Leben mit Corona

Corona in Berlin: Darf ich in den Park oder nicht?

Corona grassiert in Berlin und trotzdem sind viele im Park. Wer in den letzten Tagen im Volkspark Friedrichshain, im Wilmersdorfer Stadtpark oder im Mauerpark unterwegs war, sah einen ganz normalen Frühlingstag. Überall Menschen, die spielten, quatschten und sich an der Sonne erfreuten. Dabei befinden wir uns wegen der Corona-Pandemie in Fast-Quarantäne. Soll man raus in den Park oder nicht? Eine Annäherung an ein problematisches Stadtthema

Im Stadtpark Wilmersdorf in Berlin versammeln sich am 16. März 2020 junge Menschen trotz der Aufforderung wegen der Corona-Pandemie soziale Kontakte zu meiden.
16. März in Berlin. Keine Spur von Corona-Angst. Hier versammeln sich vorwiegend junge Menschen im Volkspark Wilmersdorf. Foto: imago/gezett

Die Corona-Krise ist ernst und verdammt gefährlich für uns als Gesellschaft. Kaum jemand hat so eine Situation mit derart drastischen Einschnitten ins eigene Leben erlebt. Alle bisher getroffenen Sicherheitsmaßnahmen sind gut und richtig. 

Was nicht richtig ist: Menschen vorzeitig zu verurteilen. Der Hashtag #stayathome ist mittlerweile bis in die letzte Ecke des Internets vorgedrungen und in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke mahnen Nutzer*innen, dass man jetzt verdammt nochmal darauf verzichten solle, Freund*innen zu treffen und einfach zu Hause bleiben solle. 

Ein generelles Verbot, das Haus zu verlassen, besteht nicht.

Genau das aber sind zwei verschiedene Dinge, die oft in einem Atemzug genannt werden. Es ist ein Unterschied, ob ich im Wald und im Park spazieren gehe oder ob ich auf der Wiese eine Grillparty mit 20 Leuten veranstalte, auf Joints herumgereicht werden. Die Maßgaben des Robert-Koch-Instituts sind eindeutig: Abstand halten, Hände waschen, möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen. Wer Atemwegsprobleme hat, soll zu Hause bleiben. Ein generelles Verbot, das Haus zu verlassen, besteht nicht. Die Regierung setzt darauf, dass die Menschen verstehen worum es geht: soziale Kontakte unterlassen.   

Dieser Tweet von Sham Jaff bringt die Situation gut auf den Punkt.

Trotzdem fahren manche Menschen ihre Freund*innen und Fremde an, wenn diese zum Beispiel Bilder vom Teich im Park posten. Das ist zu schnell geschossen. Wo ist das Problem, wenn man sich in gebührendem Abstand zu anderen Menschen auf die Wiese legt oder spazieren geht – zum Beispiel mit dem*der Partner*in? Die Kommentator*innen, die im Netz behaupten, das sei nicht möglich, laufen wohl entweder mit geschlossenen Augen durch die Welt oder sie wollen nicht einsehen, dass man auch draußen allein sein kann. So wie sie das beschreiben, verhalten sich Menschen beim Spazierengehen wie Flummis die überall gegen prallen. Und: Woher wissen die Leute, die so schnell ein Urteil bereit haben, dass es sich bei der Vierergruppe im Park nicht um eine WG handelt, deren Mitglieder drinnen eh die ganze Zeit aufeinander hocken? 

An die eigene Wohnung gefesselt zu sein ist für niemanden schön. Besonders hart trifft es aber die Menschen mit psychischen Erkrankungen. Wenn jemand mit Depressionen oder Angststörungen nun den Drang verspürt, das Gesicht in die Sonne zu halten und das auch tut, dann sollte diese Person nicht dafür verurteilt werden. Eigentlich sollte niemand die Erfahrung machen müssen, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden, wenn er oder sie dem natürlichen Bedürfnis nach Sonnenlicht folgt – im Rahmen der Regeln, die gerade gelten. 

Übrigens ist es in dieser Situation leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn man selbst mit dem Laptop auf dem Balkon, der Dachterrasse oder im fetten Garten sitzt. In einer kleinen, dunklen Wohnung ohne Balkon zu sitzen und nicht mal für einen Spaziergang raus zu dürfen, ist es nicht.  


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