Kommentar

Corona hat jetzt schon Berlin verändert, die Zeit der Abschiede kommt

Deko Behrendt und die Thermen im Europa Center, das Barcomi’s in Mitte und die Zitty: Läden, Unternehmen und Institutionen haben die Corona-Krise nicht überstanden und verschwinden aus dem Alltag. Jetzt kommt die Zeit, ein Stück Berlin zu verabschieden. Ein Kommentar von Jacek Slaski.

Deko Behrendt wird im Frühjahr 2021 schließen.
Deko Behrendt wird im Frühjahr 2021 schließen. Foto: Imago/Schöning

Alles verändert sich, das ist eine alte Regel. Wenn man auf die letzten Monate der Corona-Pandemie, der Maßnahmen und der damit zusammenhängenden Konsequenzen zurückblickt, stellt man fest, dass das Virus zuweilen auch anders wirkte, als man eigentlich befürchtet hat. Statt Atemnot und Fieber kamen Pleiten, Insolvenzen und Schließungen.

Ob direkt oder indirekt, ist Corona allein in Berlin an dem Ende der Thermen im Europacenter, des beliebten Schöneberger Fachgeschäfts für Dekorationsbedarf Deko Behrendt, aber auch unseres Schwestermagazins „Zitty“ beteiligt.

Corona wirkt wie ein Brennglas

Mal blieben die Kunden aus, weil nicht mehr gefeiert wurde, mal reichten die Rücklagen nicht, in anderen Fällen brach das ganze Geschäftsmodell zusammen. Zwar gab es staatliche Hilfen, mit denen die schwierige Zeit überbrückt werden sollte, aber das Notprogramm hat nicht immer gegriffen.

Corona wirkt wie ein Brennglas. Wo Probleme schon vorher existierten, dort haben sie sich in der Krise vergrößert. Das ist die eine Seite der Wahrheit. Aber manchmal schuf Corona auch eine nie dagewesene Situation, auf die man als Unternehmen schlicht und ergreifend nicht vorbereitet sein konnte.

Naturgemäß traf es vor allem die Gastronomie und den Kulturbetrieb. Die Liste der Schließungen liest sich daher auch wie ein Gastroführer durch Berlin: Barcomi’s Deli in Mitte, das Gasthaus Lentz in Charlottenburg, die Neuköllner Palsta Winebar, das Café Kastanientörtchen in Prenzlauer Berg oder das Sol y Sombra in Kreuzberg. Auch Klassiker wie das Schwarze Café in der Kantstraße sind gefährdet und viele Clubs rufen zu Spendenaktionen auf, etwa das SO36.

Auch das Schwarze Café in der Kantstraße ist von der Corona-Krise betroffen.
Auch das Schwarze Café in der Kantstraße ist von der Corona-Krise betroffen. Foto: Imago Images/Ritter

Dazu kommen aber auch andere Branchen, etwa das Nautilus-Fitnesscenter in Tempelhof, der Pflanzendiscount in Hennigsdorf oder der Verkaufsladen der Taschenmanufaktur Packattack in Friedrichshain. Auch hier wurde dicht gemacht.

Die Probleme und Hintergründe mögen sich in jedem einzelnen Fall unterscheiden und nicht immer ist einzig und allein Corona für den Niedergang verantwortlich. Schließungen und Insolvenzen gab es auch vor der Pandemie. Sicherlich war Corona aber jeweils der Beschleuniger.

So ist in diesem Sommer die Moment der vielen Abschiede gekommen. Eine gewisse Ernüchterung gehört vermutlich zu den Wochen nach einer harten Zeit dazu. Natürlich verschwindet Berlin nicht, ein Stück der Stadtgeschichte, des Alltags, und der lieb gewordenen Gewissheiten aber sehr wohl. Und die alte Binse „dass sich alles verändert“, hilft im Moment der Trennung nicht wirklich weiter.


Mehr zu Corona und Berlin

Friedrichstadt-Palast: Sanierung bis 2021 – das passiert hinter den Kulissen. Buchladen in Kreuzberg vor Schließung: Wird Kisch & Co. zum Spekulationsopfer? Rot-Rot-Grün will Clubs in Berlin retten – aber reichen die Maßnahmen?

Mehr über Cookies erfahren