Kommentar

„Change.org“ von Peter Laudenbach

In einer der letzten Volksbühnen-Nächte trafen sich einige Leute, die dieses Theater lieben und nicht eingesehen haben, dass es zerstört werden soll. Also starteten sie, zunächst nur mit fünf Unterschriften, auf der Plattform change.org eine Petition

Peter Laudenbach

Sie verlangten, dass die Zukunft der Volksbühne neu verhandelt wird – schließlich ist sie ein Teil der Stadtgesellschaft und nicht einfach Verfügungsmasse der Politik oder der Spielball des früheren Kulturstaatsekretärs Tim Renner (SPD), dem wir die Entscheidung für Dercon verdanken. Die Petition kritisiert, dass der Auftrag, die Volksbühne als „ein im Ensemble- und Repertoirebetrieb arbeitendes Theater“ beizubehalten, von Dercon offenkundig nicht erfüllt wird: „Weder ist ein eigenes Ensemble vorgesehen noch ein Repertoirespielbetrieb. Stattdessen soll offenbar en suite mit überproportional vielen Schließtagen gespielt werden. Darüber hinaus wird mit den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern ein Mehrfachangebot geschaffen, da das Programm über Festivals und andere Produktionshäuser wie etwa das Haus der Berliner Festspiele und das HAU Hebbel am Ufer bereits abgedeckt ist.“ Klarer lässt sich nicht benennen, wofür Dercon steht. Der Text ist unter change.org „Zukunft der Volksbühne“ im Netz abrufbar.
Innerhalb weniger Tage unterzeichneten über 3.000 Volksbühnen-Freunde die Petition, unter ihnen einige der renommiertesten Intellektuellen des Landes wie Navid Kermani, Christoph Menke oder Joseph Vogl. Boris Groys mailte seine Unterschrift aus New York. Zwei der Erstunterzeichner der Petition sind die Kulturtheoretikerin Juliane Rebentisch und Diedrich Diederichsen. Die Debatte um die Zukunft der Volksbühne geht weiter, sie hat gerade erst angefangen.

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