Clubkultur

Clubs in Berlin: Das Berghain öffnet am Wochenende den Garten

Immer mehr Clubs finden Konzepte, mit der Krise umzugehen. Nach About Blank, Kater Blau und anderen wird am Samstag das Berghain wieder öffnen – zumindest der Garten. Die Updates.


Berghain öffnet seinen Garten wieder – mit neuem Hygienekonzept

„Zum kommenden Wochenende wird der Berghain-Garten mit DJ-Programm wiedereröffnet“, berichtet der legendäre Club auf seiner Homepage. Nach einer langen Pause, „wagen wir einen langsamen Start in den Sommer. Unsere Türen öffnen wir ab 16 Uhr“. Gefeiert wird dann mit Handbremse – im Sinne der Nachbarn wird die Musik um 22 Uhr heruntergedreht, was auch bisher üblich war. Nur, dass die Raver*innen danach eben nicht in die heiligen Hallen hineingehen und dort weitermachen können.

Berghain-Biergarten: Die Stimmung im Bierhof Rüdersdorf ist wieder prächtig – nun macht auch der Club-Garten wieder auf. Foto: tipBerlin

„Zum Schutz aller Gäste und Mitarbeitenden haben wir entsprechende Hygienemaßnahmen vorgesehen und bitten alle Anwesenden, die Regeln einzuhalten“, heißt es in der Ankündigung. Geöffnet wird samstags und sonntags jeweils um 16 Uhr. „Bitte bringt eure Masken mit, die Mund und Nase ausreichend bedecken und vermeidet direkten Kontakt mit anderen Gästen, sofern ihr nicht aus einem Haushalt kommen solltet.“

Tatsächlich darf nur mit Maske gefeiert werden. Die Pflicht, Nase und Mund zu bedecken, gelte für Eingangsbereich, Tanzfläche und in den Toiletten. „Zudem haben wir Ventilatoren über der Tanzfläche und in den Toiletten angebracht, um die Verbreitung von Aerosolen zu vermeiden. Die Gästezahl ist beschränkt“ – aber das sind die Anhänger*innen des Clubs ja gewohnt. Die Veranstaltung findet nur bei trockenem Wetter statt.

Weiterhin geöffnet ist auch der Biergarten nebenan – immer donnerstags bis sonntags ab 16 Uhr, zumindest bei gutem Wetter. Die Anlage ist barrierefrei, Barzahlung ist angesagt, einen EC-Automaten gibt es in direkter Nähe nicht. Dafür steht aber für alle, die Geld eingesteckt haben, immer ab 17 Uhr das Schiller-Burger-Team am Grill. Aktuelle Infos auch immer auf Facebook.

Die Halle am Berghain wird Ort einer besonderen Klanginstallation. Foto: tamtam
Die Halle am Berghain wird Ort einer besonderen Klanginstallation. Foto: tamtam

Und noch mehr Berghain-Feeling gibt es noch bis Sonntag im hinteren Teil, in der Halle des Berghains zeigen tamtam (sam auinger & hannes strobl) ihr Projekt „eleven songs“. Damit bringen sie „erstmals die funktionale Architektur eines postindustriellen Raumensembles zum Sprechen“, wie es in einer Mitteilung heißt. Rechtzeitig kommen lohnt sich – die Schlangen sind lang.

Das Berghain unterstützt das Projekt von singuhr EV, ebenso der Hauptstadtkulturfonds. Geöffnet ist ab 15. Juli bis 2. August immer mittwochs bis sonntags von 14 bis 20 Uhr (Eintritt 8, ermäßigt 5 Euro). Weitere Informationen: www.singuhr.de.


