Kommentar

Corona-Virus: Ich weiß, wieso ich euch so hasse, Hamsterkäufer dieser Stadt

Wie schnell das Gefüge unseres demokratischen Zusammenlebens ins Wanken geraten kann, zeigen diese Tage. Grund dafür ist, wie sollte es anders sein, das Corona-Virus. Beziehungsweise der Teil der Menschheit, der Corona-Hamsterkäufe macht.

Nun ist es in seiner Ausbreitung sicherlich einzigartig und in seiner Wirkung auf das Leben einzelner rund um den Globus ebenso beispielhaft. Doch sind die unangenehmsten Aspekte dieser Pandemie nicht die gesundheitlichen, auch wenn bedauerlicherweise Menschen am Corona-Virus erkranken oder gar sterben. Sondern die Art und Weise, wie wir zumindest teilweise als Gesellschaft mit dieser Herausforderung umgehen.

Corona-Hamsterkäufe: Leere Regale im Supermarkt sind eine Folge der Panik wegen des Corona-Virus. Vor allem Nudeln und Toilettenpapier sind begehrt.
Corona-Hamsterkäufe: Das Virus macht Menschen nicht nur krank, sondern offenbar auch verrückt – viele Regale im Supermarkt sind leer. Imago/Sven Simon

Das besonders Ärgerliche ist im Allgemeinen die Panikmache. Und ein ganz besonders ärgerlicher Aspekt der Panikmache ist das Preppen – die Corona-Hamsterkäufe. Es geht um Menschen, die meinen, im Supermarkt alle Nudel- und Mehlbestände aufkaufen zu müssen, damit sie, sollten sie sich infizieren, dann auch überleben würden. Soweit der irre Plan.

Diese Menschen also halten die Situation für eine existenzielle Bedrohung, die sie dazu veranlasst Supermärkte leerzukaufen und in Drogerien alles, was nach Desinfektion auch nur aussieht, gleich mit dazu.

Corona-Virus: Hamsterkäufe sind ein Zeichen asozialer Ignoranz

Es ist ja nicht nur so, dass sie vor allem bei Desinfektionsmitteln Menschen in eine schwere Lage bringen, die das Zeug wirklich brauchen. Nein, was bei Hamsterkäufen an die Oberfläche tritt, ist eine unangenehme und in ihrem Kern asoziale Ignoranz.

Es kann ja wohl nicht sein, dass einer mit 100 Kilo Nudeln nach Hause geht und der andere nichts zum Fressen hat. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst? Wollen wir in so einer Welt leben? Ja sicher, „der Markt regelt alles“, werden viele jetzt rufen. Wenn ich will, dann kaufe ich mir so viel Zeug, wie es mir passt!

Kann man so sehen. Nur frage ich mich, was das für Menschen sind, die so etwas tun und wie würden Sie handeln und reagieren, wenn wir als Gesellschaft tatsächlich mal einer echten Bedrohung ausgesetzt wären. Man mag es sich kaum vorstellen. Rassismus wird vom Corona-Virus ja schon länger getriggert.

Es ist die Angst, die diese Corona-Hamsterkäufe antreibt, werden viele rufen. Stimmt, die gleiche Angst, die andere besorgte Bürger schon in Vergangenheit zu ganz anderen Dingen veranlasst hat, die vielleicht noch viel unangenehmer waren als zu viel Dosenbrot zu kaufen. Und doch ist das Horten von Lebensmitteln ein Akt, der unsere Gesellschaft mehr beleidigt, als das Virus selbst. Denn die Horter handeln nach dem Motto, erst ich und nach mir die Sintflut. So kann ein Gemeinwesen nicht funktionieren und so ist der viel beschworene „solidarische Zusammenhalt“ nur eine leere Floskel. Ich würde mir wünschen, er wäre es nicht!

Angst ist ein schlechter Motor – auch in der Corona-Krise

Angst ist ein schlechter Motor und in dieser Situation ganz sicher nicht hilfreich. Noch befinden wir uns nicht in einer extremen Situation. Es herrscht kein Krieg und wer sich ansteckt, hat nicht mehr zur befürchten als vor einer Grippe. Im Ansatz wird einem dank Corona aber klar, in was für einem Land wir leben und wer die Nachbarn sind.

Aus Weltuntergangs-Filmen weiß man, dass die Leute, die sich besonders gut vorbereiten, schnell zur Zielfläche der fiesen Zombies werden. Das sei natürlich niemanden an dieser Stelle gewünscht, doch sollten alle, die auf 100 Kilo Nudeln sitzen und literweise Desinfektionsmittel in der Kammer horten, vielleicht mal darüber nachdenken.

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  • Was wirklich sinnvoll und wie groß die Gefahr ist: Das Bundesgesundheitsministerium hat eine kontinuierlich aktualisierte Corona-Informationsseite zum Thema geschaltet.