Ungemütlich

Chrome

Chrome loten elektronischen und analogen Düsternis-Rock aus

Liest Helios Creed Artikel über seine Band Chrome, dann findet der Kalifornier oft Überschriften à la „Die einflussreichste Band, die Sie nie kannten“ oder „Die Rock-Revolution,
von der keiner mitbekam“. Creed, heute 63, ist es gewohnt, dass nur Eingeweihte über seine Diskografie näher Bescheid wissen. Zwar hat der Gitarrist auch in seinen Soloarbeiten nie aufgehört, das unbequeme Grenzland zwischen analogem und elektronischem Psychedelic-Rock auzuloten; die prägenden Platten aber erschienen um 1980 herum: „Half Machine Lip Moves“ (1979) oder „Red Exposure“ (1980). Damals bestand Chrome im Kern aus Creed und Kompagnon Damon Edge. Die Mitmusiker wechseln bis heute konstant.
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Seit Edge 1995 an Herzversagen starb, ist Creed alleiniger Kopf der beunruhigenden Welt von Chrome, die Bands wie Nine Inch Nails und Marilyn Manson inspirierten. Ihre Tracks fusionierten E-Gitarren und analoge Synthesizer, Effektpedale und Tape-Schnipsel aus dem Großstadtdschungel. Wer „Half Machine Lip Moves“ heute wieder hört, findet
eigensinnige Stimmungsstücke. Die Intensität ist nicht verloren gegangen, das jüngste Chrome-Album von 2014, „Feel it like a Scientist“, ist ein ungebrochen konzentrierter Trip in die richtig ungemütlichen Regionen von Psychedelia.