Renate mit spannendem Kunst-Projekt Overmorrow und Peep-Show

Der Salon zur wilden Renate hat in der Zwangspause neue Konzepte entwickelt. Mittwochs bis sonntags ist Biergartenzet. Start ist wochentags um 16, an Wochenenden um 14 Uhr geöffnet. Kredenzt werden venezolanische Arepas – und natürlich Getränke. Spannend: Im Garten gibt es im Rahmen des Kunstprojekts Overmorrow eine Peep-Show mit verschiedenen Künstler*innen, die die Spenden dann auch direkt bekommen. In der Renate selbst sind im Rahmen des Projekts Kunstprojekte ausgestellt, die sich mit der Zukunft auseinandersetzen. Mehr als 40 Künstler*innen, unter anderem von BadBruises und Trash Era, zeigen ihre Werke bei einer „Immersive Walkthrough Experience“.  Mehr zu Overmorrow in der Renate. Das Opening ist schon ausverkauft – also lieber schnell entscheiden.


Ritter Butzke: Biergarten mit Kulturprogramm

Schlange im Innenhof des Ritter Butzke: Derzeit gibt es nur den Kulturgarten mit Eintrittskarte. Foto: Imago/Schaap

Das Ritter Butzke setzt auf Veranstaltungen im Innenhof, die ganz unterschiedlicher Natur sind. Auf der Website des Ritter Butzke gibt es nicht nur die Speisekarte für den Außenbereich, die Macher halten ihre Fans auch auf dem Laufenden. Bisher handelt es sich vor allem um Events mit Essen und Trinken, für die vorab Tickets erworben werden können. Die beliebte Sonntagsreihe GMF, Bingo, Poetry – das Angebot ist breit.


About Blank: Buttons trifft Pornceptual im Sektgarten

Seit Anfang Juni ist auch im About Blank wieder Betrieb – der Sektgarten wurde eröffnet. „lasst uns anstoßen auf die freude am sitzen, auch wenn wir alle wissen: es gibt kein richtiges raven im falschen“, schreibt das About-Blank-Kollektiv auf seiner Facebook-Seite, wie immer nur mit kleinen Buchstaben. Für Blank-Fans bedeutet das: Sie können wieder Zeit im weitläufigen Garten des Clubs verbringen. Das Kollektiv lädt künftig freitags, samstags und sonntags — erstmal nur an den Juniwochenenden — zum „About Sektgarten.“ Von 15 bis 23 Uhr am Samstag und am Sonntag darf man den Garten des About Blank wieder im Sitzen genießen. Bloß tanzen darf man noch nicht.

Berliner Clubs: Das About Blank eröffnet an diesem Wochenende seinen Sektgarten.
Ab diesem Wochenende gibt’s zumindest wieder Sekt im Sitzen im Garten des About Blank. Foto: ://about blank

Trotz Re-Opening: Die Aussichten sind, das kann man kaum anders sagen, finster – und das, nachdem das About Blank gerade den zehnten Geburtstag feiern konnte. „Der Betrieb eines ://about sektgarten kann keinen nennenswerten Beitrag für die Deckung der laufenden Kosten erwirtschaften“, sagt Eli. „Wir und die anderen Clubs in dieser Stadt benötigen in den kommenden Monaten dringend weitergehende Unterstützung, um das überstehen zu können. Sonst wird von der Berliner Clublandschaft wohl nicht mehr viel übrig sein nach dieser Krise.“ Spannend: Die Party-Reihe Buttons arbeitet mit Pornceptual zusammen, um Kultur in den Garten zu bringen. Vom 31. Juli bis 2. August geht es beim Projekt „Moving Forward“ um den Umgang der queeren Szene mit der Pandemie – in verschiedenen Annäherungsversuchen. Mehr zu dem Event und Tickets bei Facebook.


Kater Blau öffnet den Katergarten

Größte Heiterkeit im Katergarten verspricht das Kater Blau – einer der Clubs, die wieder öffnen. Foto: Imago Images/Contini
Größte Heiterkeit im Katergarten verspricht das Kater Blau – einer der Clubs, die wieder öffnen. Foto: Imago Images/Contini

Müde Katzen bellen nicht – oder so. Das Kater Blau will auf jeden Fall auch wieder mitspielen und eröffnet den Katergarten. Geöffnet ist dann immer donnerstags bis sonntags von 16 bis 23 Uhr. Eine Tischreservierung per Mail ([email protected]) wird empfohlen, aber es ist auch möglich, spontan zu kommen – so denn noch Plätze frei sind, ist das kein Problem.


