Clara Hill im Berghain

Clara Hill

Erfahrungen in der Kindheit und Jugend prägen das Leben eines Menschen, das weiß auch Clara Hill. Sie hat als junges Mädchen die Triola gespielt, eine in der DDR sehr populäre Harmonika, die wegen der bunten Tasten wie ein Tuschkasten aussah. Ihre erste Gitarre war aus Plastik und kam aus Bulgarien. Es waren einfache Instrumente, an die Hill nicht mehr dachte, als sie für das Label Sonar Kollektiv drei Alben aufnahm und sich mit Künstlern wie Marlena Shaw, Jon Lucien, Patrice Rushen, Minnie Riperton und anderen Kultstars des Soul befasste.   2007 rückte sie mit dem Album „Sideways“ langsam vom Sound ihrer Gönner ab und widmete sich dem Folk, Jahre bevor er im Pop mal wieder zum gewichtigen Thema wurde. Danach zog sich Hill auffällig lange zurück. „Ich hatte genug von geschliffenen und flachen Klängen … und mich vom sanften Sound verabschiedet, dem es rückblickend betrachtet manchmal an Tiefe mangelte“, erklärt sie. Sie wollte wieder zurück zu Triola und zur bulgarischen Gitarre. In eine Zeit, als sie vollkommen sorglos Musik machen konnte. Auf ihrem neuen Album „Walk The Distance“ findet das in einem träumerischen und entrückten Sound Ausdruck. Hill beschreibt das Gefühl der Schlaflosigkeit mit der atmosphärischen Kraft eines James Blake, drückt Nervenflattern mithilfe von Geräuschsequenzen aus der Avantgarde aus und singt zu Noise-Gitarren zart wie Bilinda Butcher von My Bloody Valentine. Mit diesen Einflüssen im Rücken ist der Sängerin ein großartiger Neuanfang gelungen.

Text: Thomas Weiland

Foto: Andrea Vollmer

Clara Hill, ?Berghain Kantine, Fr 10.1., 21 Uhr, ?VVK: 10 Euro zzgl. Gebühr

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