Comic

Cowboy auf dem Drahtesel

Die Berliner Verkehrspolitik will die Stadt von Auto auf Fahrrad umstellen. Wie passend, dass der Berliner Comic-Zeichner Mawil dem berühmten Cowboy Lucky Luke sein Pferd wegnimmt

Lucky Luke von Mawil, der Mann der schneller luftpumpt, als sein eigener Schatten
Foto: Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved – by Mawil

Auch im Mutterland der Comics läuft das Geschäft nicht so gut wie einst. Die Antwort der französischen Verlage auf fallende Auflagen lautet: Diversifizierung. Bei „Spirou“ etwa gibt es schon lange den Ableger „Der kleine Spirou“, in den letzten Jahren sind noch „Spirou Spezial“ und „Spirou präsentiert“ dazu­gekommen. Bei „Lucky Luke“, einer ­anderen Ikone des europäischen Comics, wirkten die bisherigen Versuche, mit Titeln wie „Lucky Kid“ oder „Rantanplan“ neue Leser an Land zu ziehen, eher hilflos. Doch seit 2016 erscheint die Serie „Hommage“, in der ganz unterschiedliche Zeichner und Autoren dem „poor lonesome Cowboy“ in ihren ganz eigenen Stilen huldigen. Und der dritte in dieser Reihe ist nun ein Künstler aus Berlin: der 1976 geborene Markus Witzel, kurz Mawil.

Und wie es sich für einen echten Berliner gehört, streicht Mawil dem armen Lucky Luke erstmal sein bisheriges Fortbewegungsmittel. Das treue Pferd Jolly Jumper bleibt alleine im Wilden Westen zurück, während sein Herrchen auf ein Fahrrad umsatteln und damit nach San Francisco strampeln muss. Das mag zwar nicht immer historisch ganz korrekt sein – gab es in der Hochzeit der Cowboys schon Schläuche in den Rädern und Luftpumpen? – unterhaltsam und komisch ist die Geschichte aber allemal umgesetzt. 

Mawils Liebe zu dynamischen Szenen – man denke etwa an das Tischtennisduell in „Kinderland“ – kommt das Fahrradrennen sehr entgegen.

Ob nun gewollt oder nicht: Besonders in den Actionszenen erinnern die Bilder tatsächlich an den „Lucky Luke“-Schöpfer Morris aus der Zeit Ende der 40er-, Anfang der 50er-Jahre: quecksilbrig und am Stil der klassischen Zeichentrickfilme geschult. Und Mawils Lucky Luke selber erinnert manchmal an Peter Bagges Grunge-Comics, aber das ist eine ganz andere Geschichte …

Ein Jahr lang hat Mawil an den 60 Seiten gearbeitet, im klassischen Albumformat und komplett in Farbe. Einschränkungen vom Lizenzinhaber hatte er nach eigenen Angaben so gut wie keine. Es darf ausführlich in die Wüste gepinkelt werden, nur Schimpfworte hat sich der Originalverlag verbeten. Ob der Band auch in Frankreich und Belgien erscheinen wird, steht noch nicht fest. 

Lucky Luke sattelt um von Mawil, Egmont, 64 S., Hardcover 15 €, Softcover 7,99 €

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