Suicide Club verkauft Pizza

Der neu gestaltete Garten im Suicide Club auf dem RAW-Gelände. Foto: tipBerlin

Der Suicide Club auf dem RAW-Gelände bietet nun Drinks im Garten an – und sogar Pizza, immer von donnerstags bis sonntags, 17 Uhr bis Mitternacht. Dabei gelten die gängigen Regeln. Getanzt wird nicht, Musik gibt es aber natürlich.


Golden Gate: Drinnen Stream, draußen kühle Drinks

Das Golden Gate hat den Betrieb auch wieder aufgenommen – immer donnerstags wird von drinnen zur Rettung des Clubs gestreamt, draußen können sich Gäste ein paar kühle Drinks holen und zumindest die Musik hören. Geöffnet ist von 17 bis 23 Uhr, auch hier gilt: Wer zuerst kommt, sitzt zuerst (und wenn die Stühle voll sind, kommt eben keiner mehr rein).


Yaam: Gechillt in den Abend

Hip-Hiop-Fridays und andere passende Events organisiert das Yaam mittlerweile schon. Aber auch ohne besonderen Anlass lohnt sich ein Nachmittag im Yaam eigentlich immer. Die Macher halten ihre Fans auf Facebook auf dem Laufenden, auch darüber, ob aktuell geöffnet ist oder wegen des Wetters die Türen zu bleiben. So wie die Halle vom Yaam und der Weg am Wasser, der vom Bauamt gerade geschlossen wurde. Der Sommergarten soll aber bleiben. Die Hip-Hop-Freitage beginnen immer um 16 Uhr.

Einfacherer Zeiten: So voll wird es im Yaam vorerst nicht mehr werden. Aber ein bisschen Club-Feeling gibt es wieder. Der DJ ist auf Abstand, die Kund*innen werden es auch sein.

Klunkerkranich fliegt wieder

Der Klunkerkranch hat am Samstag, 5. Juni, wieder aufgemacht. Bei Facebook hieß es: „Wir haben uns die letzten Wochen mit viel Lieb & Müh den Kopf zerbrochen auf welche Art & Weise Wir unser Dach wieder für euch eröffnen können – unter Beachtung der geltenden Regeln, dem Schutze der Gesundheit aller Beteiligten, den eingeforderten Abständen und einer Datenschutz konformen Nachverfolgung der Gäste und et voila: Wir sind soweit!“

Bessere Zeiten: Konzert im Klunkerkranich. Die Clubs offnen in Berlin langsam wieder – allerdings mit massiven Einschränkungen – und nicht zum Tanz. Foto: Imago/Pop-Eye

Geöffnet wird freitags, samstags und sonntags jeweils von 15 bis 22 Uhr. Die Betreiber freuen sich: „Der Biergarten unter den Clubs ist zurück! Ganz weit oben, mit der panoramigsten Aussicht jenseits des Tempelhofer Feldes!“ Man habe ein neues System für die Essens- und Getränke-Ausgabe entwickelt und sichergestellt, dass alles den neuen Hygieneregeln für Gaststätten und Bars entspricht.


Schwuz: Hofverkauf war vorerst einmalig

Auch das Schwuz hatte zu Pfingsten – wie das About Blank – einen Fensterverkauf gestartet. Die Polizei stellte schnell sicher, dass bloß keine*r seinen Drink auf dem Parkplatz vor dem Club zu sich nahm – die Kund*innen mussten weitergehen. Im Nachhinein wirkte das etwas bizarr: Ein paar Dutzend Menschen wurden verscheucht, während auf dem Kanal Tausende bei einem Boot-Demo-Rave zusammenkamen, um Clubs zu retten (und damit möglicherweise das Gegenteil erreichten).


