Essen & Trinken in Berlin

Clemens Niedenthal kommentiert

Es geht ?um die ?Wurst. Der tip-Redakteur setzt auf die kleinen Unterschiede bei der Lebensmittelproduktion

Clemens Niedenthal

Marcus Benser hatte auf der Meisterschule der Berliner Fleischer-Innung einmal folgenden Hinweis erhalten: Wursten würde doch heute keiner mehr selbst. Wurstwaren solle man aus industrieller Fertigung zukaufen. Das sei ökonomischer – und mache auch viel weniger Arbeit.
Glücklicherweise aber hat sich Marcus Benser nicht daran gehalten. Er gründete am Neuköllner Karl-Marx-Platz die Berliner Blutwurstmanufaktur. Und verkauft seine Würste längst an die Sterne- und Szenegastronomie.
Ein schöne Geschichte ist das. Sie erzählt von der Rückkehr des Handwerks in die Mitte der Stadtgesellschaft. Von handwerklich hergestellten Lebensmitteln, von kultureller und regionaler Vielfalt. Aber sie erzählt auch von den Irrwegen unserer Lebensmittelkultur. Von einem Handwerk, das gegen die Industrie gerade dadurch bestehen wollte, indem man ihre globalisierten und rationalisierten Mechanismen kopiert. Marcus Benser aber hatte schon damals verstanden, dass es eben um die Wurst gegangen ist. Um Produkte mit eigener Handschrift, mit einem individuellen Geschmack. Letztlich nämlich macht der Geschmack noch immer den Unterschied. Und nichts wäre fader als eine globalisierte Lebensmittellandschaft, in der man keine Unterschiede mehr schmeckt.

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