Kommentar

Corona-Absagen: Der Ärger mit den Ticket-Verkäufern – und wie es besser geht

Wegen Corona häufen sich aktuell die Absagen von Konzerten, Shows und vielen anderen Spektakeln. Fans bleiben auf ihren Tickets sitzen und fragen sich wie es weitergehen soll. Konzert-Kassen und Ticket-Verkäufer sind überfordert. Unser Autor Sebastian Scherer kommentiert die Situation

Corona-Absagen: Konzerkassen und Online-Anbieter sehen sich mit vielen Fragen konfrontiert – nicht alle gehen elegant damit um Archivbild/Imago/Steinach

Die letzte März-Woche wäre es gewesen, ich hatte schon Angst davor. Nicht, weil ich dachte, dass das Corona-Virus mir einen Strich durch die Rechnung macht. Sondern weil ich Karten für so viele Konzerte hatte, dass ich mich um meine mentale Fitness sorgte. Bühnen-Burnout quasi – man muss ja auch dann zur Arbeit, wenn sich alle Lieblingsmusiker nun mal in der gleichen Woche in die Stadt bequemen.

Nun hat es sich erledigt. Zumindest ist das anzunehmen. Denn ganz genau weiß man das alles nicht. Dass Avril Lavigne nicht in der Columbiahalle ihren alten Hits singt, ist offensichtlich. Es war ausverkauft, eindeutig mehr als 1000 Leute.

Gleichzeitig wollten Major Lazer Ende März gleich drei Shows am Stück spielen – auf der MS Rhein, im Yaam, im Ritter Butzke. Zwei Örtlichkeiten davon sind Clubs. Heideglühen, Berghain und Tresor haben schon dicht gemacht. Und die anderen? Genaues weiß man nicht.

Gewünscht ist seitens der Politik, dass nur wirklich nötige Veranstaltungen stattfinden. Major Lazer sind das sicher nicht. Informationen dazu findet man allerdings derzeit nirgendwo. Nicht bei den Clubs, nicht bei Major Lazer, nicht bei der Kartenvorverkaufsstelle.

Corona-Absagen treiben zigtausende Menschen um

Gerade letzteres ist das, was momentan sicher zigtausende Menschen umtreibt. Denn sie haben viel Geld ausgegeben für viele Veranstaltungen, die nun alle ausfallen. Und sie wissen nicht, wann und wie sie es wiederbekommen. Das ist ärgerlich – allerdings ist nun etwas Geduld gefragt.

Die Kreuzberger Konzertkasse „Koka 36“ hat entsprechend gleich auf die Startseite einen Hinweis gesetzt: „Selbstverständlich verfolgen wir die Entwicklung mit äußerster Aufmerksamkeit. Sobald es Neuigkeiten zu betroffenen Shows gibt, werden wir diese umgehend kommunizieren.“

Dahinter eine kleine Ergänzung: „Natürlich müssen wir uns hierbei mit den einzelnen Veranstaltern abstimmen.“ Und das sind, das steht dort nicht, Hunderte Firmen, die gerade genauso rotieren wie alle anderen in der Branche.

Geduld ist angebracht – aber gute Kommunikation auch

Und damit beginnt das Ärgerliche: Denn so vorbildlich sich Koka 36 mit der Bitte um Geduld verhält, so grotesk ist es, wie andere (Online-)Konkurrenten damit umgehen. Mehrere große Anbieter haben auf ihrer Startseite nicht einmal einen Hinweis. Kein freundlicher Verweis, dass alles gerade im Fluss ist. Keine Mail: Wir kümmern uns. Kundenservice ist anders. Selbst kleine Veranstaltungsorte und Ticket-Verkäufer könnten zumindest mal sagen, dass sie sich kümmern, was geschieht.

Zumal sich zum Beispiel auch Platzhirsch Eventim blamiert – und man hier erwarten müsste, dass die Kraft vorhanden ist, zumindest auf große Event-Veränderungen zu reagieren. Abgesehen davon, dass die Corona-Informationen unter einen unauffälligen Kachel in der unteren Hälfte der Website versteckt sind, findet laut dem dort zu findenden Check zum Beispiel das Konzert von Avril Lavigne noch statt – obwohl die Künstlerin auf Instagram abgesagt hat, obwohl es mit tausenden verkauften Tickets schlicht verboten ist in Berlin, seit Tagen schon. Vielleicht äußert sich Eventim nicht, weil der Nachholtermin noch nicht feststeht. Aber ein Hinweis an der Stelle wäre ja denkbar. Und wünschenswert.

Aufgrund der europaweit behördlich verfügten Auftrittsverbote muss Avril Lavigne ihre kommende Europatour verschieben….

Posted by Live Nation Germany – Austria – Switzerland on Friday, March 13, 2020

Und natürlich sind Pannen in so einer Situation nicht zu verhindern. Bleibt trotzdem die Frage: Warum versteckt man die Informationen, die derzeit wohl alle, die Tickets gekauft haben, suchen?

Offensiver Umgang in einer solchen Situation hilft. Und Ehrlichkeit: „Wir wissen es nicht“, tut nicht weh. In dieser Situation brauchen wie alle Geduld. Es wird schon.

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