Stadtleben und Kids in Berlin

Das Olympiastadion im Wandel der Geschichte

Unser Olympiastadion hier in Berlin gehört zu den geschichtsträchtigsten Sportstätten in Deutschland und hat seit seiner Erbauung für die Sommerspiele im Jahr 1936 wechselvolle Zeiten durchlebt. Das Stadion wurde bis heute mehrmals umgebaut und dient nicht nur als Austragungsort von Fußballspielen und anderen Sportveranstaltungen. Auch für Konzerte und andere Events wird das Gebäude und das umliegende Gelände genutzt.

Blick vom Olympischen Platz auf das Stadion in Berlin heute.
Foto: Pixabay, © scholty1970, CC0 Public Domain

Bedeutende (Sport-)Stätte für vielfältige Veranstaltungen

Die erste Großveranstaltung im und rund um das Stadion waren natürlich die Olympischen Spiele 1936. Ansonsten wurde und wird das Stadion selbst vor allem für Fußballpartien genutzt. Es ist heute die Heimatstätte von Hertha BSC Berlin (mit Unterbrechungen seit 1963).

Darüber hinaus fanden auch wichtige Partien der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 im Olypiastadion statt. Damals war es das größte Stadion in Deutschland und etablierte sich als Spielstätte für weitere prestigeträchtige Spiele. So wird beispielsweise seit 1985 auch das Endspiel des ebenso geschichtsträchtigen DFB-Pokals stets dort ausgetragen. Bei der WM 2006 fanden ebenfalls einige Spiele, darunter das Eröffnungs- und das Finalspiel, dort statt.

Auch für Leichtathletikturniere wird das Olympiastadion regelmäßig genutzt, unter anderem für das jährliche Internationale Stadionfest Berlin (ISTAF), das zu einer Serie von 14 Wettkämpfen im Rahmen der IAAF World Challenge gehört. 2005 fand auf dem Gelände das Internationale Deutsche Turnfest mit mehr als 100.000 Teilnehmern statt.

Außerhalb des sportlichen Bereichs finden dort zudem kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte statt. Beim Besuch des Papstes Benedikt XVI. im Jahr 2011 wurde im Stadion eine heilige Messe abgehalten. 2003 war das gesamte Gelände zudem Schauplatz für den ökumenischen Kirchentag.

Die Ursprünge und das Gelände

Bereits vor Errichtung des heutigen Olympiastadions von 1934 bis 1936 befand sich auf dem Gelände eine Sportstätte: Das Deutsche Stadion. Den Anfang machte jedoch die Pferderennbahn Grunewald, die 1909 in Betrieb genommen wurde.

Als der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen (DRAfL) zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für ein Stadion für Olympische Spiele war, entschieden sie sich für die großzügige Rennanlage. Das Deutsche Stadion wurde in Rekordzeit im Inneren der Rennbahn errichtet.

Charakteristischer umlaufender Säulengang mit Fackeln.
Foto: Pixabay, © scholty1970, CC0 Public Domain

Neben den fast umlaufenden Tribünenplätzen fanden eine Radrennbahn, eine Sprungbahn, ein Schwimmbecken und zentral das Fußballfeld mit umlaufender Laufrennbahn Platz. Damit der Blick auf die Pferderennbahn durch allzu hohe Bauten nicht gestört wurde, hatte sich der Architekt Otto March dazu entschlossen, das Stadion etwas abzusenken.

Für den Bau des heutigen Olympiastadions mit den dazugehörigen Anlagen und dem umfangreichen Gelände wurde das Deutsche Stadion schließlich abgerissen. Vor allem der Olympische Platz am östlichen Ende und das Maifeld mit dem Glockenturm und der Langemarckhalle am westlichen Ende waren als wichtige repräsentative Flächen vom Architekten Werner March, Sohn von Otto March, mitgeplant worden.

Das Olympiastadion markiert den Auftakt für viele weitere Großbauprojekte, die Hitler im Laufe seines politischen Aufstiegs initiierte. Die monumentalen Bauten sollten den propagandistischen Aktivitäten auch formal Ausdruck verleihen. Hitler nutze die monumentalen Bauten gezielt für seine Auftritte und Veranstaltungen um die NS‑Diktatur zu etablieren.

Bauliche Besonderheiten

Vor allem auf das Maifeld hatte Hitler bei dem Bau bestanden, dass er künftig als Aufmarschplatz und Fläche für Propagandaveranstaltungen nutzen wollte. Bis zum Ende des Krieges fanden dort immer wieder Versammlungen statt, unter anderem die Vereidigung von Hitlers letztem Aufgebot an Soldaten im Jahr 1944.

Zur Eröffnung 1936 war das Stadion mit rund 100.000 Plätzen das größte der Welt. Trotz seiner Größe ragt der Bau von außen nur 16,5 Meter in die Höhe. Somit wirkt das Bauwerk trotz seiner monumentalen Konzeption elegant und insgesamt weniger monströs wie spätere Bauten Albert Speers (z.B. das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg).

Auch hier wurde ein Teil des Stadions in die Tiefe versenkt. Das zentrale Spielfeld lag dabei rund zwölf Meter tiefer als das Niveau im östlichen Eingangsbereich. Bereits die unteren Tribünen beginnen somit beinahe „ebenerdig“.

