Verschleierung

„Cherchez la femme“ im Jüdischen Museum Berlin

Die Ausstellung „Cherchez la femme“ untersucht weibliche Verschleierung in monotheistischen Religionen

SOYUNMA / UNDRESSING, 2006 NİLBAR GÜREŞ Video Courtesy of the artist and Rampa IstanbulVideo stills photographed by Nicole Tintera

Einst galt das Verhüllen als Privileg. Vor 2.000 Jahren erlaubte das mittelassyrische Gesetz den reichen, freien Frauen Mesopotamiens, sich beim Marktbesuch zu bedecken. Sklavinnen und Mägden war das bei Strafe verboten. Heute ist die Verschleierung vor allem: ein Politikum. Geradezu zum Schimpfwort avancierte in Deutschland der Begriff Burka, der einen afghanischen Ganzkörperschleier bezeichnet. Über ein Verbot diskutiert die Politik noch immer, wobei mangelndes Wissen den Schleier emotional auflädt und verfälscht.
Höchste Zeit, mit den Klischees aufzuräumen und zu schauen, wo Perücke, Burka und Ordenstracht – so der Untertitel zur Ausstellung – herkommen. „Ja, wo ist sie denn nur?“, fragt Cilly Kugelmann, die scheidende Programmdirektorin des Jüdischen Museums, auf der Suche nach der Frau unter dem Schleier. Im Zentrum stehen verschiedene Verschleierungsarten, die an Puppen aufgezogen sind – Spitzel und Tichel, Perücken und Tücher orthodoxer jüdischer Frauen, reihen sich an christliche Brautschleier und islamische Hidschabs. Auf der Rückseite dieser Galerie werden mit Passagen aus Koran, Talmud und Bibel die historischen Textbelege geliefert, die ohne Einordnung und Erklärung allerdings verloren wirken. Die restliche Fläche nehmen assoziative Positionen ein, darunter viele Fotografien und Videos. Das auffälligste Objekt stammt von der iranischen Künstlerin Mandana Moghaddam: „Chelgis I“ (Abb.) ist ein menschhohes Haarknäuel. Das eng geflochtene Haar symbolisiert die Unterdrückung ebenso wie die Befreiung, die durch das bloße Schneiden so greifbar ist.
Zwar vertreten einzelne Objekte wie Moghaddams einen feministischen Ansatz, doch insgesamt hat die Ausstellung eher informativen Charakter, dem leider der Tiefgang fehlt. Das umfangreiche Begleitprogramm soll das auffangen.

Cherchez la femme Jüdisches Museum Berlin, Lindenstr. 9–14, Kreuzberg, 8/ erm. 3 €, Mo 10–22 Uhr, Di–So 10–20 Uhr, bis 2.7.