Berlinale 2018 – Hommage

Charakterkopf

Ein Gesicht wie das seine vergisst man nicht so schnell. Ausgeprägte Backenknochen und ein großer Mund, der flankiert wird von zwei Falten, die sich von der markanten Nase bis zum starken Kinn hinunterschwingen.

Tief ­liegende blaue Augen, überwölbt von festen Brauen und ­einer hohen Stirn. Kein Gesicht, das gängigen Schönheitsidealen entspricht, aber ein veritabler ­Charakterschädel und höchst angemessen für einen Schauspieler seines ­Kalibers. Willem Dafoe nämlich ist, seiner einzigartigen Physiognomie zum Trotz, über die Maßen vielseitig und wandlungsfähig.

Willem Dafoe
Foto 2002 Columbia Pictures Industries, Inc.

Einer, der sich in seiner Arbeit nicht festlegen lässt, der neugierig und risikolustig immer wieder Neues in Angriff nimmt und an seinen Figuren Facetten zum Vorschein bringt, die zunächst nicht einmal zu ahnen waren. Man glaubt ihm die diabolischen Bösewichter und die beseelten Gutmenschen, die fantastischen Gestalten und die biografischen Porträts; vor allem aber glaubt man ihm die Menschen ­dazwischen, all diejenigen, die nach ihrem Weg erst suchen. Die keine vordergründigen Helden sind, sondern Männer, die sich dem Leben stellen, unsicher, angreifbar und nachdenklich.

Geboren wurde Willem Dafoe am 22. Juli 1955 als siebtes von acht Kindern in Appleton, Wisconsin. Er begeisterte sich bereit…

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