Die Stahlbetonkonstruktion wurde auf Anraten Hitlers mit Naturstein verkleidet. Auf der Westseite ist die Fassade unterbrochen und gibt den Blick durch das Marathontor auf das Maifeld frei.

Blick auf das Stadion über das heutige Maifeld.
Foto: Pixabay, © GSchlappal, CC0 Public Domain

Anderweitige Nutzung des Stadions zur NS-Zeit

Nach dem Ende der Olympischen Spiele 1939 gründete Hitler die sogenannte Reichsakademie für Leibesübungen – im Grunde eine Umstrukturierung der bisherigen Deutschen Hochschule für Leibesübungen. Auf dem Gelände rings um das Stadion befanden sich damals bereits weitere Sportstätten und Übungsfelder, die zur ehemaligen Hochschule gehörten. Zusammen mit dem Maifeld wurden sie nun für die Ausbildung und körperliche Ertüchtigung im Sinne der nationalsozialistischen Gesinnung für Nachwuchskräfte genutzt.

Präsident dieser Reichsbehörde für körperliche Erziehung war Hans von Tschammer und Osten, der auch die Funktion des Reichssportführers innehatte. Er war auch der Initiator des nach ihm benannten Tschammerpokals – dem Vorläufer des heutigen DFB-Pokals, der 1935 zum ersten Mal ausgetragen wurde.

Die ausgedehnten Kellerräumlichkeiten des Stadions beherbergten ab 1943 zwei Unternehmen, die dorthin zeitweise ihre Produktion verlagerten:

  • Die Henschel-Werke (Flugzeugteile) nutzten die Anlage (v.a. den Marathontunnel), nachdem das Stammwerk in Kassel bei einem Luftangriff getroffen wurde und bestehende Kapazitäten, die bereits auf dem Flughafen Schönefeld und Johannisthal bestanden, nicht mehr ausreichten.
  • Blaupunkt nutzte Räume unter den Tribünen, um Waffenzünder zu produzieren. Das Unternehmen verlagerte seinen Schwerpunkt zu dieser Zeit zugunsten der Rüstungsaufträge der Wehrmacht.

Zeitweise war auch der großdeutsche Rundfunk auf dem Olympiagelände untergebracht. Teile des Stadiongebäudes wurden zudem für die Lagerung von Lebensmitteln genutzt.

Das Haus des Deutschen Sports, damals ebenfalls Teil der Reichsakademie für Leibesübungen, am nordöstlichen Ende des Olympiageländes wurde während des Krieges als Lazarett zur Rehabilitierung von Verletzen genutzt.

Nutzung als Spionagezentrale

Nach dem Ende des Krieges fiel das Gelände rund um das Olympiastadion in die von Großbritannien besetze Zone. Das Areal wurde komplett abgeriegelt und war für die Bevölkerung nicht mehr zugänglich. Der Grund: Die britischen Besatzungsmächte nutzten Gebäude neben dem Stadion als Zentrale für ihre Spionagetätigkeiten.

Von dort aus wurden nicht nur die Tätigkeiten der russischen Besetzer überwacht, sondern auch die der Amerikaner und der Deutschen selbst in den westlichen Teilen der Republik. Hier ging es um geheime Informationen sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen Bereich. Neben dem Olympiagelände hatten die Briten gemeinsam mit den Amerikanern für dieselben Zwecke auch den nahegelegenen Teufelsberg in Beschlag genommen.

Erst 1994 gingen die von den Briten genutzten Teile des Areals zurück an das Land Berlin.

Zeit nach dem Krieg

Insgesamt ist das Gelände weitestgehend von größeren Zerstörungen im Krieg verschont geblieben. Der Glockenturm am Ostwall war durch ein Feuer zerstört worden. Nach einer Sprengung der Überreste wurde der Turm 1962 wieder rekonstruiert. Die nicht mehr nutzbare Glocke selbst steht bis heute am Südtor des Stadions.

Die erste größere Veranstaltung nach dem Krieg stellte die Fußball-WM 1974 dar. Dafür wurden ab 1970 verschiedene Umbaumaßnahmen in die Wege geleitet. Neben der Sanierung einzelner Bereiche wurden in diesem Zuge ein Teil der Nord- und Südtribüne überdacht.

Vorerst letzter Umbau 2004

Als Deutschland erneut für die WM im Jahr 2006 ausgelost wurde, fanden weitere umfangreiche Arbeiten am Stadion statt. Zwischen den Jahren 2000 und 2004 ist die zentrale Fläche nochmals um etwa zwei Meter abgesenkt worden. Als größter Eingriff gilt die vollständige Überdachung der Zuschauerränge, die von den Architekten als Leichtbaukonstruktion geplant wurde. So „schwebt“ das Dach nahezu über dem Stadionrund.

Darüber hinaus wurde die einst rote Tartanbahn gegen eine Blaue ausgetauscht – weltweit einmalig. Die Farbgebung erfolgte auf Wunsch des Heimatvereins Hertha BSC und repräsentiert seitdem prägnant die zentrale Vereinsfarbe. Heute fasst das Stadion knapp 74.500 Sitzplätze und ist damit derzeit das Drittgrößte Fußballstadion in Deutschland.

Das Olympiastadion in Berlin nach den Umbauarbeiten zur Fußball-WM 2006.
Foto: Pixabay, © scholty1970, CC0 Public Domain