Feine Küche 

Das Bricole in Prenzlauer Berg

Ein Abend im Bricole kommt nie zu teuer. Vor allem aber kommt er gut

Foto: Simone Artale

Als wir auf diesen geschmackvoll zusammengewürfelten Gründerzeitstühlen vor gut zwei Jahren schon einmal Platz genommen hatten, war das Bricole noch jung und genauso war es der Zeitgeist, handwerklich und durchaus ambitioniert zubereitete Speisen in kleinen Portionen anzubieten. Zum tischweisen Teilen gar. Sharing war eben das neue Caring. Und dieses ungezwungene und, ja, auch preissensible Konzept vielleicht auch ein Zugeständnis an diesen gastronomisch komplizierten Kiez, als der Prenzlauer Berg noch immer und zurecht gilt. Nun: Günstig, erst recht gemessen am Gebotenen, isst man im Bricole noch immer. Inzwischen verfolgt die Karte aber das klassische Menükonzept, welches sich von drei auf bis zu fünf Gänge (34 bis 49 Euro) erweitern lässt.

Erweitert haben sich in diesen beiden Jahren auch die Aromen, was den Tester nun wiederum einen anderen Zeitgeist überdenken lässt. Jenen nämlich, dass das beschleunigte Berlin scheinbar nur mehr von Neueröffnung zu Neueröffnung rennt. Im Bricole hat Küchenchef Steven Ziedler die kulinarische Gegenwart auf der Zunge, ohne die DNA seiner süddeutsch-frankophilen Küche zu verleugnen. Nachzuschmecken etwa in den Desserts aus Schokolade, Johannisbeere, Kerbelknolle etwa, die immer auch eine kräutrige oder gemüsige Komponente haben. Wenn dann schon im zweiten Gang die Wohlfühlkombination Kartoffel und Eigelb mit Lardo und Kalbsbries kombiniert wird, ist zudem klar, dass hier keinesfalls gastfreundliche Kalkulation vom knappen Wareneinsatz subventioniert wird. Und der Hirsch im Hauptgang? Ein souveräner Hauptdarsteller, umgarnt von kraftvollem Sellerie und Grünkohl, der von der Küche angemessen kurz behandelt worden war. Apropos: Drei untereinander kombinierbare Menüs stehen auf der wechselnden Karte, von denen eines immer vegetarisch ist.

Kritikpunkte? Man könnte der von Fabian Fischer, einem angenehm unaufgeregten Gastgeber, zusammengestellten, überwiegend deutschen Weinkarte vielleicht vorwerfen, dass sie allzu Ähnliches versammelt. Riesling, Grauburgunder, Pinot Noir. Clemens Busch, Martin Tesch, Karl Pfaffmann. Sicher, man findet immer eine (fair ausgepreiste) Flasche, nur bräuchte es dafür diese eher scheinbare Vielfalt nicht. Aber vielleicht passt diese brave Zurückhaltung auch gut zu einem Laden, der den Gast ganz einfach Gast sein lässt. Mögen sich Köche, Gäste, ja: überhaupt die ganze Stadt längst permanent auf einer Bühne wähnen, wenn nicht gar auf Instagram – ins Bricole geht man einfach, um mit netten Menschen gut zu essen. Das kann, und das notiere ich zunehmend, bereits eine ganze Menge sein.

Bricole Senefelderstr. 30, Prenzlauer Berg, Tel. 8442 1362, Di–Sa ab 18 Uhr, www.bricole.de