Sisyphos wird Sitzyphos

Das Sisyphos hat schon seit Mitte Mai wieder die Türen auf. Das klingt für viele Raver*innen aber wohl vielversprechender, als es tatsächlich ist. Denn wie andere Clubs hat auch das „Sisy“ ein stark abgewandeltes Konzept. Wer ein bisschen Club-Feeling will – oder das Team einfach mit dem Kauf von ein paar Getränken unterstützen möchte –, kann dies aber ab sofort tun.

Berliner Clubs: Im Sisyphos kann man jetzt dinieren.
Das Sisyphos ist wieder auf – allerdingsn etwas anders als bisher gewohnt. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Das Außengelände des Sisyphos wird zum Sitzyphos, einem Restaurant. „Sisyphos lädt zum Plausch am Tisch inklusive Hygiene-Einweisung und Am-Platz-Service. Ohne Tanz, aber mit Musik, Speisen, Getränken, Kioskkrams, und maskierten Flitzern, die euch am Platz bedienen“, heißt es auf der Website.

Geöffnet ist Freitag, Samstag und Sonntag von 15 bis 22 Uhr (wenn es nicht regnet, merken die Macher auf der Website dazu an). ‍“Der Eintritt ist kostenlos, aber begrenzt, also first come, first duck. Tischzuweisung durch das Sisy-Team. Bitte bringt eine Maske und Kleidung für draußen mit.“ Die ersten Öffnungstage waren Erfolge, regelmäßig war das Areal (mit Abstand) voll. Reichen wird das kaum. Die meisten Clubs in Berlin können nach fast drei Monaten kaum noch Sonne sehen.


Birgit hat wieder Bier

Auch entspannter wird es bei Birgit und Bier. Hier ist am Wochenende ab 12 Uhr auf, die Tische stehen mit Abstand und auch hier soll nicht getanzt und gefeiert werden – sondern Pizza gegessen. Reserviert werden kann über Quandoo. Online sind zumindest für das erste Wochenende keine Termine mehr zu finden. Die Plätze dürften heiß begehrt sein.

🌞We are so damn ready🌞

Posted by Birgit&Bier on Friday, May 15, 2020

Sage Beach mit Markt und Riot

Die Strandbar des Sage bietet gemütliche Plätze am Wasser – und wechselnde "Party"-Mottos.
Die Strandbar des Sage bietet gemütliche Plätze am Wasser – und wechselnde „Party“-Mottos.

Weiter geht es auch am Sage Beach, auf der Facebook-Seite gibt es immer wieder Updates zu den Veranstaltungen, die stattfinden. Auch hier wird um Voranmeldung gebeten, der Platz ist begrenzt. Zuletzt hatten zum Beispiel beliebte Partyreihen wie Riot ein Gastspiel hier (für die sitzenden Gäste), demnächst stehen auch ein Queer Market (26. Juli) und weitere Events an.


Mehr zum Thema

Die geschlossenen Clubs treffen manche Communitys härter als andere. Drag-Queen Bambi Mercury etwa sagt: Die queere Szene ist akut bedroht. Wenn Schutzräume wie Blank und Schwuz die Krise nicht überleben, sei das ein massives Problem.

Generell leidet die Club-Kultur enorm. Schon längst ist der Supermarkt das neue Berghain, die vom Koks-Berge werden maximal beim Geheim-Raves wegkonsumiert. Wobei – nicht dass die am Ende so geheim sind, dass die Koks-Taxis den Weg nicht finden. Dass es auch andere Wege aus der Krise gibt, hofft man zum Beispiel beim Kater Blau – der Club hat einen neuen Sampler veröffentlicht. Berlin informiert regelmäßig über alle Entwicklungen in der Corona-Krise. Generell gibt es natürlich auch weiterhin die traditionellen Biergärten.

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