Performance-Ausstellung

„Conditions of Political Choreography“ im n.b.k.

Das Rechercheprojekt „Conditions of Political Choreography“ untersucht, wie Künstler in Deutschland und Israel heute mit Erinnerung umgehen

Antje Majewski, Landscape Painting (2016), Gedicht, Gemälde, Chor; Musik von Katrin Vellrath, Center for Contemporary Art, Tel Aviv, 2016 © Asaf Saban Antje Majewski, Landscape Painting (2016), poem, painting, choir; music by Katrin Vellrath, Center for Contemporary Art, Tel Aviv, 2016 © Asaf Saban

Hat das kollektive Gedächtnis der Deutschen eine prägendere Erinnerung als die an Auschwitz? Mit dieser Fragen setzten sich schon Wissenschaftler und Publizisten wie Fritz Stern, Saul Friedländer und Astrid Erll in ihren Überlegungen zur Erinnerungskultur seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Ost und West auseinander.
Auch die Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann gilt als Vordenkerin dieses Gebiets. Ihr Buch „Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur: eine Intervention“ (2013) nimmt das Verschwinden der Überlebenden und die zunehmend institutionalisierte Erinnerungskultur der Gedenkstätten als Ausgangspunkt  – und fragt, wie die Gesellschaft damit umgehen soll. Vor allem Europa,  dem sie mangelnde Solidarität und fehlendes Interesse intellektueller, allen voran linker  Kreise bescheinigt, nimmt sie in den Blick.

Ausgehend von Assmanns „Intervention“, und anlässlich der Feiern zum Bestehen der 50-jährigen deutsch-israelischen Freundschaft, fanden sich in Berlin und Tel Aviv Künstler aus beiden Ländern zu zwei Workshops zusammen. Gemeinsam versuchten sie zu ergründen, wie Erinnerungskultur in Deutschland, aber auch in Israel mehr als 70 Jahre nach der Shoah funktioniert. Aus diesen Überlegungen sind Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Bildender Kunst, Performance und Theater entstanden, die das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft untersuchen, aber auch Fragen nach territorialen Strukturen stellen.
„Conditions of Political Choreography“ heißt das Rechercheprojekt, dessen Ergebnisse nun eine Performance-Ausstellung im n.b.k. zeigt. Neben Performances u.a. von Yael Bartana, Adam Linder und Antje Majewski umfasst das Programm den Kongress „Zum Zustand der deutsch-israelischen Beziehung“ sowie Diskussionen und Screenings. Ein Konzert mit der Band Jewdyssee und die „#OpenStage“, bei der Besucher die Performance-Requisiten betrachten können, komplementieren das Programm mit Festivalcharakter.

Als Festival möchte Kuratorin Sophie Goltz die Ausstellung aber nicht verstanden wissen. „Die Basis bildet der Raum, der nach einem Konzept des New Yorker Künstlers Ohad Meromi gestaltet wurde, sowie das Verhältnis der Arbeiten zu diesem Raum“, sagt sie. In diesem beschäftigt sich Yochai Avrahami etwa mit der Warenbewegung zwischen Orient und Okzident. Mit der Urbarmachung von Land, also dem Wandel von Natur zur landwirtschaftlichen Nutzung, setzt sich die Malerin Antje Majewski auseinander. Adam Linder schaut auf prekäre Arbeitsverhältnisse. Leon Kahane und Roger Bundschuh untersuchen ausgehend vom Interview mit Kahanes Großvater, das für Steven Spielbergs „Shoah Foundation“ erstellt wurde, wie säkulares und religiöses Leben in Israel zusammen funktionieren.

Die Erinnerung ist im Wandel, auch auf künstlerischer Ebene. Welche Positionen nun eingenommen werden, wird im Laufe des kommenden Monats sichtbar. Bis dahin bleibt es spannend.

n.b.k. Chausseestr. 128–129, Mitte; 16.6.–16.7. Eintritt frei; Programm: www.nbk.de