Kunst am Bau

Christoph Niemann hat den S-Bahnhof Wannsee gestaltet

Einen Bahnhof designen: Der Berliner Illustrator Christoph Niemann hat die S-Bahn-Station Wannsee umgestaltet

© Studio Christoph Niemann, 2018

Wie kam es dazu? Die Idee, den S-Bahnhof Wannsee künstlerisch zu gestalten, entstand auf Initia­tive der freien Kuratorin Ruth Ur, die auch mit der Liebermann-Villa in Wannsee gearbeitet hat und die dann hörte, dass die Deutsche Bahn S-Bahnhöfe verschönern will, darunter auch den Bahnhof in Wannsee. Daraufhin rief sie mich an und fragte, ob ich Lust darauf hätte. Ich habe ein Konzept entwickelt, sie hat es der Bahn vorgestellt und ich durfte mich zu meinem großen Glück nur um die Kunst kümmern.

Wie sieht das Konzept aus? Kunst am Bau ist einerseits eine Aufwertung aber zugleich auch ein Eingriff. Daher wollte ich mit den Dingen arbeiten, die mit dem Ort zu tun haben. In der Wartehalle gibt es dieses spezielle Grün und es gab dort schon immer Fliesen. Ich wollte mich also in Farblichkeit und Materialität daran orientieren. Durch die Fliesen entstand visuell eine Form der Abstrak­tion, beziehungsweise ein Pixeleffekt. Inhaltlich ging es mir bei der Gestaltung der Wand um den Wannsee und dabei um zwei Aspekte. Zum einen den Strand. Das erste, woran man bei Wannsee denkt, ist ja das Baden. Es ist heiß in der Stadt und alle fahren raus und schmeißen sich in den See. Man sieht Segelboote und diese verrückte Badeszene. Auf der anderen Seite ist die Geschichte vom Wannsee mit dem Haus der Wannseekonferenz verbunden. Ein Ort, wo in kalter, administrativer Art der Mord an Millionen von Menschen geplant wurde. Das steht diametral im Gegenteil zu der sommerlichen Unbeschwertheit. Berlin hat beide Facetten und in Wannsee und deshalb auch an meiner Wand zeigt sich dieser Kontrast deutlich.

Welche Herausforderungen gab es? Ich habe mal zuhause ein Bad in dieser Technik gestaltet, deshalb wusste ich, dass es prinzipiell geht und dieses Pixeldesign technisch umsetzbar ist. Dadurch hatte ich auch ein gutes Gespür dafür, wie es sich farblich machen lässt. Natürlich habe ich den Entwurf digital am Schreibtisch konzipiert, das war dann schon spannend zu sehen, wie sich diese besondere Farbgebung und die Pigmenthaftigkeit der Kacheln an der Wand darstellen. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Es ist schon ein Unterschied zu sehen, wie das Motiv in der Originalgröße an Ort und Stelle wirkt. Davor habe ich es ja nur klein auf dem Monitor gesehen.

Wie geht es jetzt weiter? Es soll in Zukunft weitere S-Bahnhöfe geben, die von Künstlern gestaltet werden. Die Bahn will da auf jeden Fall mehr machen, die Kollegen dort waren mit sehr viel Enthusiasmus dabei und haben jetzt schon viele Ideen. Wer aber was und wo machen wird, das weiß ich nicht.

Bahnhof Berlin Wannsee erreichbar mit S1, 7, RB 1, 21, 33, RE 1. Mosaik im Tunnel vom Bahnhof zu den Schiffsanlegern

Christoph Niemann (Jahrgang 1970) ist einer der erfolgreichsten Illustratoren der Welt, er arbeitet regelmäßig für „The New Yorker“, „Wired“, „Zeitmagazin“ und „The New York Times Magazine“. Niemanns Werke wurden international ausgestellt. In dem Buch „Sunday Sketching“ (Knesebeck, 2016) sind viele seiner Projekte dokumentiert. Weitere Informationen auf: www.christophniemann.com