Berlinale 2014

Das Forum Expanded bei der Berlinale 2014

Wie aus der Ferne, denn der Ort ist das Ziel: Die Sektion fragt nach den Produktionsverhältnissen des Raums.

Orbitalna

Seit einer Weile schon hat es die Kunst nicht mehr nur mit der Herstellung von Werken zu tun, sondern im Grunde mit einer alternativen Erklärung der Welt, in einer manchmal durchaus merkwürdigen Parallelaktion zu den Wissenschaften und anderem Wissen. Kunst stellt Fragen, und sie wird von Fragen umgeben. Selten wird es dabei aber so nachgerade kantianisch grundsätzlich wie bei der Frage, die über einem wichtigen Teil des diesjährigen Forum Expanded steht: Was wissen wir, wenn wir wissen, wo etwas ist?
Eigentlich wird die Frage ja auf Englisch gestellt, weil das gerade in dieser Sektion der Berlinale unumgänglich ist. Wie sonst allenfalls noch bei den Berlinale Talents verbinden sich im Forum Expanded die Werke mit dem Diskurs. Am besten erschließt sich das auch ganz konkret über Orte. Man kann mit der Ausstellung beginnen, die schon am 5. Februar abends bei der Eröffnung in St. Agnes in Kreuzberg zugänglich ist: Hier sind unter anderem Clemens von Wedemeyers Installation „Afterimage“ zu sehen sowie weitere Werke aus Jordanien, Ägypten oder Thailand.
In der Berlinischen Galerie findet am Mittwoch, 12. Februar, ein Kongress über die Frage nach dem Wissen, das sich im Wissen um eine Ortsbestimmung verbirgt, statt, der an die Veranstaltung „Think:Film“ anschließt. Hier wird Tarek Elhaik über „Post-Mexican Assemblages“ sprechen und Gertrud Koch mit Laura Mulvey diskutieren.
Das Herz der Auswahl bilden aber wie jedes Jahr die Screenings im Arsenal, darunter „Wie aus der Ferne“, in dem Dani Gal Albert Speer auf Simon Wiesenthal treffen lässt, oder „Orbitalna“ (Bild oben) von Marcin Malaszczak, ein betörendes Stück Para-Science-Fiction aus einer polnischen Bergbauregion, die schon in seinem großartigen Spielfilm „Sieniawka“ aufgetaucht war. Manche der Screenings sind nur 20 Minuten lang wie etwa „Inferno“ von Yael Bartana. Abendfüllend werden diese Termine erst durch das Gespräch, zu dem sie Gelegenheit geben sollen: Mit den Künstlerinnen und Künstlern direkt über ihre operativen Entscheidungen sprechen zu können, in der offenen Gesellschaft eines Kinosaals. Darin realisiert sich das Kunstwerk anders als bei den privaten Führungen für Sammler, in denen sonst häufig der Diskurs stattfindet.

Text: Bert Rebhandl

„Inferno“:  Fr 07.02. 22:00, CineStar IMAX; Sa 08.02. 18:00, Kino Arsenal 2; So 09.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Mo 10.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Di 11.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Mi 12.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Do 13.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Fr 14.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Sa 15.02. 18:00, Kino Arsenal 2; So 16.02. 18:00, Kino Arsenal 2

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