Musik & Party in Berlin

„Collective Nights“ im Babylon Mitte

Intelligenz und Spaß: Das Jazzkolletiv Berlin spielt in den Collective Nights ganz bewusst die europäische Karte aus.

Jazzkollektiv Berlin

Die Idee ist so einfach wie genial. Das Jazzkollektiv als neues Berliner Outlet für visionäre Klänge tauscht sich mit der vereinten Elite der europäischen Jazz-Avantgarde aus. Das JazzFest Berlin hat ja gerade erst gezeigt, wie trügerisch der Glaube sein kann, im Zeitalter von Internet und Billigfliegern würden Szenen noch wie vor 20 Jahren funktionieren. Das hauptstädtische Jazzgeschehen wird längst von Musikern aus der ganzen Welt geprägt, die kommen, gehen und sich hier wie anderswo in immer neuen Biotopen zusammenfinden. Berlin ist überall. Ein Berliner Festival muss auf diese Herausforderung reagieren.
Der Berliner Jazz ist im Wandel und mit seinem langen Bart hat er auch die chronische Angst vor dem Zeitgeist abgelegt. So versteht sich auch das 2007 gegründete Jazzkollektiv Berlin nicht als hermetischer Organismus. Die Saxofonisten Felix Wahnschaffe, Wanja Slawin, Phillip Gropper und Daniel Glatzel, die Posaunisten Gerhard Gschlößl und Johannes Lauer, Pianist Marc Schmolling sowie Gitarrist Ronny Graupe stehen mit ihren diversen Bands für stilistische und personelle Offenheit nach allen Seiten. Jazz definiert sich hier nicht mehr über seine Abgrenzungen, sondern über ein weites Panorama von Möglichkeiten, das von Tag zu Tag größer wird. Vor Kurzem noch undenkbar, darf Jazz endlich intelligent sein und Spaß machen. Das bedeutet auch eine Öffnung nach außen.
In den Collective Nights umgibt sich das Jazzkollektiv mit vergleichbaren Kooperativen aus ganz Europa, unter ihnen nicht nur Newcomer. Die Gruppe Atomic ist zum Beispiel ein Quintett mit Top-Improvisatoren aus Schweden und Norwegen, das improvisierte Musik mit der Aufmüpfigkeit von Alternative Bands zelebriert. In dieser Hinsicht haben uns die Skandinavier ebenso viel voraus wie die Franzosen mit der Synthese aus europäischer Kammermusik und außereuropäischen Traditionen auf dem Boden des Jazz. Gruppen aus Frankreich, Skandinavien, England, Italien und Dänemark vernetzen sich mit Bands aus Köln und natürlich immer wieder Berlin. Statt des Glanzes großer Namen setzen die Collective Nights auf den Sog großer Spannung und erklären Europa kurzerhand zur erweiterten Kampfzone der Berliner Jazz-Guerilla.

Text: Wolf Kampmann

Collective Nights, Kino Babylon, Do 9.-So 12.12., 20 Uhr, VVK: 18 / erm. 12 Euro

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare