Japanisch

Das Arai in Mitte

Die Qualle der Wahl: Omakase nennt man in Japan das Geschenk, sich ganz auf ein Menü und seinen Koch einzulassen. Ein Abend im Arai, in entspannter Konzentration

Sasha Kharchenko

Qualle in Yuzosoße. Damit fing es an. Eine Aromendusche von kurioser Viskosität, deren Mundgefühl an Bubble Tea erinnert. Dazu Tranchen von der Hähnchenbrust und Gurke. Glasklare Aromen, perfekte Produkte und eine unterschwellige Präzision, die uns den Rest des Abends begleiten wird. Die Begleitung: eigenwillige, charakterstarke Weine aus Südfrankreich oder ein Kirin-Bier aus den puristischen, hauchzarten Gläsern, wie sie in Japan angeblich selbst in den Imbisslokalen üblich sind. Und dann? Folgten Sellerie mit ­japanischem Senf, Kartoffelheu, über Holz­kohle allenfalls angegrilltes Rinderfilet, eine frittierte Auster …

Vor rund zwei Jahren hatte Shiori Arai sein erstes Omakase-Restaurant in Berlin eröffnet. Und es damals nach seinem Vornamen benannt. Die konzentrierte Produktküche des Shiori in der Max-Beer-Straße gilt seitdem zu Recht als der beste Japaner der Stadt. Und dennoch haben alle zunächst einmal darüber gesprochen: ein Lokal, dass seinen gerade einmal zehn Gästen nur ein einziges Menü serviert. Und das für alle synchron. Omakase nennt sich diese in der gehobenen Küche Japans übliche Art der Abendgestaltung, die hierzulande noch gerne als eine, nun ja, pietistische Variante der Erlebnisgastronomie missverstanden wird. Im nun eröffneten, zweiten Restaurant Arai passierte nun aber gerade das: Einmal die Schuhe ausgezogen, das Smartphone ausgeschaltet und sich an den einen großen, scheinbar in den Boden eingelassenen Tisch gesetzt, war es gerade diese vermeintliche Strenge, die dem Abend eine entspannte Leichtigkeit gab. Menschen kamen ins Gespräch, gerade jene, die sich vorher gar nicht kannten.

Zwischen ihnen moderierte Restaurantleiter Shuai Wang das Omakase-Menü (zehn Gänge 88 Euro) mit zarten Worten und einer verbindlichen Nahbarkeit, gab Hinweise, keine Anweisungen und bot vom neunten Gang, dem Tofu mit Chinakohl, Reis und süßem Essig, mehrmals üppigen Nachschlag an. Auch das ist ja ein Geheimnis des Omakase, wie es inzwischen etwa von der ähnlich konzentrierten Produkt­küche des Nobelhart & Schmutzig adaptiert worden ist: Der Gast bleibt hungrig auf die Vielfalt, die Nuancen der Aromen, um sich im letzten herzhaften Gang dann selig satt zu essen. Selig und geistreich gesättig waren wir indes schon davor.

Arai Straßburger Str. 60, Mitte, Mo – Sa 19.30 Uhr, Reservierung erforderlich, www.araiberlin.com

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