann manchmal sehr anstrengend sein oder Schmerzen verursachen, weil durch Catara nicht nur körperliche Verspannungen gelöst werden können, sondern auch emotionale Blockaden. Beides hängt oft zusammen. Verspannungen im Körper entstehen sehr oft durch ne­gative Gedanken oder Gefühle. Durch Catara können wir diese Verspannungen auflösen – die körperlichen, aber auch die seelischen.

Für wen ist Catara? Für Sportler und Yoga-Profis? Oder ist es eine Therapie für Kranke?
Als ich krank war, hat mir Catara sehr geholfen. Aber es ist keine Therapie und ich bin keine Therapeutin. Durch Catara lernt man seinen Körper neu kennen und kann das Körpergefühl verbessern. Deshalb ist es eine gute Grundlage für Yoga. Man muss nicht besonders sportlich sein, um Catara zu probieren – jeder kann es machen. Menschen sind wie Bäume. Wir haben viel Kraft, und Catara hilft uns, diese Kraft neu zu entdecken. Wir brauchen dazu keine Sportgeräte und kein Muskeltraining, sondern nur ein gesundes Bewusstsein für unseren Körper. Viele Menschen glauben, dass es gut ist, im Sport die eigenen Grenzen zu überwinden. Aber das ist falsch – wir sollten die Grenzen unseres Körpers verstehen und respektieren.

Interview: Oliver Burgard

Foto: Christine Fenzl

Zentrum für Yoga, Stimme & Bewegung Kurse und Workshops: Paul-Lincke-Ufer 30, Kreuzberg Catara-Kurse: Mo 18-19.30 Uhr, Mi 20-21.30 Uhr Catara-Workshops: 15.9.12 und 10.11.12, jeweils 9-13 Uhr, Tel. 0151-58 88 53 85, www.catara.de

EINE BEGEGNUNG MIT ROBERT THURMAN

 

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