Musik & Party in Berlin

Das „Chalet“ in Berlin-Kreuzberg

Seit August gibt es neben dem Kater Holzig noch einen zweiten Bar25-Ableger. Danny Faber und Sese Baier haben im ehemaligen Heinz Minki auf der Lohmühleninsel in Kreuzberg das Chalet eröffnet.

Chalet

Die Bezeichnung „Club“ greift eindeutig zu kurz, wenn man das Konzept des Chalet beschreiben will. Natürlich geht es ums Tanzen und Feiern zu feinen Elektrotunes. Es geht um erstklassige DJ-Line-Ups und entspanntes Afterhour-Abhängen bis in den Sonntagnachmittag hinein. Das Chalet ist aber nicht nur Party-Location. Es ist auch ein Ort intensiver Sinneserfahrungen.
Schon von außen bietet der Club einen imposanten Anblick. Er ist im ehemaligen Steuerhaus der Königlichen Wasserinspektion untergebracht, einem Ziegelsteingebäude, das 1859 erbaut wurde und zwei Weltkriege überstanden hat. Design und Inneneinrichtung wurden bewusst an die Historie des Hauses angepasst. Vieles blieb dabei unbehandelt, um ein authentisches, stimmiges Bild zu erzeugen. Einer der beiden Floors, der „Salon“, ist seinem Namen entsprechend mit edlen Sofas im Jugendstil bestückt. Sie stehen auf einem abgenutzten, knarrenden Holzdielenboden. An den Wänden klebt eine dunkle Tapete mit verspieltem Muster, von den Decken hängen Kronleuchter. Beeindruckend ist auch die opulente Theke mit den künstlerisch verzierten Holzvitrinen dahinter. Der zweite Floor gerät dann weniger altehrwürdig: Schwarze Ledersofas, eine improvisierte Beleuchtung und angekritzelte Wände sorgen für verratzt-gemütliches Berlin-Flair, eben die typische Club-Atmosphäre.
ChaletZusätzliche visuelle Reize soll der Außenbereich des Chalet bieten: ein romantischer Märchengarten mit bunten Lampions, Feuerstelle, Seerosenteich und individuellen Ecken, in die man sich zurückziehen kann. Der Garten kann allerdings erst im Sommer wieder richtig genutzt werden. Bis dahin wollen die Betreiber Danny Faber und Sese Baier ihm noch mehr Erlebnisspielplatz-Charakter verpassen. Der Einfluss der Bar25 lässt sich hier wohl kaum leugnen. Auch bei den eigenen Clubnächten, immer samstags, greifen die Betreiber auf ihr langjähriges Netzwerk internationaler DJ-Größen zurück, legen aber auch mal selbst auf. Der Freitag hingegen ist immer einem bestimmten Label gewidmet, das in dieser Nacht die Möglichkeit hat, sich mit verschiedenen DJs vorzustellen.  
Unter der Woche geht es weniger clublastig zu. An diesen Tagen kommen unterschiedliche Künste und Genres zum Zuge. Der „Salon der Alchemisten“ ist beispielsweise eine multisensorische Synthese aus Soundinstallationen, Visual Arts und Food. Das „Bordel des Arts“ lässt sich als Kombination aus Maskenball und Kunst-Fashion-Show beschreiben. Für die Zukunft sind jedoch auch unaufgeregtere Events wie Klassik- und Jazzkonzerte geplant. Das Durchschnittspartyvolk spricht das Chalet mit diesem Programm wohl nicht an. Müsste man der Zielgruppe ein Sinus-Milieu verpassen, würde es vielleicht „niveauvoll, weltoffen, um die 30“ lauten.
Danny Faber und Sese Baier halten bewusst offen, wohin die Reise gehen soll. Aus Bar25-Zeiten wissen sie, dass man als Betreiber eine Balance finden muss zwischen Eingreifen und Laufenlassen. Wohin sich das Chalet entwickeln wird, entscheiden ja letztendlich nicht nur die Macher, sondern auch die Besucher.

Text: Henrike Möller

Chalet, Vor dem Schlesischen Tor 3, Berlin-Kreuzberg, Di & Mi nach Ankündigung, Do-Sa ab 23 Uhr

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