Essen & Trinken in Berlin

Clemens Niedenthal über Äpfel und Streuobstwiesen

Ein engagierter Verein rekultiviert historische Apfelsorten wie Prinz Albrecht von Preußen und Minister von Hammerstein.

Das Leben ist kein Ponyhof. ?Hin und wieder aber ist es eine Streuobstwiese. Gleich hinter Werder etwa, wo an knorrigen Ästen Prinz Albrecht von Preußen und Minister von Hammerstein hängen. Oder ein geflammter Kardinal. Historische Apfelsorten allesamt, die dort vom engagierten Verein „Äpfel und Konsorten“ rekultiviert werden. Und das eben auf der Streuobstwiese, ihrem natürlichen Habitat. Unter solchen Bäumen sitzend, mag die folgende Fußnote aus der in der vergangenen Woche veröffent­lichten Erntebilanz der brandenburgischen Landesregierung beinahe hoffnungsfroh stimmen: Zwar steuern die Obstbauern der Mark auf eine Rekord­ernte zu. Das russische Einfuhr­embargo aber könnte diese Bilanz dennoch verhageln. Aber Halt! Hieß es nicht eben noch, deutsche Bauern würden gar kein Obst nach Russland exportieren? Stimmt schon. Aber da Polen seine eigene Apfelernte nicht mehr nach Russland schicken darf, braucht man dort  keine Ersatzfrüchte aus Brandenburg mehr. Der Apfel, so heißt es, fällt nicht weit vom Stamm. Meistens aber wird er sehr weit weg vom Stamm gegessen. Darüber sollte man einmal nachdenken. Bei einem leckeren Cidre des jungen Berliner Unternehmens Ostmost beispielsweise. Gewonnen garantiert aus alten, regional­typischen Sorten, von knorrigen Streuobstwiesenbäumen gleich hinter Werder. Oder zumindest direkt aus der Mark.

Text: Clemens Niedenthal

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