Kommentar

„Das muss man erst mal verarbeiten“ von Clemens Niedenthal

Die Beliebtheit vieler Dinge, die wir essen, ist etwas schwer… zu kapieren. Und es ergibt durchaus Sinn, hier mit einem Zitat aus einer Werbung zu beginnen, an die sich vielleicht nicht mehr jeder erinnert: Obstgarten, der Quark der Lebensmittelmarke Gervais, suggerierte dem TV-Publikum in den späten 80ern ein wahres Superfood zu sein

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Alle, die etwas anderes aßen, krachten jedenfalls mit Krawumms durch den Boden ­eines Gründerzeitbaus. Ach ja, natürlich hatte dieser Fruchtaromaquark mit einem Obstgarten nur sehr, sehr wenig gemein.
Damals hat natürlich noch keiner von Superfood geredet. Heute ­redet keiner mehr über diesen Quark. Geblieben ist die seltsame Lust am geriegelten, gerührten, konservierten Fertigsnack. Einer der am gründlichsten wachsenden Lebensmittelmärkte: Fitness- und Energiefood, das sich längst nicht mehr nur an Marathonläufer richtet, sondern an den spätmodernen Menschen an sich: im Büro, auf der Autofahrt, nach dem Yoga, vor dem Schlafengehen. Es ist ja auch eine gute Idee, sich gut zu ernähren. Mit einer Möhre, ­einem Apfel, mit frischen, vielleicht auch gedörrten oder eingeweckten Lebensmitteln. Vielleicht wäre das ja eine Faustregel: Weniger von dem, wo eine bedruckte Folie drauf oder drum ist. Auch wenn es manchmal einfach mehr Arbeit macht, das weniger, am besten gar nicht verarbeitete Essen.

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