Kunst und Museen in Berlin

Das Bauhaus-Archiv in der Berlinischen Galerie: „original bauhaus“ zeigt Objekte und Wirkung der Schule

Es waren nur 14 Jahre, in denen die Bauhaus-Schule in Deutschland existierte – aber die hatten es eben in sich. In dieser Zeit hat sie im Designbereich, der Architektur, aber auch in der Art, wie an Hochschulen unterrichtet wurde, viel auf den Kopf  gestellt. Ein Gamechanger, wie man heute sagt, ein gesellschaftsverändernder Ansatz, der über das reine Gestalten hinausreichte.

Die Maske ist von Oskar Schlemmer, der Sessel von Marcel Breuer. Doch wer die Frau auf diesem Foto ist, das Erich Consemüller 1926 machte, hat bis heute niemand herausgefunden. Foto: Erich Consemüller / Bauhaus-Archiv Berlin / Oskar Schlemmer / Dr. Stephan Consemüller

„Es ging“, sagt Nina Wiedemeyer, die die aktuelle „original bauhaus“-Ausstellung kuratiert hat, „nicht einfach nur um schöne Sachen“. Von der Produktion bis zur seriellen Fertigung dieser – unbestritten schönen – Sachen in einer Schule gleich alles mitzudenken – das war ebenso neu wie es zum Beispiel das Austarieren von Gemeinschaftssinn versus Eigensinn bereits in den legendären Vorkursen war. Denen hat die Kuratorin in der großen Jubiläumsausstellung auch gleich zwei Ausstellungskapitel in der Berlinischen Galerie gewidmet, die das zurzeit heimatlose Bauhaus-Archiv dort zusammengestellt hat. Weitere Kapitel sind „Ikone werden“ „Geschichte schreiben“ und „Schule machen“. 14 ausgewählte Schlüsselobjekte stehen stellvertretend dafür. Die gesamte Ausstellung umfasst aber mehr als 700 Arbeiten.

Bei den Schlüsselobjekten ist der Begriff Objekt weit gefasst, unter anderem ist das Triadische Ballett Oskar Schlemmers dabei, um die fortwährende Reproduktionsmöglichkeit einer Bühnen-Idee bis heute zu zeigen. Dazu kommen Architekturmodelle, Ansichtspostkarten oder Schautafeln aus der Reklameabteilung der Schule. Vieles davon stammt aus dem Bauhaus-Archiv. Einige der 700 Arbeiten hat man so noch nicht gesehen, andere wiederum schon, aber in anderen Zusammenhängen – wie die Fotomontagen von Hannah Höch. Sie hat Bauhaus und Dada verbunden, ihre Werke sind der Beitrag der Berlinischen Galerie zur Ausstellung. Und sie sind historisch relevant: Höchs Einzelausstellung wurde in Dessau von den gerade an die Macht gekommenen Nationalsozialisten verboten.

Weniger politisch, aber auch sehr sinnbildlich für diese neue Zeit, ist die Fotografie der „Berühmten Unbekannten“: ein ikonisches Bild, das eine maskierte Frau auf einem Stuhl von Marcel Breuer zeigt, die medienaffin mit der Öffentlichkeit spielt und damit den „Wassily-Chair“ mit Geheimnis und Charisma auflädt. Etwas, das bis heute unbezahlbar beim Verkaufen eines Designs ist.

Die große Unbekannte

Zu sehen ist aber auch das legendäre Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt, das nie verkauft wurde, sondern ein in Handarbeit gefertigter Prototyp für eine mögliche, später serielle Produktion war. Sieben der überhaupt nur vorhandenen acht Kännchen sind in ihrer ganzen Perfektion in der Berlinischen Galerie zu sehen.

Wer sich beim Anblick dieser Teekännchen gerne erschöpft fallen lassen möchte, kann auch das tun– in den Wassily-Chair, der fast gegenüber steht. Dort wird zwar kein Tee serviert, aber es kann die große Unbekannte plus Maske nachgestellt – und mit entsprechendem Hashtag in den sozialen Medien verbreitet werden. Das werden sich die Menschen von heute wohl kaum entgehen lassen.

Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, bis 27.1., Eintritt 12/ erm. 9 €; der Katalog ist im Prestel Verlag erschienen, 224Seiten, 29 € im Museumsshop (statt 45 €)